Kultur

Aschauer Geschichtsverein in Niederbayern

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Unter dem Motto „Gotik und Barock an Rott und Inn“ reiste der Geschichtsverein Aschau i.Ch.(HGV) kürzlich für vier Tage nach Niederbayern. Als Stützpunkt und Übernachtungsort diente das Städtchen Neuburg am Inn.

Nicht die großen und bekannten kulturellen Höhepunkte, wie z.B. der Passauer Dom, standen auf der Agenda dieser Exkursion, sondern ganz bewusst die versteckten unscheinbar anmutenden Heiligtümer in der mit Kirchen reich gesegneten Destination.

Den Programmablauf haben sich Klemens Unger, ehem. Geschäftsführer des Tourismusverbandes Ostbayern, die letzten 20 Jahre Kulturreferent und Stadtrat von Regensburg und Georg Antretter, freier Mitarbeiter des BR und Mitglied der Vorstandschaft des HGV, ausgedacht. Beide begleiteten den Ausflug, der sich nach und nach zur Champions-League in kultureller Hinsicht entwickelte. Beide ließen ihre Beziehungen spielen und brachten durch ihre ortskundigen Bekannten Farbe in den Programmablauf. So erwartete Herbert Bauer die Reisegruppe im katholischen Herzen Bayerns, in Altötting, zur Führung. Der ehem. Leiter der dortigen Tourismus-Abteilung, der in dieser Stadt aufwuchs, strahlte eine Authentizität aus, die nicht nur mit seinen humorvollen Berichten aus seiner Ministrantenzeit in diesem „heiligen“ Ort zu tun hatte. Eine andere, als die sonst vielleicht übliche Führung durch den Gnadenort.

Am Nachmittag des ersten Tages stand dann noch die Besichtigung einer der schönsten Rokoko-Bibliotheken Niederbayerns im Kloster Fürstenzell mit einer aufschlussreichen Führung auf dem Programm. Der zweite Tag war der Bayerischen Landesausstellung in Freyung, „Musik in Bayern“ gewidmet. Zunächst führte der Weg aber in die Bayerische Volksmusik-Akademie Freyung. Dort konnte Georg Antretter deren Leiter, Roland Pongratz, mit einem Tragerl Hohenaschauer Bier begrüßen. Quasi als Zeitzeuge erzählte Pongratz von der Entstehungsgeschichte der Akademie und warum diese ausgerechnet in dieser abgelegenen niederbayerischen Kleinstadt – ebenso wie die Landesausstellung – angesiedelt wurde.

Ein abendlicher Abstecher in die Domstadt Passau rundete den erlebnisreichen Ausflugstag ab. Am dritten Tag übernahm dann hauptsächlich Klemens Unger, „Kenner und „Motor“ dieser Region, die Fahrten zu ausgewählten regionalen Kleinoden. Die versteckte Siebenschläfer-Kirche in Ruhsdorf mit ihrer legendären Entstehung und den römischen Exponaten, bildete den Auftakt. Einen zweiten kulturellen Höhepunkt lieferte die 20 km entfernte Kirchenburg und Wallfahrtskirche in Kößlarn, deren Innenleben inkl. Kirchenmuseum die dortige Mesnerin, Frau Rahme, erläuterte. Ein weiteres Kleinod: die Wallfahrtskirche Sammarei in Aidenbach. Eine Steigerung an Sehenswürdigkeiten sei kaum mehr möglich – dachten wir! Doch dann ging es weiter nach Aldersbach, Mittelpunkt der von Klemens Unger initiierten Ostbayern-Ausstellung über die Schöpfungen der Gebrüder Asam. Zum Entree hatte Klemens eigens den Organisten bestellt, der die Reisegruppe mit Orgelspiel in die prächtige Barockkirche geleitete. Allein Aldersbach wäre schon eine Reise wert.

Das nächste Highlight ließ nicht lange auf sich warten. In abenteuerlicher Busfahrt, auf engen kurvenreichen Ortsverbindungsstraßen erreichten die Vereinsmitglieder schließlich das Anwesen von Jörg Mangold. Dieser hatte die Gesellschaft auf Anregung von Georg Antretter zu Kaffee und Imbiss eingeladen. Eine günstige Gelegenheit die imposante Sammlung an Jagdbildern zu betrachten. Mangold war Arzt, ist Maler und leidenschaftlicher Jäger. Seine Tiermalerei ist beispielhaft, weithin geschätzt und bekannt. Der Termin kam zustande, weil Mangold eine enge Bindung zur Familie von Cramer-Klett in Aschau hat. Er war öfters in den Prientaler Bergen mit dem Baron auf der Jagd und ihm durch seine vor allem auf Wildtiere bezogene Malerei eng vertraut. Jeder Fahrtteilnehmer durfte sich darüber hinaus einen Druck von Mangolds Werken für zuhause mitnehmen. Beispielhafte Gastfreundschaft!

Der letzte Tag war dem Park des privaten Wasserschloss Schönau gewidmet. Die traumhafte Anlage, gestaltet vom Münchner Gartenbau-Architekten Joseph Effner (der übrigens auch den Plan für den Park der Villa Elisabeth in Hohenaschau geschaffen hat), lud zu einem Spaziergang bei herrlichem Wetter ein. Danach stand die nahegelegene Wallfahrtskirche in Gartlberg  zur Besichtigung an. Dort traf die Gruppe auf den als Fernsehkoch im BR bekannten Paul Engkofer, den Georg Antretter gebeten hatte, etwas über Gartlberg und seine Heimatstadt Pfarrkirchen zu erzählen. Nach der Mittagsrast im reizenden Pfarrkirchen folgte die Fahrt nach Schildthurn. Dort galt es, den mit 78m höchsten Dorfkirchturm Bayerns der Wallfahrtskirche St. Ägidius zu bestaunen.

Wer im Vorfeld der Jahresfahrt beim Durchlesen des Programms vielleicht dachte. „O Gott, so viele Kirchen auf einmal, das wird was werden“ – der sah sich am Ende eines Besseren belehrt.Der Reichtum an kulturellen Sehenswürdigkeiten in diesem relativ kleinen ländlichen Bereich war kaum zu erwarten bzw. zu glauben. Klemens Unger sei es gedankt, der durch seine jahrzehntelange Arbeit mit viel Herzblut nicht nur erreichte, das Regensburg Weltkulturerbe wurde, sondern dass seine Heimat Niederbayern und Oberpfalz heute ein anderes Image besitzt, als das vor 30 Jahren der Fall war.

Bericht und Bilder: Wolfgang Bude


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!