Kultur

Speichersdorfer Kirwa-Gesellschaft

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Die Speichersdorfer Kirwa blickt auf eine lange Geschichte von 1915 bis 2026 zurück. 111 Jahre sind sie die Garanten für die Pflege des Brauchtums und für fetzige Geselligkeit, die Kirwaburschen und Kirwamadla. Die Schnapszahl wird im August dieses Jahres mit einem zweitägigen Fest groß gefeiert.

In der Jahreshauptversammlung wurde dafür nicht nur das Programm vorgestellt, sondern auch zufrieden Bilanz gezogen. Ein eigens gegründeter Festausschuss aus den alterfahrenen ehemaligen Kirwa-Recken Tobias Krodel, Andreas Dorsch, Sebastian Koch, Hubertus Höreth, Florian Sehnke, Patrick Pfau, Daniel Bär und Stefan Steininger hat zusammen mit der Vorstandschaft ein mehrtägiges Festprogramm und die große Sause geplant und organisiert. Den Auftakt bildet am Samstagabend ein musikalisches Highlight: Ab 19 Uhr sorgt „Horrido Express“ für Stimmung und Unterhaltung. Mit zünftiger Musik und guter Laune dürfte der Festplatz schnell zum Treffpunkt für Besucher aus der ganzen Region werden. Der Sonntag startet bereits am Vormittag mit einem ökumenischen Festgottesdienst um 9 Uhr. Direkt im Anschluss, um 10 Uhr, lädt der Frühschoppen zum geselligen Beisammensein ein. Auch kulinarisch hat der Kirwa-Sonntag einiges zu bieten: Ab 12 Uhr wird ein Mittagstisch mit „Sau vom Spieß“ serviert. Am Nachmittag stehen traditionelle Programmpunkte im Mittelpunkt. Um 14 Uhr präsentieren sich die ehemaligen Kirwapaare beim Aufspielen, bevor ab 15 Uhr Kaffee und Kuchen sowie ein Kinder-Spielparcours für Familien angeboten werden. Für die musikalische Umrahmung sorgen unter anderem die Speichersdorfer Musikanten sowie die „Weinwallfahrer“.

Bei den Neuwahlen der Vorstandschaft setzten die Mitglieder mit einstimmigen Voten auf ihre bewährte Führungstruppe. Vorsitzender bleibt Patrick Sendelweck, vertreten von Michael Walter. Als neuer dritter Vorstand folgt Yannik Eller Simon Weidemann nach. Die Finanzen liegen in den Händen von Max Höreth, das Amt des Schriftführers bei Kimi Böhmer. Neben der wiedergewählten Lisa Dorsch rückt Luisa Kauper für Jan Fütterer als Beisitzerin in die Vorstandschaft nach. Die Kasse prüfen wieder Markus Bezold und Volker Hammon.

126 Mitglieder mit überdurchschnittlich jungem Durchschnittsalter zählt der Brauchtumsverein. Tendenz steigend, wie vier Neumitglieder beweisen. 37 gehören zum harten, durchwegs aktiven Kern. „Der glänzende Zusammenhalt und miteinander füreinander Feste feiern – das macht uns als Brauchtumsverein aus“, brachte Sendelweck eingangs das Selbstverständnis der Kirwaburschen und Kirwamadla auf den Punkt.

Welch ein ereignisreiches Jahr die „Kirwa Speicherdorf“ hinter sich hatte, zeigte eindrucksvoll eine fast 30-minütige, mit lustigen Fotos und Videos bespickter Jahresrückblick von zweiten Vorsitzenden Michael Walter. Ins neue Jahr war man mit dem Stärkeantrinken gestartet. Mit der Weihnachtsfeier im Milchbänkl ließ man es ausklingen. Die Geselligkeit gepflegt wurde beim Helferessen in der Mühle. In den Hafen der Ehe wurde Johannes und Nicky Sehnke begleitet. Die Tradition hoch gehalten wird beim Osterbrunnen schmücken,  beim zweitägigen Maifest rund um den Dorfplatz mit Schmücken und Aufstellen des Maibaums, der wieder eine stattliche Größe hatte. Erstmals stellte man zur Freude der Kinder im Kindergarten Birkenweg einen Maibaum auf. „Das werden wir 2026 wieder machen“, kündigte Sendelweck an. Natürlich ging man auch auf Maibaumklau. Dabei waren die Mädels und Jungs beim Rowerntreffen im Dorf und beim Ostereierwerfen. Als Beach-Party mit  Malle-Hits und selbstgebackener Pizza wurde ein gelungenes Sommernachtsfest gefeiert.

Mit der Rockcoverband F.U.C.K, der Stimmungsband Essig & Öl und den zünftigen Weinwallfahrer sorgte man zur Oktober-Kirwa in der „Kreutzer-Halle“ und im Dorf wieder für einen Ausnahmezustand. Max Höreth hatte zum Auftakt des Kirwa-Ausgrabens eigens ein ansehnliches Kirwagrab gestaltet. „Die Hütte war an allen Tagen rappelvoll“,  bilanzierte Sendelweck. Regelrecht überrollt worden sei man nach dem Kirwagottesdienst und dem Aufspielen am Dorfplatz vor allem beim Ansturm auf das Kaffeetrinken am Sonntagnachmittag. Am Kirwamontag ging es mit vollbesetztem, top geschmückten Bruckwagen durch ganz Speichersdorf mit Besuchen nicht nur des Rathauses und der Kindergärten. “Eine solch erfolgreiche und gut besuchte Kirwa gab es bisher noch nie“, bilanzierte Sendelweck, und sparte nicht mit Lob und Dank an die Adresse seiner Mitglieder und der Helfer. “Uns wurde viel abverlangt – aber wir haben die Herausforderung bestens gemeistert,” so der Vorstand.

Die tolle Besucherresonanz auf die Veranstaltungen schlug sich auch in der Kasse nieder, so Kassier Max Höreth. Kräftig investiert wurde auch in das neueste Schmückstück der Kirwa: einen neuen, jetzt vereinseigenen Kirwa-Bruck-Wagen, der in vollständiger Eigenleistung und mit Eigenmitteln gebaut wurde. Neben dem 111-jährigen Gründungsjubiläum am 1./2. August hat der Geselligkeitsverein auch 2026 wieder viel vor. So ist man am Osterwochenende (5. April) beim Ostereierweitwerfen der befreundeten Kirwagesellschaften dabei. Das zweitägige Maifest mit Maibaumaufstellen wird am 30. April und 1. Mai gefeiert. Besucht werden die Kirchweihen in Frankenberg (14.-17. Mai), Windischenlaibach (09.-12. Juli), Zeulenreuth (04.– 07.September), Wirbenz (1 .-4. Oktober ), Filchendorf (23. bis 25. Oktober) und Neustadt am Kulm (30.10. -1.11). Im Zentrum des Veranstaltungskalenders der Kirwamadla und Kirwabuam 2026 steht jedoch die Alt-Speichersdorfer Kirwa. Dann wird vom Kirwa-Ausgraben am 7. Oktober bis zum Kirwa-Eingraben am 13. Oktober mit mächtig viel rockigen und zünftigen Sound sowie deftigen Sprüchen und kulinarischen Genüssen ausgelassen gefeiert.

Das Titelbild zeigt von links die neue Führungsspitze der Speichersdorfer Kirwa-Gesellschaft mit Lisa Dorsch, Max Höreth, Patrick Sendelweck, Yannik Eller, Michael Walter, Kimi Böhmer und Luisa Kauper.

Bericht und Foto: Wolfgang Hübner

Anhang: Flyer



Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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