Land- & Forstwirtschaft

BGL Biosphärenregion und Streuobst

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Streuobst für heimischen Saft  – Betriebsbesichtigung bei der Kelterei Greimel gibt wertvolle Einblicke in eine bedeutende regionale Verarbeitung

Bald schon geht sie los – die Ernte auf den Streuobstwiesen und Hausgärten im Berchtesgadener Land. Bei einer von der Biosphären-Verwaltungsstelle organisierten Führung bei der Kelterei Greimel in Laufen konnten die Teilnehmenden die Besonderheiten von Streuobstwiesen und die wertvolle Arbeit der Kelterei seit Jahrzehnten für deren dauerhaften Bestand kennen lernen. In diesem Fall die Veredelung der Früchte zu Saft – denn nur was genutzt wird, wird auch gepflegt und geschützt.

Sepp Stein, Kreisgartenfachberater im Berchtesgadener Land, zeigte an den Streuobstbäumen direkt am Kelterei-Gelände ökologische Besonderheiten und auch Herausforderungen im Anbau von heimischem Obst. Das heurige Obstjahr ist davon gekennzeichnet, dass es keine Spätfröste und trocken-warmes Wetter während der Blüte für eine gute Befruchtung der Bäume gab. Die große Hitze und Trockenheit stellen die Bäume aber zunehmend vor große Herausforderungen, ihre Früchte gut zu versorgen. Regnet es länger als zwei Wochen nicht, ist es durchaus zu empfehlen, kleinere Bäume hin und wieder richtig gut zu wässern – also viel, aber selten–um sie zu unterstützen. Sepp Stein findet im Hinblick auf die sich verändernden klimatischen Bedingungen und die derzeit große Trocken- heit und Hitze, die wir erleben, drastische Worte: „Der beste Zeitpunkt einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren. Der zweitbeste ist jetzt. Durch die zunehmenden Wetterextreme wird das „Aufziehen“ junger Bäume immer arbeitsintensiver. “Dennoch und gerade auch im Hinblick auf den Klimawandel ist es auch heute wichtig, neue Bäume für Schatten, Verdunstungskühle, ein positives Mikroklima und als Nahrungs- und Lebensraum für Insekten, Vögel und uns Menschen zu pflanzen. Ein schönes Beispiel sind die Biosphären-Obstbäume – seit 2015 wurden mehr als 4000 Streuobstbäume im Berchtesgadener Land gepflanzt.

Und genau hier – in dem Erhalt wertvoller Streuobstbestände und von Obstbäumen in Hausgärten setzt die Kelterei Greimel seit über 100 Jahren ihren Schwerpunkt. In der 3. Generation werden dort und an verschiedenen Annahmestellen ab 1. September wieder Äpfel, Birnen und Holunder aus regionalen Streuobstwiesen und Hausgärten angenommen. Das Geheimnis der Greimel Apfelsäfte liegt in der Mischung von alten und neuen Sorten und der ausschließlichen Verwendung von Streuobst. Denn: Alte Sorten auf Hochstämmen haben meist mehr Säure und Aroma als moderne „Plantagenfrüchte“. Auf diesen artenreichen Streuobstflächen gehen bäuerliche Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand – aber erhalten werden können diese Flächen nur durch eine Veredelung und Verarbeitung in der Region, wie sie die Kelterei Greimel anbietet. Und wir alle können zusammen helfen, die Artenvielfalt, Streuobst, das ohne Pestizideinsatz angebaut wird und auch diese handwerkliche, familiengeführte Verarbeitung zu unterstützen.„Seit einigen Jahren müssen wir mit den günstigeren internationalen Konzentrat-Importen und Apfelsaft aus B-Waren-Plantagen-Obst konkurrieren können. Zeitgleich wird immer weniger Obst bei uns abgegeben, weil Obst zum einen nicht mehr aufgesammelt wird oder in immer größerem Maße in kleinen Pressanlagen gepresst wird, um den Saft vom eigenen Obst zu bekommen“,so Gregor Greimel. „Wir freuen uns daher über alle, die weiterhin ihr Obst zu uns bringen und von uns in Form von Saft bezahlt werden.“ Die Abfüllung in der Kelterei Greimel erfolgt aus Überzeugung nur in Mehrweg-Glasflaschen. Der Abfüllprozess erfolgt bei 80°C, ohne Konservierungsmittel, somit ist das Getränk mindestens zwei Jahre haltbar. Dadurch entsteht weder Plastikmüll noch Altpapier aus Kartonagen. Neben den Säften, ausschließlich aus heimischem Streuobst, gibt es auch verschiedene Saftkreationen sowie Most und auch warme Glühgetränke. Fest steht, dass der Beruf des„Süssmoster Meisters“ein sehr kreativer ist und dass die Kelterei Greimel mit ihren 5 festangestellten Mitarbeitenden und saisonalen Aushilfskräften nicht nur hinsichtlich des Erhalts der Artenvielfalt auf Streuobstwiesen einen großen Beitrag zu regionalen Wertschöpfung leistet.

Abschließend sei noch auf das Apfelfest im Sortenerhaltungsgarten in Haberland am 27. September von 10-16 Uhr hingewiesen – die Gartenbauvereine im Berchtesgadener Land laden alle Interessierten herzlich zu einem abwechslungsreichen Tag mit Sortenschau, Blasmusik, Kinderprogramm, Obstschaupressen und Sortenerkennung ein.

Bericht und Foto: Biosphärenregion Berchtesgadener Land

 


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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