Natur & Umwelt

Naturschutz beginnt vor der eigenen Haustür

Beate Rutkowski und Ulrich Penzkofer bei der Jahreshauptversammlung
Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Marquartstein – Artensterben, Flächenverbrauch, Klimawandel: Die Schlagworte sind bekannt. Doch was bedeuten sie für das Achental? Dieser Frage ging Ulrich Penzkofer, Vorsitzender der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Achental, bei der Jahreshauptversammlung nach. Sein Rückblick spannte den Bogen von weltweiten Entwicklungen bis zu den Veränderungen vor der eigenen Haustür.

Wie deutlich sich die Lage verändert, zeigte ein Foto des Chiemsees im Vergleich zum Vorjahr: Der zunehmende Wassermangel war klar zu erkennen. Anhand von Zahlen und Fakten verdeutlichte Penzkofer, wie schwierig es ist, wirtschaftliche Interessen und Naturschutz miteinander zu vereinbaren. Zugleich gehe es darum, das Bewusstsein jedes Einzelnen für die Bedeutung des Umweltschutzes zu stärken. Mit 270 000 Mitgliedern in Bayern, davon 600 in der Ortsgruppe Achental, und der Expertise von 300 festangestellten Biologen sieht der BN gute Möglichkeiten, politisch Einfluss zu nehmen und sich gegen naturschutzwidrige Projekte einzusetzen.

Viele Helfer für den Amphibienschutz

Von den bundesweiten Aufgaben des BN berichtete Penzkofer über die Arbeit vor Ort. Beim Amphibienschutz konnten positive Zahlen vermeldet werden: Die Zahl der geretteten Tiere entwickelt sich kontinuierlich. Ein großer Dank galt den Helfern, die während der Wanderung der Amphibien täglich im Einsatz sind. Die Morgen- und Abendschichten werden vom Vorsitzenden präzise organisiert. Ein weiterer Schwerpunkt ist der geplante Ausbau der B 307. Der BN Traunstein lehnt das vorgestellte Vorhaben wegen seiner Dimension, des hohen Flächenverbrauchs, der Beeinträchtigung des Landschaftsbildes sowie der Zerstörung von Wald und Biotopen ab. Auch die Gefährdung des Wasserschutzgebietes und die zu erwartenden hohen Emissionen sprechen dagegen. Einen maßvollen Ausbau der Bestandsvariante mit Radweg würde der BN unter bestimmten Bedingungen mittragen. Bei der Landschaftspflege auf den Buckelwiesen in der Hollandau bei Unterwössen werden regelmäßig Freiwillige gesucht. In diesem Jahr engagierten sich dort Jugendliche im Freiwilligen Ökologischen Jahr. Gut besucht war zudem der Vortrag des Mineralogen Dr. R. Hochleitner über die „Rolling Stones“ in der Ache.

Erneuerbare Energie und Artenschutz

Michael Griesbeck stellte das Projekt Eichfeld der „Neue Energie Achental eG” (NEA) in Übersee vor. Neun Gemeinden und Bürger des Ökomodells Achental beteiligen sich an der Erzeugung erneuerbarer Energien. Auf elf Hektar entsteht eine Agri-Photovoltaikanlage mit beweglichen Modulen. Die Fläche wird weiterhin von einem Überseer Bio-Landwirt zur Beweidung mit Jungvieh genutzt. Ein Batteriespeicher soll die erzeugte Energie puffern und nachts zur Verfügung stellen. Dank der schonenden Bauweise kann die Anlage rückgebaut werden. Der Bau hat bereits begonnen: In den kommenden Wochen werden die Profile naturschonend in den Boden gerammt und das PV-Feld errichtet. Die Installation soll noch in diesem Jahr abgeschlossen sein, die vollständige Fertigstellung einschließlich Batteriespeicher ist für das zweite Quartal 2027 geplant. Über ein Artenhilfsprojekt für die gefährdete Gelbbauchunke an der Tiroler Ache berichtete Nikolas Mandl vom Planungsbüro Faunula. Ziel ist es, die aktuelle Verbreitung zu erfassen, die Lebensräume zu bewerten und Maßnahmen zur Förderung und Vernetzung der örtlichen Populationen zu entwickeln.

Von der Bachmuschel bis zur Klimakrise

Beate Rutkowski, stellvertretende Landesvorsitzende des BN Bayern und Vorsitzende der Kreisgruppe Traunstein, würdigte das Engagement beim Amphibienschutz. Sie wies auf die Gefahren durch Gully- und Kellerschächte hin, in denen Tiere gefangen werden können. Ausstiegshilfen könnten hier Abhilfe schaffen. Zu den weiteren Erfolgen des BN zählen der Anbau des vom Aussterben bedrohten Pyrenäen-Löffelkrauts und der Einsatz für den Artenschutz. Beim neuen Jagdgesetz konnte ein erleichterter Abschuss von Wildtieren verhindert werden – allerdings nicht beim Wolf und Goldschakal. Für die Landkreise Rosenheim und Traunstein wurde bislang jedoch keine Abschussgenehmigung für den Wolf erteilt. Auch die bedrohte Bachmuschel in der Ischler Ache steht im Fokus. Mit dem Projekt „Patenschaft & Nachzucht“ sollen die Bestände gestärkt werden. Landwirte und engagierte Bürger unterstützen die Initiative. Auf Landesebene beschäftigen den BN zudem Klimakrise, Trockenheit, Wasserknappheit und Moor-Renaturierung. Auch die drohende transalpine Ölleitung, die den Chiemsee gefährden könnte, sowie die europaweite Kampagne „Hands Off Nature“ gegen die Aufweichung zentraler EU-Umweltstandards gehören zu den aktuellen Themen.

Ein Grußwort überbrachte Angelika Maier, Geschäftsführerin des Ökomodells Achental. Sie berichtete von der tags zuvor erfolgten Neuwahl und stellte Projekte der Organisation vor. Im kommenden Jahr soll das Schwerpunktthema „Wasser” sein. Dass Naturschutz keine abstrakte Aufgabe ist, sondern direkt vor der eigenen Haustür beginnt, wurde an diesem Abend eindrucksvoll deutlich. Die zahlreichen Zuhörer dankten den vielfältigen Aktivitäten und dem Engagement der Ehrenamtlichen mit kräftigem Applaus.

Text und Bildmaterial: Sybilla Wunderlich – Beate Rutkowski und Ulrich Penzkofer bei der Jahreshauptversammlung


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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