Wie können Kommunen künftig ressourcenschonender planen, bauen und dabei gleichzeitig klima- und kostengerechte Lösungen umsetzen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Mitgliedskommunen des Klimaschutznetzwerks Rosenheim-Traunstein bei ihrem neunten Arbeitstreffen im Rathaus Prien am Chiemsee. Fachvorträge und eine Exkursion zu einem geförderten Wohnprojekt lieferten den Teilnehmenden praxisnahe Impulse für die kommunale Bau- und Planungspraxis.
Andreas Friedrich, erster Bürgermeister des Marktes Prien am Chiemsee, begrüßte die Vertreterinnen und Vertreter der 16 Mitgliedskommunen und hob die Bedeutung ressourceneffizienten Bauens für die kommunale Entwicklung hervor. „Planen und Bauen wird in den kommenden Jahren noch stärker unter dem Gesichtspunkt der Ressourcenschonung betrachtet werden müssen. Gerade die Kommunen können hier mit gutem Beispiel vorangehen und nachhaltige Standards setzen“, so Friedrich.
Zu Beginn des Treffens betonte Tobias Stahl, Geschäftsführer des Instituts für nachhaltige Energieversorgung GmbH (INEV), in seinem Grußwort, dass neben dem Ziel der Klimaneutralität auch die Klimaanpassung weiter an Bedeutung gewinne. Zugleich warb er für ein mögliches Folgenetzwerk mit den Schwerpunkten erneuerbare Energien, Energiespeicher, Netzinfrastruktur und Sektorkopplung. Die Kommunen, so Stahl, seien dabei die Motoren des Netzwerks.
Anschließend gab Sebastian Gröbmayr von INEV einen Überblick über den aktuellen Stand der Netzwerkarbeit. Dabei wurde deutlich, dass die Kommunen bereits zahlreiche Maßnahmen angestoßen haben und der regelmäßige Austausch im Netzwerk weiterhin eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung kommunaler Klimaschutzprojekte bildet.
Einfach Bauen: Weniger Komplexität, mehr Wirkung
Einen fachlichen Schwerpunkt setzte der Vortrag von Rainer Hofmann, geschäftsführender Gesellschafter von bogevischs buero architektur & stadtplanung GmbH. Unter dem Titel „Einfach Bauen“ zeigte er, wie sich mit angemessenen Standards, reduzierter technischer Komplexität und langlebigen Materialien ressourcenschonende und wirtschaftliche Gebäude realisieren lassen. „Wir müssen wieder stärker danach fragen, was ein Gebäude wirklich braucht – nicht nach maximaler Technik, sondern nach passenden und dauerhaften Lösungen“, betonte Hofmann. Anhand von Praxisbeispielen verdeutlichte er, wie einfache Grundrisse, wiederverwendete Baustoffe und gemeinschaftlich genutzte Flächen Baukosten senken und zugleich Wohnqualität schaffen können.
Klimarelevante Stadtplanung als kommunaler Hebel
Im Anschluss referierte Heiko Bernhardt, Kommunalberater der Energieagentur Ebersberg-München gGmbH und früher unter anderem Bauamtsleiter, zur klimarelevanten Stadtplanung. Er stellte vier zentrale Instrumente vor, mit denen Kommunen Klimaschutz und Klimaanpassung in ihre Planung integrieren können: Grundsatzentscheidungen im Kommunalgremium, deren Verankerung in Flächennutzungs- und Bebauungsplänen, städtebauliche Vertragsgestaltung sowie eine frühzeitige Akteursbeteiligung. „Klimarelevante Stadtplanung braucht klare politische Leitlinien, verbindliche Instrumente und eine frühe Einbindung aller Betroffenen“, betonte Bernhardt. So lasse sich Akzeptanz schaffen, spätere Konflikte vermeiden und Nachhaltigkeit dauerhaft sichern.
Praxisbeispiel in Prien: Mehrgenerationen-Wohnprojekt Eglwies
Zum Abschluss des Netzwerktreffens besichtigten die Teilnehmenden das Mehrgenerationen-Wohnprojekt Eglwies in Prien am Chiemsee, das im Rahmen der Einkommensorientierten Förderung realisiert wurde. Das Projekt veranschaulichte, wie sozialer Wohnungsbau, nachhaltige Planung und ein zukunftsfähiges Wohnkonzept miteinander verbunden werden können. Die Exkursion bot damit ein anschauliches Beispiel dafür, wie ressourceneffizientes Bauen in der Praxis umgesetzt werden kann.
Das neunte Netzwerktreffen machte erneut deutlich, dass Kommunen beim ressourceneffizienten Planen und Bauen eine Schlüsselrolle einnehmen. Durch fachlichen Input, den Austausch im Netzwerk und konkrete Praxisbeispiele erhielten die Teilnehmenden wertvolle Impulse, um nachhaltige Bau- und Planungsstrategien vor Ort weiter voranzubringen.
Über das Klimaschutznetzwerk Rosenheim-Traunstein
Im Rahmen des Klimaschutznetzwerks Rosenheim-Traunstein haben sich 16 Kommunen aus den Landkreisen Rosenheim und Traunstein zusammengeschlossen, um in den kommenden drei Jahren gemeinsame Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen und die CO₂-Bilanz der Region nachhaltig zu verbessern. Ziel des Netzwerks ist es, regionale Kräfte zu bündeln und effektive Strategien gegen den Klimawandel zu entwickeln.
Begleitet wird das Netzwerk fachlich vom Institut für nachhaltige Energieversorgung GmbH (INEV). Ein zentraler Fokus der Kooperation liegt auf dem kontinuierlichen Erfahrungsaustausch zu Ressourceneffizienz und Klimaschutz.
Über INEV
Das Institut für nachhaltige Energieversorgung (INEV) unterstützt Kommunen und Unternehmen auf ihrem Weg zur Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeitsstrategien sind dabei kein Selbstzweck, sondern auf die Sicherung von Ressourcen ausgerichtet. INEV entwickelt ganzheitliche Lösungen und unterstützt seine Kunden bei der Umsetzung von Konzepten und Maßnahmen zur Klimaneutralität und Nachhaltigkeit. Durch die Fördermittelberatung unterstützt INEV zusätzlich bei der Finanzierung der notwendigen Vorhaben.
Bericht und Foto: Institut für nachhaltige Energieversorgung GmbH


