Neun Ortsteile – eine Leidenschaft. Neun Kirchweihen im Jahresablauf – welche Gemeinde in Bayern kann das schon von sich behaupten. Die Großgemeinde Speichersdorf am südlichen Rand des Fichtelgebirges mit ihren 6000 Einwohnern und 31 Ortsteilen dürfte damit im Freistaat Spitzenreiter sein.
Eine der Hintergründe liegt in den Gebietsreformen der Nachkriegszeit. Im Jahr 1946 war bereits die Gemeinde Zeulenreuth eingegliedert worden. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern kamen am 1. Januar 1972 Guttenthau, Haidenaab mit der 1946 eingegliederten Gemeinde Göppmannsbühl am Berg, Plössen, Ramlesreuth und Wirbenz hinzu. Am 1. Juli 1972 folgten Kirchenlaibach und Windischenlaibach mit der am 1. April 1971 eingegliederten Gemeinde Nairitz, und Roslas von der aufgelösten Gemeinde Mockersdorf. Am 1. Mai 1978 kamen Brüderes und Weißenreuth von der Nachbargemeinde Seybothenreuth und Frankenberg aus der Gemeinde Prebitz hinzu. Bis heute hat sich deren ortsteilbezogenes reges Vereinsleben erhalten. Dazu gehören auch die Kirchweihen. Doch nur einige haben eine ungebrochene Tradition und können auf ihr über 100-jähriges Bestehen zurückblicken. Die meisten endeten mit dem Verfall der Wirtshaustradition. Entweder für immer oder wurden später von Vereinen, der Dorfjugend oder von der Dorfgemeinschaft neu belebt und sind so an die Stelle früherer Wirtshauskirchweihen getreten. Jede hat ihre Eigenheiten und Alleinstellungsmerkmale. Keine gleicht der anderen.
Nach der Frankenberger und Windischenlaibacher Kirwa im Mai und Juli steht der Großgemeinde im September und Oktober ein regelrechter Kirwa-Marathon ins Haus. Dann sind nicht nur die Kirwamadla und Kirwaburschen sowie die Meisterköchinnen der Vereine gefragt. Bei sieben Ortsteil- beziehungsweise Vereins-Kirchweihfesten wird es neben einem Rahmenprogramm und einer vielfältigen Palette an kulinarischen Leckerbissen auch einen Mix aus fetziger Party- und Rock-Musik geben. Da werden sich von boarisch-böhmisch über rhythmisch-melodisch bis poppig-rockig-trashig Bands wie die Lederhosen Lackl und Essig & Öl, F.U.C.K und Audio Gun ein weiteres Mal ein Stelldichein geben. Dann werden junge Madla und Buam in Dirndl und Tracht in die Zelte und Stodl zum Boarischen Abenden und zu den Rockpartys strömen. Dann wird zu fetziger Volks- und Schlagermusik, zu kultigen Rock- und Metall-Klassikern nicht nur das Tanzbein geschwungen.
Den Auftakt machen am ersten Septemberwochenende die Zeulenreuther Zeltkerwa (4. bis 7. September) und die Tauritzmühler Schmankerl-Kirwa (16. bis 20. September). Vom 16. bis 20. September laden das Fichtelgebirgsteam um Vorsitzenden Dieter Kottweitz sowie die Wirtsleute Tanja und Uwe Schäffler zu Kirchweihtagen auf die Tauritzmühle. Unter der Linde und in den rustikalen Räumlichkeiten warten fünf Tage lang neben einer reichhaltigen Speisekarte als Kirchweihschmankerl hausgemachter Zwicklbraten, Siedwürst, Krenfleisch, Haxn und Kesselfleisch auf die Gäste. Die Wanderfreunde sind dabei am Donnerstag, 17. September, um 9 Uhr zu einer Kirchweihwanderung rund um die Tauritzmühle eingeladen.
Ein Mix aus spannenden Fußballspielen der TSV-Mannschaften einerseits und kulinarischen Leckerbissen andererseits wartet am 25. und 26. September bei der Sportheim-Kirchweih des TSV Kirchenlaibach an der Jahnstraße auf die Besucher. Vom 1. bis 4. Oktober lädt die Wirbenzer Dorfjugend zur Wirbenzer Kirwa in die Kulturscheune und auf den Festplatz rund um das Feuerwehrgerätehaus und vom 9. bis 11. Oktober die Kirwamadla und Kirwabuam der Alt-Speichersdorfer Kirwagesellschaft zur Speichersdorfer Kirwa in den „Kreutzer-Stodl“ ein.
Die Allerweltskirchweih am Wochenende vom 15. bis 19. Oktober ist dem Ortsteil Haidenaab mit ihren Traditionsgaststätten Scherm und Veigl mit Fischvariationen, bürgerlicher Küche und Schmalzküchla vom Feinsten vorbehalten. Den krönenden Abschluss des Kirwa-Reigens setzt eine Woche später, am 23. Oktober, die Herbst-Kirchweih in Windischenlaibach.
Text und Bilder: Wolfgang Hübner





