Mit einem großartigen Künstler eröffnet der Verein „Kunst und Kultur zu Hohenaschau“ in der Festhalle seine erste Ausstellung in dieser Saison: Kurator Rudolph Distler, der sich nach 35 Jahren unermüdlicher Arbeit mit dieser Präsentation verabschiedete (gesonderter Bericht folgt), zeigt noch einmal die Werke eines außergewöhnlichen Künstlers, eines Grenzgängers zwischen zwei Welten – geprägt durch afrikanische Wurzeln und die europäische Lebenswelt: Stanley Ransome, 1953 in London geboren, als Sohn eines nigerianischen Vaters und einer deutschen Mutter, und studierte an der Merz-Galerie in Stuttgart als Meisterschüler von Markus Merz Gestaltung, Kunst und Medien. Er lebt und arbeitet in München.
Ransome Stanley´s Bilder haben eine enorme Anziehungskraft auf den Betrachter, die hervorgerufen wird von der Ästhetik und subtilen Sinnlichkeit, die seine Werke ausstrahlen.
Bei der Vernissage in Hohenaschau stellte das die Kunsthistorikerin Andrea Kühnhackl, die sich seit langem mit seinen Werken befasst hat, eindrücklich dar. Stanley´s Bilder und seine – auf den ersten Blick realistisch gemalten Bilder meist in Öl auf Leinwand oder Mischtechnik auf Papier – berühren den Betrachter tief und führen in die unterschiedlichsten Bild- und Bedeutungsebene, in Historie, Kunstgeschichte, Mythologie und Postkolonialismus. „Denn in Ransome´s Welt sind die Gesetze von Zeit und Raum außer Kraft gesetzt“, formulierte es Kühnhackl.
Das Bild „Eko und Iko“ im Obergeschoß zeigt die beiden Brüder George und William Muse, die – wie eine Postkarte aus dem Jahr 1922 darstellt – als Sheepheaded Cannibals (schafsköpfige Kannibalen), so genannte Albinos, in einem Wanderzirkus in einer Freak-Show zur Schau gestellt werden. Ihre Mutter konnte sie nach 20 Jahren unermüdlichen Kampfes den weißen Betreibern des Zirkus und gegen den Willden des weißen Bürgermeisters der Stadt zurück in die Familie holen. Nach einiger Zeit gingen die Beiden jedoch wieder mit dem Zirkus auf Wanderschaft, allerdings bekamen sie jetzt Lohn für ihre Arbeit, so dass sich später mit ihrem Ersparten zur Ruhe setzen konnten. Stanley´s Bild nimmt bis ins kleinste Detail mit Beschriftung das Motiv der Postkarte von 1922 auf. Die Haltung der Brüder ist identisch, allerdings nicht in den lächerlichen Kostümen mit Bart und verfilzten Haaren, sondern gekleidet in Anzüge und ihrem eindringlichen menschlichen Gesichtsausdruck: innig miteinander verbunden, Traurigkeit und Ausweglosigkeit im Gesicht. Mit diesem Gemälde gibt Stanley ihnen ihre Würde zurück. Der Betrachter fühlt die Sensibilität der Brüder und versteht ihre Blicke „warum tut ihr uns das an?“ So denkt der Betrachter unwillkürlich, wie generell Menschen anderen Menschen so etwas antun können.
Häufig sind Vogel-Motive in den Arbeiten des Künstlers zu sehen, Pelikane, Fischreiher, Schwäne, aber auch Vogelmasken oder Menschen mit Vogelattributen.
Eine sehr sehenswerte Ausstellung, in der es viel zu entdecken gibt! Sie ist bis Sonntag, 26. April, freitags und samstags von 16 bis 19 Uhr, sonntags von 14 bis 19 Uhr geöffnet.
Bericht und Bildmaterial: Christiane Giesen






