Wie lange sich die Pittenharter am letzten Septembersamstag auf den Weg nach Maria Eck machen, weiß keiner mehr so richtig. Leute, die heute über achtzig Jahre alt sind, erinnern sich, dass sie als kleine Kinder „zum Wallfahrten“ nach Maria Eck gingen. Aus Überlieferungen dürfte der Brauch bis in die Jahre um 1650 zurückgehen.
Letzten Samstag war es wieder einmal so weit: Nach dem Pilgersegen durch Wortgottesdienstleiterin Christine Emmerer in der Pittenharter Pfarrkirche ging es mit Glockengeläut um sechs Uhr morgens für etwa 45 Gläubige zu Fuß auf den 38 Kilometer langen Weg hinauf nach Maria Eck bei Siegsdorf. Kühl war der erste Teil der Strecke, der vorbei an Oberbrunn und Pavolding nach Seebruck führt. Die ersten Strahlen der am Horizont auftauchenden Sonne wärmten die Pilger, die inzwischen auf dem Weg entlang des Chiemsee-Ufers Richtung Chieming unterwegs waren, wo die erste Pause zum Mittagessen eingelegt wurde. Das Teilstück entlang des Chiemsees dürfte in der frischen Morgenluft eine der schönsten Wegstrecken sein; die erwachende Natur und die Ruhe luden während des Betens der Rosenkranzgesetze zum Innehalten ein.
So manch einer machte sich mit einem Wunsch oder einem Dank auf den Weg. Dankbarkeit für 49 Jahre, in denen er das Kreuz an der Spitze der Pilgergruppe nach Maria Eck tragen konnte, verspürt auch Sepp Reithmeier aus Pittenhart. „Die Zeit war schön“, sagt er, „hat alles seine Zeit“, er hofft, dass er in den kommenden Jahren weiterhin mitgehen kann. Den Bußgottesdienst in der Chieminger Pfarrkirche zelebrierte Obings Ruhestandspfarrer Christoph Kronast und erinnerte dabei an das Gedenken am Vortag an Bruder Klaus von der Flüe: “Friede ist allweg in Gott, denn Gott ist der Friede”. Mit einem weiteren Segen machten sich die Pilger wieder auf den Weg.
Für die Kaffeepause am Nachmittag hatte die Frauengemeinschaft von Vachendorf wieder Kaffee, Kuchen und Brotzeiten vorbereitet, und so ging es gestärkt auf die letzte Etappe des Weges über Bad Adelholzen den Berg hinauf nach Maria Eck. Für die Begleitung mit dem Auto stellte sich Englbert Vodermaier zur Verfügung. Zum Gottesdienst in der Wallfahrtskirche um 17.00 Uhr wurden die Pilger aus Pittenhart und Obing ganz herzlich von Pater Christian, Bruder der Franziskaner Minoriten der deutschen Ordensprovinz St. Elisabeth, begrüßt. „Schee, dass ihr immer kommts, es ist so wichtig, dass sich Leute auf den Weg machen und beten“. Gerade in der heutigen Zeit sieht der Geistliche das als immer wichtiger, auch wenn man nicht immer gleich die innere Ruhe für ein Gebet finden kann. Eigene Schwächen und die Bedürftigkeit erkennen diene in besonderer Weise zur Umkehr und zur Einsicht, wie Pater Christian in seiner Predigt ausdrückte.
Nach dem Gottesdienst und dem Schlusssegen freute sich die Wallfahrtsgruppe auf ein kühles Bier und ein deftiges Abendessen, zu dem in die Klostergaststätte eingekehrt wurde. Zufrieden, wenn auch müde und etwas erschöpft, wurde am frühen Abend nach dem getanen Tageswerk die Heimfahrt angetreten.
Bericht und Foto: Emmy Künzner-Hingerl – Kaiserwetter begleitete die Pilgergruppe aus Pittenhart und Obing auf dem Weg zur Wallfahrtskirche Maria Eck; Sepp Reithmeier trug zum 49. Mal das Kreuz.




