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Gedenken der Paneuropa-Union

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Grenzüberschreitendes Gedenken für Initiatorin der europäischen Einigung – München/Göding (Hodonín)/Ulm. Die europäische Einigung wurde auch von einer Frau initiiert, und zwar im Wien der 1920er Jahre.

Die damals im ganzen deutschen Sprachraum berühmte Schauspielerin Ida Roland trieb Seite an Seite mit ihrem Mann, dem Grafen Richard Coudenhove-Kalergi, die Idee eines geeinten Europa voran und versammelte ihre Bekannten aus der Wiener Intellektuellenszene der Zwischenkriegszeit, darunter die Nobelpreisträger Albert Einstein und Thomas Mann, die Literaten Rainer Maria Rilke und Franz Werfel oder die Jahrhundertmusiker Arturo Toscanini und Bronislaw Hubermann, in der Paneuropa-Bewegung. Wie ihr Mann von den Nationalsozialisten zu Tode verurteilt, nutzte sie das Exil in Amerika, um die politisch mächtigen Frauenvereine der USA für die Vision eines geeinten Nachkriegseuropa zu gewinnen, und organisierte gemeinsam mit Österreichs letzter Kaiserin Zita Hilfe für die im Winter von 1945/46 hungernde und frierende österreichische Bevölkerung.

Anläßlich des 75. Todestages der großen und weitgehend vergessenen Paneuropäerin fanden in verschiedenen Teilen Mitteleuropas Gedenkaktionen für Ida Roland statt, insbesondere in Ulm, wo ein Festakt vor dem Theater stattfand, in dem sie eines ihrer ersten Engagements hatte, in Wien, wo zwei Straßen nach ihr benannt sind, sowie im südmährischen Göding/Hodonín. Am Denkmal für die dortige, von den Nationalsozialisten schwer beschädigte und von den Kommunisten beseitigte Synagoge wies der ehemalige Münchner Europaabgeordnete Bernd Posselt, Mitglied des internationalen Präsidiums der Paneuropa-Union, auf die mährisch-jüdischen Wurzeln von Ida Roland hin, deren Mutter der einstmals mehr als tausend Menschen umfassenden jüdischen Gemeinde dieser Stadt entstammte.

Sie habe ihrem Mann, der die moderne europäische Einigung von heute initiierte, schon unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg den Kontakt zum ersten Staatspräsidenten der Tschechoslowakei, Tomáš Garrigue Masaryk, hergestellt, der in Göding geboren wurde, und zwar über die dort lebende Industriellenfamilie Redlich. Masaryk war der erste Politiker, dem die Paneuropa-Idee vorgestellt wurde, und unterstützte Coudenhove, indem er ihm einen tschechoslowakischen Diplomatenpaß ausstellte. Der jüdisch-liberale Politiker Josef Redlich, letzter Finanzminister der k.u.k. Monarchie und später auch Regierungsmitglied in der Republik Österreich, habe die Anfänge der Paneuropa-Bewegung unterstützt und dem Ehepaar Coudenhove auch im amerikanischen Exil die Wege geebnet.

Posselt betonte auch, daß Ida Roland und Richard Coudenhove-Kalergi heute durch ihre Wurzeln in den Böhmischen Ländern für den Teil Europas den Zugang zur europäischen Einigung erschließen könnten, der durch den Eisernen Vorhang von den Einigungsschritten unter Adenauer, Schuman und De Gasperi abgeschnitten gewesen sei.

Zur Ehrung der Mutter Europas hatten sich drei führende Damen der Gödinger Museumslandschaft versammelt: Ivana Chovančíková, Direktorin des Masaryk-Museums, und ihre Kollegin, die Historikerin Hana Sýnková, sowie die Direktorin der Zweigstelle des Südmährischen Staatsarchivs, Galina Rucká. Unter den Teilnehmern waren darüber hinaus die Brünner Literaturprofessorin Eleonora Jeřábková, Chefin des Deutsch-Tschechischen Begegnungszentrums in Stadt Brünn, der legendäre Literat und Paneuropäer Mojmír Jeřábek, der auch das Mährische Jüdische Museum betreut, David Macek von der Versöhnungsinitiative „Meeting Brno“ sowie der Bundesgeschäftsführer der Paneuropa-Union Deutschland, Johannes Kijas, und Pressesprecherin Stephanie Waldburg.

Bericht: Paneuropa-Union / Foto: Ulrich Micksch Erinnerung an Ida Roland vor dem Denkmal für die Synagoge von Göding/Hodonín: v.l.n.r. Johannes Kijas, Ivana Chovančíková, Hana Sýnková, Galina Rucká, Bernd Posselt, Stephanie Waldburg, Mojmír Jeřábek, Eleonora Jeřábková und David Macek.



Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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