Was verbirgt sich unter dem dicken Gewölbe einer fast 800 Jahre alten Kirche? Und warum ist an ihrer Wand ein riesiger Heiliger zu sehen? Für 69 Schülerinnen und Schüler der Grundschule Schleching wurde Geschichte an diesem Vormittag plötzlich ganz konkret – und ziemlich spannend.
Heimatpfleger Hartmut Rihl hatte sich aufgemacht, den Kindern eines der besonderen Geheimnisse der Streichenkirche zu erzählen. Als 1953 das Gewölbe der Kirche entdeckt und entfernt wurde, kam darunter eine wahre Bildergeschichte zum Vorschein: Zahlreiche Heilige waren auf die Wände gemalt worden. „Ein Bilderbuch aus Farbe“, erklärte Rihl den jungen Zuhörern.
Besonders ans Herz legte er ihnen den großen Christophorus, den Schutzheiligen der Reisenden. Den kennt schließlich jedes Kind – zumindest aus dem Spruch, den man großen Menschen gerne mit auf den Weg gibt: „Du bist so groß wie Christophorus.“ Nebenbei führte Rihl die Kinder weit zurück in die Geschichte ihrer Heimat – bis zu den Streichen-Rittern und mehr als 3000 Jahre zurückliegenden Spuren menschlicher Besiedlung. Die Kinder hörten aufmerksam zu, stellten Fragen und staunten darüber, wie viel Geschichte sich direkt vor ihrer Haustür verbirgt. Der Weg dorthin war allerdings schon ein Erlebnis für sich. Früh am Morgen machten sich die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Lehrerinnen über den neuen Hutschensteig auf den Weg hinauf zur Streichenkirche. Oben angekommen, wartete am Berggasthof Streichen als besondere Belohnung die neue große Rutsche.
Während die eine Gruppe in der Kirche auf Entdeckungsreise ging, versammelte sich die andere am liebevoll gestalteten Picknickplatz. Dort wartete mit Fritz Irlacher ein weiteres „wandelndes Geschichtsbuch“ auf die Kinder. Ob Streichen-Ritter, die umliegenden Berge, der Teufelssstein, das Grab der Kroaten am Birnbaum, die Schlechinger Wilderer, Wölfe oder der letzte 1790 erschossene Bär – Irlacher wusste zu fast jeder Frage eine Geschichte zu erzählen.
So wurde aus einem Ausflug in die Berge ein Unterrichtstag der besonderen Art: Geschichte zum Anschauen, Anfassen und Staunen. Und vielleicht blieb bei manchem Kind auf dem Heimweg nicht nur die neue Rutsche in Erinnerung, sondern auch der Gedanke, dass hinter den vertrauten Bergen und alten Mauern vor der eigenen Haustür noch erstaunlich viele Geschichten darauf warten, entdeckt zu werden.
Text und Bilder: Sybilla Wunderlich









