Kultur

Gitarrenwerkstatt im GewölbeHof in Freyung

Gemeinsam mit ihrer Oma Maria Seewald hat Linda an der Ausstellungsgitarre in der Werkstatt von Libor Pražan mitgewirkt.
Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Freyung. Linda ist vier Jahre alt. Eine Gitarre kann sie noch nicht bauen – ein kleines Stück davon aber schon. Gemeinsam mit ihrer Oma Maria Seewald besuchte sie die offene Gitarrenwerkstatt von Libor Pražan im GewölbeHof in Freyung. Die beiden sind die 500. Mitbauerinnen an der Gitarre, die während der Bayerischen Landesausstellung 2026 „Musik in Bayern” entsteht und am Ende an die Volksmusikakademie in Bayern übergeben wird. Jetzt braucht das Instrument nur noch eines: einen Namen.

Ein besonderer Moment in der Werkstatt

Für ein vierjähriges Mädchen ist eine Gitarrenwerkstatt ein spannender Ort: Holz auf der Werkbank, Werkzeug wird erklärt, und mittendrin entsteht ein Instrument, das irgendwann einmal Musik machen soll. Linda ist neugierig. Sie wohnt mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester in Aicha v. Wald. Zu ihren Spielsachen zählen auch eine kleine Gitarre und eine Geige – das Zupfen der Saiten gefällt ihr. Wenn sie zu ihrer Oma nach Freyung kommt, unternehmen die beiden immer etwas Besonderes. Diesmal ging es in die Werkstatt von Libor Pražan.

Anfangs ist Linda noch etwas schüchtern, aber dann ist sie voller Eifer dabei. Ein kleiner Handgriff hier, ein prüfender Blick zur Oma und zu Libor Pražan – gemeinsam haben sie Purflings gehobelt und vorsichtig eingesetzt. Purflings sind die dekorativen Ränder an der Gitarre, ähnlich einer Intarsie aus kontrastierendem Holz. Ein bisschen Holz, ein paar Handgriffe und viel Neugier – mehr braucht es manchmal nicht, um Teil einer besonderen Geschichte zu werden, um einen besonderen Moment zu erleben.

500 Menschen, ein Instrument

Libor Pražan, der aus Nordböhmen stammende Instrumentenbauer, versteht Holz nicht nur als Material, sondern als Träger von Klang und Geschichte. Seit Beginn der Bayerischen Landesausstellung lädt er Besucherinnen und Besucher in seiner offenen Werkstatt im GewölbeHof dazu ein, den Bau einer klassischen Gitarre aktiv mitzuerleben und mitzugestalten.

Kinder und Erwachsene, Neugierige und Musikbegeisterte, Einheimische und Gäste von weit her: Jeder Handgriff ist nur ein kleiner Teil des Ganzen – aber genau das macht dieses Instrument zu etwas Besonderem. Die Gitarre erzählt nicht nur von handwerklichem Können und feinem Klangholz aus dem Böhmerwald, das vom oberösterreichischen Klangholz-Hersteller Kölbl zur Verfügung gestellt wurde. Sie erzählt auch von den Menschen, die während der Landesausstellung bereits vorbeigekommen sind und ein kleines Stück ihrer Zeit in sie gesteckt haben. Linda und ihre Oma Maria gehören nun zu dieser Geschichte.

Wie soll die Gitarre heißen?

Ein paar Handgriffe fehlen noch, bis die Gitarre fertig ist. Und so ein besonderes Instrument braucht auch einen besonderen Namen. Gesucht wird ein Name, der zur ungewöhnlichen Entstehung dieses Instruments passt: zum gemeinsamen Bauen, zum Klangholz aus dem Böhmerwald, zur Verbindung von Menschen, Musik und Freyung – oder zu allem auf einmal. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Bis zum 29. Oktober können Vorschläge unter info@musikin.bayern eingereicht werden. Nach der Bayerischen Landesausstellung wird sie an die Volksmusikakademie in Bayern in Freyung übergeben. Dort wird sie ihre Geschichte weiterschreiben – hoffentlich mit einem Namen, der genauso ungewöhnlich ist wie der Weg, auf dem sie entstanden ist.

Und vielleicht erinnert sich Linda irgendwann daran, dass sie einmal mit ihrer Oma an einer Gitarre gebaut hat. An einer Gitarre, die noch keinen Namen hatte.

Die Gitarrenwerkstatt von Libor Pražan im GewölbeHof (ehem. Passauer Hof, Stadtplatz Freyung) und die Bayerische Landesausstellung „Musik in Bayern” im TonYversum in Freyung sind noch bis zum 8. November 2026 geöffnet.

Text: Musikin Bayern – Bildquelle: ©Stadt Freyung Veranstaltungs gGmbH_Dietmar Manzenberger


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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