Kirche

Kardinal zum Liebfrauendom

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Der Münchner Dom als Wahrzeichen der Stadt ist laut Kardinal Reinhard Marx ein offenes Haus für alle Menschen. „Dieser Dom ist nicht nur für uns Katholiken da, sondern ein Wahrzeichen für die ganze Stadt – einladend, offen, bereit, alle zu empfangen aus aller Welt“, sagte der Erzbischof von München und Freising bei der Amtseinführung des neuen Domdekans Peter Förster im Rahmen einer Abendmesse im Münchner Dom am Mittwoch, 14. Oktober.

Aufgabe des Domkapitels, dem Förster als Domdekan gemeinsam mit Dompropst Weihbischof Wolfgang Bischof vorsteht, sei es, den Dom zu bewahren, „nicht nur als Gebäude, sondern mit Leben erfüllt“. Besonders hob Marx in diesem Zusammenhang Liturgie, Musik und Gebet hervor: „Wenn das Kapitel keine Gemeinschaft des Gebetes wäre, wäre es überflüssig.“ Marx gab Förster den Auftrag, den geistlichen Charakter des Domkapitels zu wahren und die Gemeinschaft mit dem Erzbischof im Dienst an der Ortskirche zu leben. Das Domkapitel sei „eine Repräsentanz der Ortskirche gegenüber dem Bischof“, sagte Marx: begleitend, ermutigend, „auch gelegentlich kritisierend, korrigierend“, aber immer in Gemeinschaft mit ihm. Der Domdekan trage dafür eine besondere Verantwortung: Er müsse „mit dafür sorgen, dass dieser Geist lebendig bleibt, dass dieser Geist spürbar bleibt“. Marx verabschiedete in dem Gottesdienst zudem den bisherigen Domdekan Prälat Lorenz Wolf, der das Domkapitel über viele Jahre geprägt habe. Er dankte Wolf für die persönliche Begleitung und den gemeinsamen Weg: „Ich wusste mich immer bei Ihnen gut geborgen in den Angelegenheiten des Kapitels.”

Ausgehend von der Lesung aus dem Galaterbrief verband Marx die Amtseinführung des neuen Domdekans und die Verabschiedung seines Vorgängers mit einem grundsätzlichen Verständnis kirchlicher Verantwortung. Die Kirche dürfe nicht in Selbstbezogenheit, Gesetzesfrömmigkeit oder Machtdenken zurückfallen, sondern müsse sich immer neu an Christus ausrichten: „Zur Freiheit seid ihr befreit“, erinnerte Marx. Gerade der Domdekan und das Domkapitel seien mitverantwortlich dafür, dass nicht die eigene Agenda, sondern Gottes Geist bestimmend bleibe: „Seine Agenda zählt.“ Das gelte auch für den Bereich des Kirchenrechts, den Förster als Offizial wie sein Vorgänger Wolf ebenfalls vertritt. Marx verwies auf das Evangelium, in dem Jesus die Gesetzeslehrer, die Menschen Lasten auflegten, ohne sie zu erleichtern, kritisiert, und schloss sich dieser Kritik an: „Das ist nicht das Kirchenrecht, wie ich es verstehe.“ Der Erzbischof zitierte den letzten Satz des Gesetzbuchs des kanonischen Rechts, „Salus animarum suprema lex“ („Das Heil der Seelen ist das höchste Gesetz“), und hob hervor, dass das Kirchenrecht „ein Ermöglicher, kein Verhinderer“ sei. Recht in der Kirche solle „die Liebe schützen, das Evangelium schützen, den Glauben schützen“, aber „nicht Hürden aufbauen, Grenzen ziehen und andere abweisen“. Diese Haltung gelte besonders für jene, die wie Förster im kirchlichen Recht Verantwortung tragen, und zugleich für das gesamte Domkapitel in seinem Dienst am Dom und an der Erzdiözese.

Das Domkapitel oder Metropolitankapitel Zu Unserer Lieben Frau in München setzt sich aus zehn Domkapitularen sowie dem Dompropst und dem Domdekan zusammen. Sie sind für die Liturgie im Dom verantwortlich und fungieren als Konsultorenkollegium in der Leitung und Verwaltung der Erzdiözese. Im Falle einer Vakanz des Bischofsstuhls sind sie dafür zuständig, eine Liste möglicher Kandidaten zu erstellen. (glx)

Bericht: Erzbistum München und Freising  / Foto: Hötzelsperger (Münchner Liebfrauendom)


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