Kultur

Aschauer Marterl erinnert an Mord vor 125 Jahren

Marterl und Informationstafel am Ort der Mordtat in Weidachwies – Das Marterl mit Blick zur Burg Hohenaschau
Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

„Mord am Horn-Baum“ von Aschau. An Kirchweih 1901, genau am 14. Oktober, gab es eine Rauferei im damaligen Wirtshaus: Es trafen sich die Bauarbeiter und Einheimischen nach getaner Arbeit und zum Kirchweihfeiern. Mehrere hundert in- und ausländische Arbeiter waren zu dieser Zeit mit Verbesserungsmaßnahmen anlässlich der Prien-Regulierung in Aschau beschäftigt. Als es gerade zünftig herging im Wirtshaus, kam es zwischen dem Forstgehilfen Lorenz Huber von Hohenaschau und einem Erdarbeiter aus Kolbermoor zu einem heftigen Streit. Huber lief aus der Gaststätte, sein Gegner sprang ihm nach und versetzte draußen unter dem Baum einen tödlichen Messerstich.

Wie es in den heimaturkundlichen Aufzeichnungen von Max Ziegmann im Buch „Aschau, wie es früher war“ heißt, erhielt der Täter eine Gefängnisstrafe von drei Jahren unter Zubilligung mildernder Umstände. Therese Huber aus Bach, heute 80 Jahre alt und Enkelin von Lorenz Huber, berichtet aufgrund von Weitererzählungen, dass der Täter drei oder vier Kinder hatte und auch deshalb ein milderes Urteil erhielt. Der Täter aus Kolbermoor verblutete schon ein paar Jahre nach der Freilassung selbst durch einen Messerstich.

Nach einigen Jahren schien über die Mordtat Gras gewachsen zu sein. Da kam ein zur Sommerfrische in Aschau weilender Arzt aus Westfalen am Mord-Baum vorbei. In der Chronik heißt es: „Er sah unter dem Baume einen Mann in Jägeruniform stehen, der ihn mit starren bittenden Augen unaufhörlich ansah, so dass der Arzt seinen Wagen nur in ganz langsamer Fahrt an der Erscheinung vorüber steuern konnte.“ Bei seinen nachfolgenden Erkundungen stellte sich heraus, dass der ermordete Huber und der Arzt zusammen in München in der gleichen Kompanie gedient hatten. In treuer Kameradschaft ließ der Arzt ein Marterl errichten und Seelenmessen lesen.

Nach wetterbedingten Schäden ließ Freiherr Ludwig von Cramer-Klett später ein künstlerisch gefertigtes Marterl erstellen. Im Jahr 2001 kümmerten sich zwei junge Aschauer, Bernt Reiter und Günther Mayer, in vielen Arbeitsstunden um die erneute Restauration des Bildkreuzes im Aschauer Ortsteil Weidachwies unweit der Burg Hohenaschau. In jüngerer Zeit wurde es erneut vom Aschauer Heimat- und Geschichtsverein renoviert. Weitere Informationen gibt es im Quellenband, erhältlich in der Tourist Information Aschau i.Chiemgau.

Bericht: Tourist Information Aschau i.Ch. – Bildquelle: H. Reiter


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Toni Hötzelsperger

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