Kultur

Ausstellung: die Porzellanmaler von Übersee

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Eine einzigartige Ausstellung, die in dieser Form niemals mehr zu sehen sein wird, ist bis einschließlich Sonntag, 4. Oktober, in der Galerie im Wirtshaus D´ Feldwies im ersten Stock zu sehen. Der Arbeitskreis Ortsgeschichte in Übersee mit einigen sehr engagierten Mitgliedern hat von 25 Leihgebern eine außergewöhnlich sehenswerte Präsentation von feinst bemaltem Porzellan, Bildern und Erinnerungsstücken zusammengestellt.     

An den Wänden auf Regalen und Tischen sind Beispiele feinsten Porzellangeschirrs, Vasen, Sammelteller Figuren und Objekte vieler Art zu sehen. Dazu feine Malerei von Tieren und Pflanzen im Eingangsbereich sowie Zeichnungen wie die noch vor rund 30 Jahren aktiven Porzellanmaler „die Welt“, ihre Umgebung oder ihre Kollegen in verschiedenen Posen, oft auch ironisch, wahrnahmen. Selbst anwesend waren nur noch drei der hochbetagten Porzellanmaler von Übersee nämlich Rudi Häckel, Josef Heldmann und Gerhard Bölle. Natürlich waren viele Familienangehörige und Freunde der anderen auch gekommen.

Viele Vorsichtsmaßnahmen

Bei der sehr gut besuchten Vernissage wurden unter anderem durch Absperrbänder alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen, damit nicht ein „Elefant im Porzellanladen“ die wertvollen Exponate aus Versehen beschädigt – Taschen oder gar Rucksäcke dürfen nicht mitgeführt werden. Im Namen der Gemeinde begrüßte stellvertretende Bürgermeisterin Margarete Winnichner die Gäste und freute sich, dass mit viel akribischer Vorbereitungsarbeit und Mühe diese einzigartige Präsentation zustande kam. Sie sei nicht nur für die Einheimischen eine Erinnerung an die Ortsgeschichte, sondern auch für die Zugezogenen und Gäste im Chiemgau hochinteressant. Nicht nur der Gemeinde, sondern auch dem Bayerischen Finanzministerium war die Ausstellung zu Ehren der Firma Heinrich und als wichtiges Stück Dorfgeschichte eine finanzielle Förderung wert. Die Ortsheimatpflegerin und Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Achental, Annemarie Kneissl-Metz, kündigte an, dass am Montag, 9. November ein neues Buch zu der Geschichte der Porzellanmaler in Übersee vorgestellt wird, zu dem jetzt schon Vorbestellungen entgegen genommen werden.

Von Selb nach Übersee

Eine Einführung zur  Geschichte der Porzellanmanufaktur Heinrich – Seethal und die Überseer Porzellanmaler gab Gabriele Gschwendner, Vorsitzende des AK. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die berühmte Firma Rosenthal mit ihrer Manufaktur in die Natur nach Garmisch-Partenkirchen. Das war auch ein Grund für Adolf Heinrich, es seinem Konkurrenten gleich zu tun. Denn die historische Porzellanfabrik Franz Heinrich hatte sein Großvater 1896 in Selb gegründet. Über familiäre Kontakte erfuhr er von der leer stehenden Funkerkaserne in Seethal und gründete dort 1947 die Manufaktur Heinrich mit anfangs neun Malern unter der Leitung von Karl Mötsch – heute würde man sagen „Chefdesigner“. Mötsch wohnte mit seiner Familie zunächst auch in der Fabrik, wo noch seine Tochter Frieda geboren wurde, die auch Gast der Vernissage war. Die anderen Maler wohnten in ganz Übersee – Feldwies verstreut. Heinrich hatte schon in Selb für seine Arbeiter Werkswohnungen auf dem Goldberg gebaut und baute sie nun auch in Übersee. Im so genannten Unterland entstanden vier Zweifamilienhäuser für seine Maler und ihre Familien, daher „Heinrichwinkl“ genannt, idyllisch gelegen, heute im Naturschutzgebiet am Ufer des Chiemsees. Ziel der Außenstelle war es, anspruchsvolle künstlerische Handarbeiten zu fertigen, abseits der industriellen Serienproduktion des Stammwerks in Selb. Leider schwand in den späten 1960er Jahren das Interesse an handgemaltem Porzellan. Die Firma Heinrich wurde von Villeroy und Boch übernommen und die Manufaktur aufgegeben. Viele der Maler aber blieben und fanden im Chiemgau eine neue Heimat. In Heinrichwinkl ist nur noch das Haus von Karl Mötsch in „Malerhand“, wo seine Enkelin lebt.

Mehrere Begleitveranstaltungen

Die Ausstellung im ersten Stock des Wirtshaus D´ Feldwies ist einschließlich Sonntag, 4. Oktober, werktags täglich von 16 bis 19 Uhr, am Wochenende von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Es gibt verschiedene Veranstaltungen zu der Präsentation: Gerhard Waschin führt die Besucher am Sonntag, 27. September, um 16 Uhr durch die Geschichte des Porzellans. Über „Heinrich und seine Porzellanmaler“ berichten Anni Erhardt und Birgit Ewald am Samstag, 3. Oktober, um 16 Uhr und einen großen „Heinrich-Porzellan-Flohmarkt“ gibt es am Sonntag, 4. Oktober im Saal des Wirtshauses D´Feldwies von 13 bis 18 Uhr.                                         Christiane Giesen

Bericht und Fotos: Christiane Giesen

Die drei heute hoch betagten Porzellanmaler von Übersee (von links) Josef Heldmann, Gerhard Bölle und Rudi Häckl.

Sehr schöne Beispiele aus den Porzellansammlungen von insgesamt 25 Leihgebern sind in der Ausstellung zu sehen.

Die Porzellanmaler fertigten auch feinst gemalte Bilder an.

Bei der Vernissage sprach Gabriele Gschwendner (rechts) vom Arbeitskreis Ortsgeschichte, hier neben einer Besucherin und stellvertretender Bürgermeisterin Margarete Winnichner.

 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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