Kirche

Bestatter Daniel verlässt Obing

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Veränderungen gehören zum Leben  –  Obing: „Manchmal muss man die Heimat verlassen, um neue Horizonte zu entdecken.“ Wenn nicht jetzt, wann dann? So lauten die Gedanken von Daniel Follner, der dieser Tage seinen 30. Geburtstag feiert.

Daniel, ein in seiner Heimatgemeinde Obing fest verwurzelter junger Mann, wird sich Anfang August nicht nur beruflich verändern. Sein neues Dahoam soll künftig Taufkirchen an der Vils werden. Der Liebe wegen zieht ihn in den Norden von Oberbayern. Dort hat er als gelernte Bestattungsfachkraft zudem eine neue berufliche Herausforderung in Erding gefunden.

Vielen Menschen hier in der Gegend wird der Abschied schwerfallen. Sie haben den jungen Mann als authentischen und einfühlsamen Mitarbeiter eines hiesigen Bestattungsunternehmens kennengelernt – besonders dann, wenn es darum ging, den Abschied eines Familienangehörigen zu organisieren. Mit viel Gefühl, Empathie und Ruhe begleitete Daniel die Trauerfamilien in den schweren Stunden des Abschieds von einem geliebten Menschen.

Großer Respekt vor den Menschen, vor dem Leben und der Schöpfung, aber auch die würdevolle Begleitung auf dem letzten Erdenweg prägen den ursprünglich ausgebildeten Landschaftsgärtner bis heute. Gerade die Verabschiedung seines verstorbenen Opas weckte in ihm den Wunsch, Menschen auch auf ihrem letzten Weg würdevoll zu begleiten. So entschied sich der damals gerade einmal 18-jährige, quirlige junge Mann für die dreijährige Ausbildung zur Bestattungsfachkraft. Die Erfahrungen, die er zuvor als Bestattungshelfer sammeln konnte, bestärkten ihn in diesem Entschluss.

Anzug und Krawatte gehören für Daniel längst nicht nur im Berufsalltag. Mit einem Augenzwinkern sagt er oft: „Ich bin immer im Namen des Herrn unterwegs.“ Ob beim Blumengießen auf dem Friedhof oder bei einem Einsatz mit der Obinger Feuerwehr – dieser Spruch begleitet ihn bis heute. Im Dorf kennt man ihn außerdem unter seinen Spitznamen „da Boandl“ oder „Doudngrober“. Beide nimmt er mit viel Humor, denn sie zeigen auf ihre ganz eigene Art, wie eng die Menschen ihn mit seinem Beruf verbinden.

Geselligkeit, Freude am Leben und auch einmal eine zünftige Gaudi mit Freunden bieten Daniel den nötigen Ausgleich zu den ernsten Situationen, die er in seinem Beruf täglich erlebt. Freunde scherzen oft, wenn sie ihn mit dem Meterstab im Dienst sehen, und meinen, man solle lieber Abstand halten. Nach Feierabend hingegen schätzen ihn Freunde und Feuerwehrkameraden als humorvollen Spezi, mit dem man sprichwörtlich Pferde stehlen kann. Wie Follner selbst sagt, gehören die Gemeinschaft mit Freunden und Vereinen ebenso zu seinem Leben wie sein Partner Lukas, der für ihn ein fester Anker und wichtiger Ausgleich ist.

Werner Specht, einer seiner Freunde und Kameraden bei der Feuerwehr, sieht den Umzug nach Taufkirchen an der Vils mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits freut er sich, dass Daniel einen lieben Partner gefunden hat und seinen Lebensweg konsequent verfolgt. Andererseits überwiegt die Wehmut. Specht hat Daniel oft auf dem Friedhof erlebt und seine einfühlsamen Trauerreden gehört, die mit vielen persönlichen und authentischen Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen verfasst waren und der Trauergemeinde auch hin und wieder ein Lächeln ins Gesicht zauberten.

Seine Arbeit wurde von allen Seiten geschätzt – sei es die würdevolle Aufbahrung oder seine bewegenden Worte am Grab. „Daniel versteht es einfach, die Trauerfamilien in den schweren Stunden einfühlsam aufzufangen und den Verstorbenen würdevoll zu verabschieden“, hört man immer wieder, wenn über Daniel Follner gesprochen wird. In Obing und Umgebung hat er ein echtes Dahoam gefunden. Die Vereine, die Feuerwehr und vor allem die vielen Wegbegleiter werden immer einen festen Platz in seinen Gedanken haben. Und wie er selbst sagt, wird er all das hier niemals vergessen – schließlich lebt seine Mama weiterhin in Obing.

Besonders dankbar blickt Daniel auch auf die Unterstützung von Ortspfarrer David Mehlich zurück. Die Gespräche mit ihm und der Glaube, den er in der Kirche neu gefunden hat, halfen ihm, eine private Lebenskrise zu bewältigen und wieder Lebensfreude zu finden. Diese Erfahrungen haben ihn zu dem Menschen gemacht, der er heute ist – und genau das möchte er auch an andere weitergeben. Wer jemanden zum Reden braucht, darf sich jederzeit bei ihm melden. Viele Menschen in Obing machen sich scherzhaft Gedanken darüber, wer wohl später einmal ihre Beerdigung organisieren wird. Daniels Antwort darauf lautet stets mit einem Augenzwinkern: „Brauchst mi nur anrufen, wenn’s soweit is.“ Der Schalk sitzt ihm eben immer im Nacken.

Auch wenn ihn künftig einige Kilometer von seinem geliebten Obing trennen, wird ein Teil von ihm immer hierbleiben. Seine lockeren Sprüche, seine herzliche Art und so manche unvergessliche Aktion werden den Menschen in Erinnerung bleiben. Als „Jenseits-Mechaniker“, „Versenkungsrat“ und „Eventmanager“ bleibt Daniel für seine Freunde auch künftig ein geschätzter Ansprechpartner, wenn es um einen würdevollen Abschied oder eine einfühlsame Trauerrede geht. Treffender als mit seinen eigenen Worten lässt sich dieser Abschied wohl kaum beschreiben: „Was er ist und was es war, das wird erst beim Abschied klar.“

Bericht und Bilder: Emmy Künzner-Hingerl 

– ernst, pietätvoll und einfühlsam, so erleben die Trauerenden die Bestattungsfachkraft Follner beim Abschied ihrer Angehörigen

–  lustig, gesellig und immer den Schalk im Nacken ist die andere Seite von Daniel Follner. Egal welche Version – geschätzt und beliebt ist er immer!

 


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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