Natur & Umwelt

Nationalpark informiert über Wolfspopulation: Infoveranstaltungen zum Thema Wolf im Hans-Eisenmann-Haus und Haus zur Wildnis.

Veröffentlicht von Günther Freund

Infoveranstaltungen zum Thema Wolf im Hans-Eisenmann-Haus und Haus zur Wildnis

Am Dienstag, 14. April öffentlicher Vortrag unter dem Titel „Ökologische Auswirkungen der Rückkehr der Wölfe auf das Ökosystem Šumava/Bayerischer Wald“im Hans-Eisenmann-Haus.

Seit ihrer Rückkehr ins bayerisch-böhmische Grenzgebirge werden die Wölfe in den Nationalparken Bayerischer Wald und Šumava genau beobachtet. Ein aktuelles Forschungsprojekt steht nun kurz vor dem Abschluss. Erste Ergebnisse daraus präsentierte der Nationalpark nun bei zwei Infoveranstaltungen im Hans-Eisenmann-Haus bei Neuschönau und im Haus zur Wildnis bei Ludwigsthal. Eingeladen waren unter anderem Tierhalter aus den Nationalparkgemeinden.

 Nationalpark informiert über Wolfspopulation

„Uns ist es wichtig, transparent und fortlaufend über unsere Erkenntnisse zu berichten“, betonte Nationalparkleiterin Ursula Schuster gegenüber den insgesamt rund 80 Teilnehmenden. „Denn für uns Menschen ist es derzeit noch ungewohnt, wieder in einer Region mit Wolfsanwesenheit zu leben. Dafür habe ich völliges Verständnis.“ Wölfe seien jedoch ein natürlicher Teil des Waldökosystems. Im Bereich des Nationalparks Bayerischer Wald seien aktuell zwei Rudel präsent, bei denen zuletzt neben den jeweiligen Elterntieren gemeinsam zehn Jungtiere gezählt wurden. „Wie viele davon den Winter überlebt haben, wissen wir jedoch noch nicht“, erklärte die Nationalparkleiterin. Denn generell sei die Welpen-Sterblichkeit sehr hoch bei Wölfen.

Nahrungsanalysen aus den beiden Nationalparken zeigen, dass die Wölfe sich in erster Linie von Rothirschen ernähren. Auch Biber werden häufig erbeutet. „Im Nationalpark gibt es eine große und vitale Rothirsch-Population und damit eine ausreichende Nahrungsgrundlage für die Wölfe“, betonte Ursula Schuster.

Untersuchungen habe es auch zum Bewegungsmuster der Tiere geben. „Die Daten zeigen, dass sich die Wölfe überwiegend in deutlicher Entfernung zu den Ortschaften bewegen. Es kann aber immer wieder vorkommen, dass sie auch einmal in einer Ortschaft zu sehen sind. Dies stellt aber nicht automatisch ein auffälliges Verhalten oder eine Gefährdung des Menschen dar“, so Schuster.

Dasselbe sagte auch Dr. Katrin Kunz von der Regierung von Niederbayern. Sie ist zuständig für große Beutegreifer im Regierungsbezirk. So würden Wölfe zwar Menschen meiden, nicht aber menschliche Strukturen wie Straßen oder Wanderwege. Sollte es zu einer Begegnung mit einem Wolf kommen, so sollte man sich ruhig und respektvoll dem Tier gegenüber verhalten, nicht weglaufen oder dem Wolf nachstellen. Stattdessen sollte man sich langsam zurückziehen und mitgeführte Hunde an der Leine und bei sich behalten. Wenn der Wolf zu nahe erscheint, sollte man auf sich aufmerksam machen, laut sprechen, gestikulieren oder sich anderweitig deutlich bemerkbar machen. Sollte es dennoch einmal Hinweise auf ein auffälliges Verhalten von Wölfen geben, so nimmt dies die Nationalparkverwaltung sehr ernst. Es wird darum gebeten, alle Sichtungen von Wölfen im Nationalpark immer offiziell zu melden – und zwar via poststelle@npv-bw.bayern.de oder 08552 9600-0.

Eingebunden in die Veranstaltungen war auch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regen sowie der Maschinenring. Franz Kollmer gab den Teilnehmenden Einblicke in die Fördermöglichkeiten für Herdenschutzmaßnahmen. Über deren praktische Umsetzung informierten Josef Berndl und Josef Hofbauer vom Maschinenring Mittlerer Bayersicher Wald.

„Ein Zusammenleben von Mensch und Wolf ist möglich“, war letztendlich das Schlussfazit von Nationalparkleiterin Ursula Schuster. „Wir stehen hier als Ansprechpartner für das Nationalparkgebiet zur Verfügung. Uns ist es darüber hinaus ein Anliegen, dass der Nationalpark aus seinen Forschungsergebnissen sachliche und aktuelle Impulse für die laufende Diskussion rund um die Wölfe liefert.“

Wo melde ich Wolfssichtungen?

Für ein aussagekräftiges Wolfsmonitoring ist es wichtig, dass die Verantwortlichen alle zur Verfügung stehenden Daten vorliegen haben. Nur so könne etwa auffälliges Verhalten festgestellt werden. Daher wurde bei den Veranstaltungen daran appelliert, alle Wolfssichtungen – idealerweise mit Foto- oder Videomaterial – zu melden. Dafür ist in Bayern vornehmlich das Landesamt für Umwelt zuständig. Dort gibt es unter 09281 18004640 eine tägliche Rufbereitschaft. Alternativ kann per E-Mail via fachstelle-gb@lfu.bayern.de Kontakt aufgenommen werden. Sichtungen im Nationalparkgebiet können auch direkt an poststelle@npv-bw.bayern.de gemeldet werden.

Wo gibt’s weitere Infos?

Der Nationalpark Bayerischer Wald hat unter www.link2.bayern/wolf eine Online-Sonderseite zum Thema eingerichtet. Zudem wird am Dienstag, 14. April, ein öffentlicher Vortrag unter dem Titel „Ökologische Auswirkungen der Rückkehr der Wölfe auf das Ökosystem Šumava/Bayerischer Wald“ angeboten. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Hans-Eisenmann-Haus. Eine Anmeldung ist nicht notwendig, der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Hans-Eisenmann-Haus. Eine Anmeldung ist nicht notwendig, der Eintritt ist frei.

Siehe dazu auch im Waidler-Wiki: Wolfsgehege im Nationalpark



Redaktion

Günther Freund

1944 in Bad Reichenhall geboren, Abitur in Bad Reichenhall, nach dem Studium der Geodäsie in München 3 Jahre Referendarzeit in der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung mit Staatsexamen, 12 Jahre Amtsleiterstellverteter am Vermessungsamt Freyung, 3 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Zwiesel und 23 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Freyung (nach Verwaltungsreform mit Vermessungsamt Zwiesel als Aussenstelle). Seit 2009 im Ruhestand, seitdem in Prien am Chiemsee wohnhaft.

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