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Christian Springer im Lokschuppen

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Kabarett zwischen Kritik und Hoffnung bei den Kleinkunsttagen im Rosenheimer Lokschuppen – „Das ist ein notwendiger Abend, denn wir brauchen den Optimismus“, eröffnete Christian Springer sein Programm „Leider!“ bei den Kleinkunsttagen im Lokschuppen. Als Kabarettist müsse er zwar kritisieren, schließlich gebe es genug Schlechtes auf der Welt. Doch wolle er sein Publikum mit mehr Hoffnung nach Hause schicken, als es mitgebracht habe. Selbst ein Pyromane sei schließlich Optimist: Er hoffe, mit einem einzigen Zündholz ein vierstöckiges Haus anzünden zu können, ohne erwischt zu werden.

Mit scharfem Witz nahm Springer die Politik ins Visier, von der bayerischen Windkraftplanung bis zur gezielten Angstmacherei. Auch der Umgang mit Tieren und Kindern lieferte ihm Stoff. Statt zwei Pandabären aus China zu holen, hätte Markus Söder lieber zwei Uiguren aus einem Todeslager retten sollen. Und wer Kinder vor den Gefahren des Internets schützen wolle, müsse auch die Voraussetzungen dafür schaffen – etwa durch 8.500 zusätzliche Lehrer in Bayern.

Künstliche Intelligenz könne hilfreich oder gefährlich sein, je nachdem, wie man mit ihr umgehe. Zugleich warnte Springer davor, die Vergangenheit zu verklären. Frauen hätten früher nicht frei über ihr Leben entscheiden dürfen. Selbst Marathonläufe seien ihnen lange verwehrt geblieben – aus der absurden Befürchtung, ihnen könne dabei die Gebärmutter herausfallen. Auch Bildung allein schütze nicht vor Irrwegen. Mit Blick auf Hitlers milde Haftstrafe nach dem gescheiterten Putsch von 1923 betonte Springer: „Bildung reicht nicht, wir brauchen eine Ausbildung für das Herz und für die Seele.“

Besonders deutlich wurde er bei Demokratie und Menschenrechten. Schulen müssten eine Haltung vertreten: eine menschenfreundliche, die Verantwortung ernst nehme. Die AfD bezeichnete er mit klaren Worten als „Demokratie-Vernichter“ und forderte ein Verbot der Partei. Zugleich berichtete er von positiven Erfahrungen mit Schülern und seiner Arbeit an Schulen. Seine Botschaft: Junge Menschen brauchen Vorbilder, die ihnen zeigen, dass es sich lohnt, für Menschlichkeit einzustehen. Dass Zuwendung Leben verändern kann, verdeutlichte Springer mit seinem Hilfsprojekt im Libanon, das Häuser für geistig beeinträchtigte Kinder und eine Ausbildungsstätte umfasst. Auch die wechselvolle Entstehungsgeschichte der deutschen Nationalhymne von Hoffmann von Fallersleben über den österreichischen Komponisten Joseph Haydn bis zu den musikalischen Wurzeln der Melodie in einem kroatischen Liebeslied nutzte er, um nationalistischen Vereinnahmungen entgegenzutreten. Sein Fazit: Die Hymne sei europäischer, als manche Nationalisten wahrhaben wollen.

Persönlich wurde Springer beim Thema Flucht und Migration. Er berichtete von seinem Arabischstudium und seinen Reisen nach Syrien und in die Nachbarländer sowie von der Hilfe seines Vereins für Geflüchtete. Seine Großmutter Paula musste bereits mit 14 Jahren ihre Familie verlassen, um Geld zu verdienen. Mit heutigen Begriffen sei sie eine „unbegleitete Minderjährige, ein Wirtschaftsflüchtling“ gewesen. „Das ist unsere Familien-Geschichte. In Ihrer Geschichte war es vielleicht ein anderes Familienmitglied.“ „Wir alle stammen von Menschen ab, die um ihr Überleben gekämpft haben“. Daraus erwachse Verantwortung: Menschen, die vor Krieg und Not fliehen, suchten eine helfende Hand – und diese sollten wir ihnen reichen.

Auch Bürokratie, der Abgasskandal bei VW und die Geschichte des Astronauten Reinhard Furrer, der nach zehn Tagen im Space Shuttle eine Reisekostenabrechnung einreichen musste, lieferten Springer reichlich Stoff für absurde Pointen. Dazwischen erinnerte er mit seiner Schafkopfrunde an den Wert persönlicher Begegnungen. Auch unterschiedliche Meinungen müssten kein Hindernis sein. Anhand einer Begegnung mit Horst Seehofer zeigte Springer, wie sich Gegensätze durch Humor und Gespräch überwinden lassen. Überhaupt sei vieles, was als typisch bayerisch gelte, von außen geprägt: von BMWs Berliner Wurzeln bis zu den römischen Einflüssen auf Sprache und Recht.

Die Geschichten in seinem „biographischen Programm“ mit politischen Spitzen, historischen Exkursen und absurden Anekdoten waren ebenso unterhaltsam wie nachdenklich – und mündeten in den eindringlichen Appell, dass es sich lohnt, für Herzensangelegenheiten einzustehen An diesem Abend ging es um eine lebendige Erinnerungskultur, demokratische Verantwortung und die Fähigkeit, trotz aller Krisen optimistisch zu bleiben.

Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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