Ein Gesprächsabend im Literaturhaus Salzburg stößt bei hochaktuellem Thema intensive Diskussion über Krieg, Politik und Verantwortung an. Unter dem Titel „Friedenstüchtig“ diskutierten Expertinnen und Experten über Wege aus globalen Konflikten und die zunehmende Militarisierung westlicher Gesellschaften. Veranstaltet wurde der Abend in Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk Berchtesgadener Land, dem Verein „prolit“, sowie dem Salzburger Friedensbüro und mit Unterstützung der Europäischen Union im Rahmen von Interreg Bayern-Österreich.
Im Zentrum der Diskussion stand das Buch „Friedenstüchtig – Wie wir aufhören können, unsere Feinde selbst zu schaffen“ von Fabian Scheidler. Gemeinsam mit Claudia Brunner, Professorin am Zentrum für Friedensforschung und Friedensbildung am Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung der Universität Klagenfurt, analysierte er die Ursachen aktueller Konflikte und stellte mögliche Alternativen vor. Moderiert wurde der Abend von Barbara Siebert, Geschäftsführerin des Friedensbüros in Salzburg.
Max Amann, pädagogischer Referent für Theologische Erwachsenenbildung beim Bildungswerk BGL, begrüßte, und Petra Nagenkögel, Geschäftsführerin des Vereins „prolit“ mit Sitz im Literaturhaus Salzburg, führte in das Thema ein. Bereits zu Beginn machte die Geschäftsführerin des Salzburger Friedensbüros, Barbara Siebert, auf eine „Spirale von ökonomischem Niedergang und Krieg“ aufmerksam. Ziel sei es, alternative Perspektiven zu eröffnen und der zunehmenden Militarisierung kritisch zu begegnen. Scheidler nahm Bezug auf die Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine, sowie eine steigende Aufrüstung in vielen westlichen Staaten. Dies sei Ausdruck einer gefährlichen Entwicklung.
Er kritisierte insbesondere die politischen Narrative, die militärische Aufrüstung als alternativlos darstellen. Diese führten nicht nur zu einer Schwächung des Sozialstaats, sondern auch zu Einschnitten in Grundrechte. Gleichzeitig fehle es an Investitionen in zentrale Zukunftsfragen, wie den Klimaschutz. Als Gegenentwurf sah Scheidler den Frieden als Aufgabe aller und plädierte für ein Konzept der „gemeinsamen Sicherheit“, das die Interessen aller beteiligten Akteure berücksichtigt. Europa stehe an einem Scheideweg: zwischen weiterer Militarisierung oder neuen Formen der Konfliktlösung und einer Kultur der Kooperation.
Auch Brunner, die eine feministische Friedensforschung vertritt, stellte grundlegende Zusammenhänge heraus. In ihrer Analyse der „Grammatik des Krieges“ beschrieb sie Krieg als eng verknüpft mit Kapitalismus, Kolonialismus und patriarchalen Strukturen. Krieg werde zunehmend normalisiert und als unvermeidbar dargestellt – eine Entwicklung, die sich auch in Bildungsinhalten widerspiegle. Die Verharmlosung militärischer Gewalt im Rahmen der politischen Bildung in den Schulen, wie in einem Büchlein des Bundesministeriums der Landesverteidigung Österreichs, in dem Kampfhandlungen und Kernaufgaben des Militärs verharmlost werden, sei pädagogisch verantwortungslos.
Die anschließende Diskussion mit dem Publikum war geprägt von Betroffenheit und Kritik. Viele Teilnehmer äußerten Unverständnis darüber, wie trotz der bekannten zerstörerischen Folgen von Kriegen gesellschaftliche Akzeptanz für militärische Gewalt geschaffen wird. Zugleich wurde der Wunsch nach mehr zivilgesellschaftlichem Engagement deutlich: Protest, Widerspruch und aktives Handeln wurden als notwendige Schritte gesehen. Zum Abschluss erinnerte Scheidler mit einem Appell für Perspektivenwechsel an die zentrale Botschaft seines Buches: Frieden beginne mit der Fähigkeit, die Perspektive des anderen einzunehmen. „Die Welt durch die Augen der anderen zu sehen und die Geschichte des anderen zu hören, nicht die eigene zu erzählen“, sei eine grundlegende Voraussetzung für nachhaltige Konfliktlösung.
Der Abend im Literaturhaus brachte wertvolle Erkenntnisse: Die Frage nach Frieden stellt sich nicht nur in der Politik, sondern auf allen gesellschaftlichen und persönlichen Ebenen. Und sie verlangt mehr denn je nach kritischem Denken, Dialog und Engagement.
Literatur: Fabian Scheidler, Friedenstüchtig – Wie wir aufhören können, unsere Feinde selbst zu schaffen, Promedia Wien, 2025, 224 Seiten
Berigitte und Fotos: Brigitte Janoschka
6426: Arbeiten grenzübergreifend zusammen: Max Amann, pädagogischer Referent für Theologische Erwachsenenbildung beim Bildungswerk BGL und der Verein „prolit“ im Literaturhaus Salzburg, vertreten durch Geschäftsführerin Petra Nagenkögel.
6429: Begrüßt die drei Referenten (von links) Claudia Brunner, Barbara Siebert und Fabian Scheidler: Max Aman, pädagogischer Referent für Theologische Erwachsenenbildung beim Bildungswerk BGL.




