Kirche

Haushalt der Erzdiözese München-Freising

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Erzdiözese legt Jahresabschluss 2025 und Haushalt 2026 vor  –  Positives Jahresergebnis beruht erneut auf Einmaleffekten
Generalvikar Klingan: „Aktuellen Herausforderungen stellen und vorausschauend handeln“

München, 23. Juli 2026. Die Erzdiözese München und Freising hat im Rahmen ihrer jährlichen Finanzpressekonferenz am Donnerstag, 23. Juli, ihren Jahresabschluss und Lagebericht 2025, den Haushalt 2026 sowie Jahresabschlüsse, Lageberichte und Haushalte weiterer wichtiger Rechtsträger im Erzbistum vorgelegt. Die Rechnungslegung erfolgte, wie stets seit dem Jahr 2015, gemäß den Vorgaben des Handelsgesetzbuches (HGB).

Trotz weiterhin herausfordernder finanzieller Rahmenbedingungen gab sich Christoph Klingan, Generalvikar der Erzdiözese München und Freising, bei der Vorstellung der Zahlen zuversichtlich: „Obwohl die Ressourcen knapper werden, ist mir nicht bange um die Zukunft: So wir uns den aktuellen Herausforderungen stellen und vorausschauend handeln, werden wir im Erzbistum München und Freising weiter wirksam als Kirche präsent und für die Menschen da sein. Das ist unser Anspruch und den wollen wir bei allen Veränderungen, die anstehen, auch erfüllen.“

Die rückläufige Entwicklung der Mitgliedszahlen und die aktuellen wirtschaftlichen Krisen führten „bestenfalls zu einer Stagnation, auf lange Sicht wohl zu einem Rückgang der Kirchensteuer, der Basis der Einkünfte der Erzdiözese“, erklärte Klingan. Daneben „steigen die Ausgaben durch Inflation und allgemeine Kostensteigerungen beim Bauen und dem Unterhalt für unsere Gebäude, den Gehältern oder der Altersvorsorge“. Mit Blick auf die sich verändernden Rahmenbedingungen sei klar, dass „wir nicht mehr einfach alles weiterführen können wie bisher, Konzentration und Schwerpunktsetzungen sind angezeigt“, so der Generalvikar. Es gelte, „unser Profil zu schärfen und neu deutlich zu machen, wofür wir als Kirche stehen“. Dennoch verfolge die Erzdiözese weiterhin den „Anspruch, in der Gesellschaft mit unserem kirchlichen Handeln präsent und wirksam zu bleiben – zuvorderst dort, wo Menschen Gott suchen oder Hilfe brauchen“.

Zu den großen Kostenpunkten gehört laut Klingan vor allem der Gebäudeunterhalt in den Pfarreien: „Rund 3.600 pastoral genutzte Gebäude, Kirchen, Pfarrhäuser, Pfarrheime, befinden sich im Besitz der Kirchenstiftungen, rund 50 Millionen Euro fließen jährlich von der Erzdiözese für Instandhaltung und Bau pastoraler Gebäude als Zuschuss an die Kirchen- und Pfründestiftungen.“ Um die Immobilienlast vor Ort gezielt zu reduzieren, setze die Erzdiözese aktuell das Projekt „Immobilien und Pastoral“ als Teil ihres Gesamtstrategieprozesses um. Nach zwei Piloten in den früheren Dekanaten Berchtesgaden und Forstenried werde das Projekt nun Dekanat für Dekanat unter Beteiligung der Verantwortlichen und Engagierten vor Ort ausgerollt. „Bis zum Jahr 2031 sollen alle 18 Dekanate mit Hilfe des Ordinariats ein auf die pastoralen Erfordernisse vor Ort abgestimmtes Gebäudeportfolio entwickelt haben. Ein Portfolio, das langfristig und nachhaltig durch Eigenmittel und den Zuschuss der Erzdiözese finanziert werden kann“, sagte der Generalvikar.

Bei Maßnahmen wie diesen gehe es um „Veränderung, ja auch Reduzierung an mancher Stelle, aber nicht um Rückzug“, stellte Klingan zugleich klar. Die Erzdiözese fördere weiterhin gezielt eine lebendige Kirche vor Ort, und dazu brauche es „auch Strukturen und vor allem Menschen, die Mitverantwortung übernehmen“. Dazu zählen laut dem Generalvikar die vielen Ehrenamtlichen in den Räten und Gremien, die 2024 neu gewählten Mitglieder der Kirchenverwaltungen ebenso wie die in diesem Frühjahr neu gewählten Pfarrgemeinderäte. Generalvikar Klingan verwies auf die gegenüber der vorigen Wahl 2022 um rund sechs Prozentpunkte auf 18 Prozent gesteigerte Wahlbeteiligung; dazu habe „sicher beigetragen, dass in der überwiegenden Mehrzahl der Pfarreien eine Onlinewahl angeboten wurde“. Rund 202.000 wahlberechtigte Katholikinnen und Katholiken haben rund 5.000 Pfarrgemeinderäte aus knapp 6.000 Kandidatinnen und Kandidaten gewählt, 141.000 nutzten die digitale Wahlmöglichkeit. „Besonders freut es mich, dass in unseren Pfarrgemeinderäten alle Generationen vertreten sind. Ein Drittel der Mitglieder ist jetzt neu im Pfarrgemeinderat. Insbesondere für die Neugewählten, aber auch für alle anderen Interessierten hat es erst vor knapp zwei Wochen eine große Einführungsveranstaltung in München gegeben“, berichtete Klingan.

Im Zusammenhang des ehrenamtlichen Engagements, das im Raum der Kirche vielfach gefördert und unterstützt werde, verwies der Generalvikar auf das fast vollständig aus Kirchensteuermitteln finanzierte Angebot der Telefonseelsorge in der Erzdiözese, das im Rahmen der Finanzpressekonferenz durch den Leiter der Telefonseelsorge und eine ehrenamtlich Mitarbeitende vorgestellt wurde. „Seit 1962 ist die Telefonseelsorge in der Erzdiözese rund um die Uhr erreichbar und schließt damit auch eine Lücke, wenn andere Beratungsangebote geschlossen sind, etwa in der jetzt wieder bevorstehenden Ferienzeit“, sagte Klingan. Mit rund 35.000 Anrufen von Rat- und Hilfesuchenden pro Jahr und etwa 4.000 Mail- und Chat-Kontakten sei die Nachfrage sehr hoch. „Die professionelle Begleitung für die Ehrenamtlichen durch Mitarbeitende der Erzdiözese ist uns sehr wichtig und wird geschätzt. Das zeigt auch eine maßgeblich von der Erzdiözese finanzierte Studie zur Telefonseelsorge aus dem Jahr 2025“, führte der Generalvikar aus. Die Telefonseelsorge sei demnach auch für die Zukunft ein wichtiges kirchliches Angebot.

Abschließend hob Klingan die anhaltende Bedeutung von Aufarbeitung und Prävention von Missbrauch für die Erzdiözese hervor: Neben flächendeckend vorliegenden aktuellen Schutzkonzepten in den Pfarreien, habe die Stabsstelle Prävention eine digitale Plattform etabliert, auf die alle Pfarreien ihre Schutzkonzepte hochladen könnten und die die fachliche Prüfung sowie Fortschreibung der Schutzkonzepte in einem dynamischen Prozess ermögliche. „Ich halte das für einen weiteren, ganz wesentlichen Schritt in unserem dauerhaften Bemühen, dass Kinder und Jugendliche in der Kirche bei uns im Erzbistum einen sicheren Ort haben und wir Missbrauch jeglicher Art bestmöglich verhindern“, so der Generalvikar.

In ihren Ausführungen bei der Finanzpressekonferenz unterstrich Stephanie Herrmann, Amtschefin des Erzbischöflichen Ordinariats, nochmals die Bedeutung des Engagements der vielen Ehren- und Hauptamtlichen: „Die Zukunft der Kirche liegt in den Menschen, die sich vor Ort, in den Pfarreien, den zahlreichen katholischen Einrichtungen und Verbänden engagieren, ob hauptamtlich oder ehrenamtlich. Sie engagieren sich nicht selten zum Wohl der gesamten Gesellschaft. Dass die Kirche durch Menschen lebendig wird, wird auch im Haushalt der Erzdiözese deutlich, in dem die Personalkosten den größten Posten auf der Ausgabenseite bilden, wie auch an den entsprechenden Zuschüssen.“

Erfreut zeigte sich Herrmann, dass es auch viele junge Menschen sind, die sich schon früh für ein Engagement in der Kirche begeisterten: „Eindrucksvoll vorgeführt wurde uns das im Sommer des vergangenen Jahres, als sich in München rund 4.500 Kinder und Jugendliche aus Europa, Afrika sowie Nord- und Südamerika zum 45. Internationalen Chorfestival des katholischen Kinder- und Jugendchorverbands Pueri Cantores versammelten.“ Unterstützt von der Erzdiözese und rund 550 freiwilligen Helferinnen und Helfer feierten sie „ein großes Fest der Völkerverständigung und kirchlichen Gemeinschaft“. Bezugnehmend auf die jüngste Erhebung von Herbst 2025 verwies die Amtschefin auch auf die Zahl von rund 17.000 Ministrantinnen und Ministranten im Erzbistum, die „die Gottesdienste und das Leben in ihrer Pfarrei aktiv mitgestalten“.

Ein wichtiges Handlungsfeld der Kirche, „in das die Erzdiözese nicht geringe Ressourcen investiert und das am Ende für die gesamte Gesellschaft von großer Bedeutung ist“, sei die Bildung, sagte Amtschefin Herrmann. In diesem Bereich erfreuten sich die Angebote der Erzdiözese einer starken Nachfrage: „11.236 Jungen und Mädchen besuchen derzeit eine der 25 Schulen in Trägerschaft der Erzdiözese, für das Schuljahr 2025/26 sind die Anmeldungen im Schnitt um zehn Prozent gestiegen, teilweise mussten Wartelisten eingerichtet werden.“ Die Erzbischöflichen Schulen macht laut Herrmann „eine besondere Atmosphäre“ aus, „geprägt durch gemeinsame, christlich fundierte Werte wie Respekt und Gemeinsinn, ein klares Profil, die Förderung von sozialem Engagement sowie ein ganzheitliches Bildungsverständnis“. Und nicht zuletzt verfügten diese Schulen „über moderne, an den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler ausgerichtete Räumlichkeiten“. Herrmann erwähnte die erst kürzlich weitgehend renovierte und wesentlich erweiterte Erzbischöfliche Ursulinen-Realschule in Landshut. Hier investierte die Erzdiözese rund 50 Millionen Euro, in einem folgenden, im Umfang geringeren zweiten Bauabschnitt kommen nochmals Kosten in Höhe von rund 12 Millionen Euro hinzu.

Beispielhaft zeigt nach Ansicht von Herrmann auch der im vergangenen Jahr eingeweihte neue Campus St. Michael in Traunstein, wofür christliche Bildung in der Erzdiözese stehe: „Neben dem Wissen geht es vor allem um eine ganzheitliche Persönlichkeitsbildung, soziale Kompetenz, eine christlich fundierte Wertevermittlung, in besonderer Weise auch um Schöpfungsverantwortung als Grundhaltung für einen bewussten, ressourcenschonenden und nachhaltigen Umgang mit der Umwelt“. St. Michael sei ein „Ort, an dem aufscheint und erlebbar wird, wie ein christliches Ethos zum Gelingen einer Gemeinschaft aller Menschen beiträgt. Am Ende geht es auch hier um die Zukunft, nicht nur der Kirche, sondern der ganzen Gesellschaft, die auf dem Campus vielfältig präsent ist, mit zahlreichen Netzwerkpartnern aus dem kirchlichen wie nicht-kirchlichen Bereich“, sagte die Amtschefin. Vorgestellt wurde das Campus-Konzept im Anschluss durch den Direktor der Stiftung Studienseminar St. Michael Traunstein sowie einen Seminaristen.

Herrmann versicherte abschließend: „So werden wir unsere Ressourcen weiterhin in Bereiche, Projekte und Angebote der Kirche investieren, die gewissermaßen systemrelevant, für die gesamte Gesellschaft bedeutsam sind und ihr dienen.“

Der Erzbischöfliche Finanzdirektor Markus Reif stellte im Rahmen der Pressekonferenz Jahresabschluss und Lagebericht 2025 und den Haushalt 2026 der Erzdiözese vor.

Ausgewählte Kennzahlen und Daten/Erzdiözese München und Freising:

Bilanz

Die Bilanzsumme der Erzdiözese beträgt rund 4,1 Milliarden Euro. Sie hat sich zum 31. Dezember 2025 gegenüber dem Vorjahr um rund 74 Millionen Euro erhöht. Das in der Bilanz der Erzdiözese abgebildete Vermögen umfasst im Wesentlichen Sach- und Finanzanlagen. Die Sachanlagen belaufen sich auf eine Höhe von rund 1,6 Milliarden Euro (plus 15 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr). Den größten Anteil haben mit rund 1,4 Milliarden Euro die bebauten und unbebauten Grundstücke. Die in der Bilanz als Teil des Anlagevermögens abgebildeten Finanzanlagen haben sich im Jahr 2025 durch Umschichtungen aus dem Umlaufvermögen um rund 200 Millionen Euro auf 1,5 Milliarden Euro erhöht.

Gewinn- und Verlustrechnung

Die gesamten Erträge der Erzdiözese im Jahr 2025 betrugen rund 920 Millionen Euro (Vorjahr: 921 Millionen Euro). Davon entfallen rund 630 Millionen Euro auf die Kirchensteuer (Vorjahr: 645 Millionen Euro). Weitere 148 Millionen Euro (Vorjahr: 140 Millionen Euro) flossen dem Erzbistum als öffentliche Zuschüsse zu. Davon waren entsprechend dem Subsidiaritätsprinzip 98 Millionen Euro staatliche Zuschüsse für den Betrieb von Schulen sowie 12 Millionen Euro für den Religionsunterricht an staatlichen Schulen und 19 Millionen Euro Zuschüsse von Städten und Gemeinden im Wesentlichen für den Betrieb der diözesanen Kindertagesstätten. Aus den gesamten Erträgen wurden im vergangenen Jahr Aufwendungen in Höhe von 897 Millionen Euro finanziert (Vorjahr: 836 Millionen Euro). Mit 376 Millionen Euro stellte das Personal den größten Aufwandsposten dar. Seelsorge und Bildung sind personalintensive Bereiche. Auch ein Großteil der regulären Haushaltszuschüsse an die Kirchenstiftungen in Höhe von 127 Millionen Euro (Vorjahr: 122 Millionen Euro) dienen der Deckung von Personalkosten.

Das Jahresergebnis der Erzdiözese beträgt rund 74 Millionen Euro (Vorjahr 146 Millionen Euro) und beinhaltet wie im Vorjahr einige Einmaleffekte. Nach Rücklagenveränderungen ist das Bilanzergebnis wie im Vorjahr ausgeglichen.

Haushalt für das Jahr 2026

Die Erzdiözese plant mit Erträgen in Höhe von 868 Millionen Euro, die niedriger sein werden als die geplanten Aufwendungen in Höhe von 927 Millionen Euro. Für einen Teil der geplanten Aufwendungen hat die Erzdiözese bereits in den vergangenen Jahren zweckgebundene Rücklagen gebildet. Größter Aufwandsposten bleiben im Jahr 2026 mit insgesamt 378 Millionen Euro die Personalaufwendungen. Zweitgrößte Position sind die gewährten Zuschüsse mit 313 Millionen Euro. (ck)

Hinweis:  Alle Berichte finden sich als PDF zum Download unter www.erzbistum-muenchen.de/finanzen.

Bericht: Erzbischöfliches Ordinariat / Foto: Hötzelsperger 

 

 


Redaktion

Toni Hötzelsperger

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!