Jeden Samstag vom 4. Juli bis zum 1. August findet in der Pfarrkirche St. Nikolaus ein Orgelkonzert statt. Die Kirchenmusikerin der Stadtkirche, Julie Pinsonneault, startet das Projekt „Orgelsommer St. Nikolaus“ und lädt Organisten und Organistinnen der Region zu einem Konzert an der Mathis-Orgel ein. Am 4. Juli macht die Gastgeberin Julie Pinsonneault den Anfang, am 11. Juli gibt sich Matthias Roth die Ehre, am 18. Juli Martina Jakob aus dem Pfarrverband Anger-Aufham-Piding, am 25. Juli Paul Tarling aus München und am 1. August Manfred Müller aus Traunstein. Die Organistin spricht im Interview mit der Heimatzeitung über das Projekt, über die französische Orgelschule und den Zusammenhang mit der deutschen Tradition, sowie über ihre Aufgabe, über Kirchenlieder zu improvisieren.
Wie ist das Projekt des Orgelsommers entstanden?
Julie Pinsonneault: Ich wollte mit dieser Konzertreihe einen regelmäßigen kulturellen Treffpunkt rund um die Orgel von St. Nikolaus schaffen. Dieses schöne Mathis-Instrument aus dem Jahr 1991 verdient es, häufiger gehört und einem breiteren Publikum zugänglich gemacht zu werden. Die Gemeindemitglieder haben bereits die Gelegenheit, die Orgel in den Werktags- und Sonntagsgottesdiensten zu hören, doch die Konzertreihe ermöglicht es allen Interessierten, das Instrument in einem anderen Rahmen zu erleben.
Außerdem war es mir ein Anliegen, Künstlern aus der Region eine Bühne zu bieten und das kulturelle Angebot in Bad Reichenhall im Sommer zu bereichern. Ich bin überzeugt, dass ein echtes Interesse an der Orgel besteht. Deshalb hoffe ich, dass sowohl die Einheimischen als auch die Gäste und Touristen die Gelegenheit nutzen, bei uns vorbeizuschauen und dieses außergewöhnliche Instrument sowie die Musiker, die es zum Klingen bringen, kennenzulernen.
Was unterscheidet die französische Orgelschule von der deutschen Tradition?
JP: Die französische und die deutsche Orgelschule haben sich im Laufe der Jahrhunderte parallel entwickelt und weisen dennoch gewisse Gemeinsamkeiten auf. Ursprünglich verbrachten die Organisten deutlich mehr Zeit damit, über Themen des gregorianischen Chorals zu improvisieren, als Werke für die Nachwelt aufzuschreiben. Die Orgel war damals nicht als Konzertinstrument gedacht, sondern in erster Linie als liturgisches Instrument.
Ihre Hauptaufgabe bestand darin, die Intonation zu geben, mit den Sängern zu dialogisieren oder den gregorianischen Choral zu unterstützen und weiterzuentwickeln. Später begleitete sie auch komplexere Formen wie die Motetten. In der deutschen Tradition entwickelte sich die Orgelmusik vor allem im Kontext der Reformation und des lutherischen Chorals und erreichte ihren Höhepunkt bei Bach, wo die Orgel zu einem Instrument des Kontrapunkts und der polyphonen Klarheit wurde. Aus der französischen Orgelschule stammen große Namen verschiedener Epochen, wie De Grigny, Marchand und etwas später Vierne, Widor, Dupré, Duruflé und Messiaen.
Außerdem erzählt man sich eine Anekdote über das beinahe stattgefundene Musik-Duell zwischen Louis Marchand und Johann Sebastian Bach, das schließlich nicht zustande kam, weil Marchand kurz vor der Gegenüberstellung fluchtartig abreiste. Man kann sich gut vorstellen, wie außergewöhnlich diese Begegnung zwischen den beiden Komponisten gewesen wäre.
Wird es in ihrem Orgelkonzert eine Improvisation über ein Kirchenlied geben? Warum ist die Improvisation beim Orgelspiel wichtig?
Mein Programm konzentriert sich ausschließlich auf Werke des Repertoires, aber ich improvisiere häufig über Kirchenlieder. Die Improvisation nimmt für einen Organisten einen wichtigen Platz ein, da sie es ermöglicht, der Liturgie zu dienen. Und wie ich bereits erwähnen durfte, gehört die Improvisation bei einem Organisten zu seiner traditionellen Aufgabe.
Auf welches Programm dürfen wir uns in Ihrem Konzert und dem Ihrer Kollegen freuen?
Wir werden Ihnen die Gelegenheit geben, vielfältige Programme vorzustellen, die bekannte Werke des Repertoires enthalten, wie die Toccata und Fuge d-Moll von Bach, darunter insbesondere französische, deutsche oder englische Werke. Außerdem haben wir für das Publikum einige schöne Überraschungen vorbereitet.
Die Fragen stellte Brigitte Janoschka / Fotos (Archiv Janoschka):
4828: Dekan Stadtpfarrer Markus Moderegger begrüßt im Januar 2026 die neue Organistin und Kirchenmusikerin Julie Pinsonneault.
4820: In ihrem Antrittsgottesdienst improvisierte Julie Pinsonneault über das französische Weihnachtslied „Il est né le divin enfant“.




