Kultur

Zweites Konzert der Mozartwoche in Seeon

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Mozart als Rockstar? Für Andrea Wittmann ist das keine gewagte These, sondern ein überzeugendes künstlerisches Konzept. Unter dem Motto „Rock me (und: meets) Amadeus – von Seeon nach Wien“ gestaltete die Kirchenmusikerin im Festsaal von Kloster Seeon das zweite Konzert der Mozartwoche – und verwandelte die Matinee in ein ebenso originelles wie unterhaltsames Crossover-Erlebnis.

Kulturleiterin Stefanie Thim würdigte in ihrer Begrüßung Wittmanns langjähriges Engagement: Seit 30 Jahren ist sie in Seeon Kirchenmusikerin und prägt die Mozartwoche, die einst mit ihr begann. Entsprechend persönlich und vielschichtig fiel auch das Programm aus. Alles, was sich mit Wolfgang Amadeus Mozart assoziieren lässt, fand seinen Platz – von biografischen Bezügen über musikalische Einflüsse bis hin zu augenzwinkernden Annäherungen.

So spannte Wittmann einen weiten Bogen: von Opernarien aus „Don Giovanni“ und „Die Zauberflöte“ über den zweiten Satz des Klarinettenkonzerts A-Dur bis hin zu Pop- und Jazzstücken. Selbst vermeintlich fernliegende Titel wie „Rock me Amadeus“ oder „I Put a Spell on You“ wurden klug in den Kontext eingebettet. Letzteres schlug – in der deutschen Übersetzung „Ich verzaubere dich“ – eine charmante Brücke zur „Zauberflöte“. Wittmann führte unterhaltsam durch das Programm, begleitete am Klavier und Akkordeon und ließ sogar – in einer Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart – in Falcos Hit kurz Mozarts „Alla turca“ aufblitzen. Ein humorvoller Moment: Dackeldame Vroni durfte auf die Bühne und erinnerte an Mozarts Tierliebe.

In unterschiedlichen Konstellationen der Musiker und abwechslungsreicher Kleidung begleitete das Ensemble mit etlichen musikalischen Gattungen die musikalische Reise von Seeon nach Wien. Die Mitwirkenden zeigten sich in ihren Darbietungen sehr vielseitig. Viviana Wittmann überzeugte am Saxofon mit jazzigen Klangfarben und glänzte zugleich als Sängerin – etwa mit dem melancholischen „Parla più piano“ oder der leidenschaftlichen „Habanera“ aus Carmen. Mit dem „Wild Cat Blues“ und dem innigen zweiten Satz aus Mozarts  Klarinettenkonzert zeigte sie auch auf diesem Instrument in verschiedenen Stilrichtungen ihr Talent.

Der Bariton Daniel Hinterberger und der Tenor Stephan Schlögl sorgten im Duett oder auch im Terzett mit Viviana Wittmann mit Wiener Operetten- und Unterhaltungsliedern für heitere Akzente. Stücke wie „Jung san ma! Fesch san ma!“ von Robert Stolz, „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“ von Ralph Benatzky oder „Wien, du Stadt meiner Träume“ von Rudolf Sieczynski und „Heiterkeit und Fröhlichkeit“ von Albert Lortzing vermittelten augenzwinkernd jenes Lebensgefühl, das man auch Mozart zuschreibt. Mit dem komödiantischen „Ja, ja, der Wein ist gut“ von Heinrich Strecker suchten sie sogar den direkten Kontakt zum Publikum – inklusive improvisiertem Anstoßen.

Kabarettistische Töne schlug Stephan Schlögl mit „Konstanze“ von Bodo Wartke an, die nur den Namen mit Mozarts Ehefrau gemein hat, während die Mozart-Arien den klassischen Kern bildeten: „Ah, fuggi il traditor“ (Viviana Wittmann), Papagenos „Ein Mädchen oder Weibchen“ (Daniel Hinterberger) und Taminos „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ (Stephan Schlögl) zeigten die ungebrochene Strahlkraft der Originale. Das Publikum im voll besetzten Saal dankte mit begeistertem Applaus. Als Zugabe erklang „Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk“ im Sinne von „Seeon singt“ – ein gemeinsamer Schlussakkord aller Beteiligten gemeinsam mit dem Publikum. So wurde die Matinee zu einem musikalischen Kaleidoskop voller Brillanz, das eindrucksvoll zeigte: Mozart lebt – und zwar in allen Genres. Das Konzert wurde vom Bayerischen Rundfunk aufgezeichnet und wird am Mittwoch, den 8. April in der Abendschau ausgestrahlt.

Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka 

7024/3421:Applaus für ein hervorragendes Ensemble (von links) mit Daniel Hinterberger, Andrea Wittmann, Viviana Wittmann und Stephan Schlögl

6991: Vom Playback zur Improvisation: „Rock me Amadeus“ macht den Anfang.

6996: “Jung san ma! Fesch san ma!”, singen Daniel Hinterberger (links) und Stephan Schlögl. 3389:

3389: Bezieht in das Programm alle Facetten Mozarts mit ein: Moderatorin und Pianistin Andrea Wittmann.

3391: “Im weißen Rössl am Wolfgangsee”: Stephan Schlögl und Andrea Wittmann im Duett

3404: „Ja, ja, der Wein ist gut“

3409: „Wild Cat Blues“ auf Klarinette und Akkordeon

3420: “Rock me Amadeus” schließt den Kreis.

7019: Dackeldame Vroni ist überall dabei.

 



Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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