Bad Reichenhall. Wie kann Integration im Landkreis Berchtesgadener Land gelingen? Welche Angebote brauchen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte – und welche Rolle spielen dabei Bildung, Arbeit, Ehrenamt und gegenseitige Begegnung? Diesen Fragen widmete sich am Freitag die Integrationskonferenz des Landkreises unter dem Motto „Chancen teilen – Zukunft gestalten“ am Karlsgymnasium in Bad Reichenhall.
Die Veranstaltung war nicht nur für Fachkräfte und bereits in der Integrationsarbeit Engagierte geöffnet, sondern für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger. Damit sollte deutlich werden: Integration ist keine Aufgabe, die ausschließlich einzelne Fachstellen oder Ehrenamtliche betrifft, sondern eine gemeinsame Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Den Auftakt bildete am Nachmittag der Markt der Möglichkeiten. In der Sporthalle präsentierten zahlreiche Organisationen, Einrichtungen, Initiativen und Ehrenamtliche ihre Arbeit. Die Besucher konnten sich über Beratungs- und Unterstützungsangebote, Bildungs- und Sprachangebote, Möglichkeiten des ehrenamtlichen Engagements sowie über Angebote rund um Arbeit, Ausbildung und gesellschaftliche Teilhabe informieren.
Dabei wurde sichtbar, wie vielfältig die Integrationsarbeit im Landkreis inzwischen ist. Neben hauptamtlichen Beratungsstellen sind es vor allem Vereine, Initiativen und engagierte Einzelpersonen, die vor Ort Begegnungen ermöglichen, Menschen unterstützen und Brücken bauen. Ergänzt wurde der Markt durch Impulsvorträge in drei Räumen. In insgesamt neun kurzen Vorträgen wurden unterschiedliche Aspekte von Integration aufgegriffen und Denkanstöße für die weitere Arbeit gegeben. Im Mittelpunkt standen dabei unter anderem die Themen Bildung, Arbeitsmarkt, gesellschaftliche Teilhabe und das Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft.
Am Abend wurde die Konferenz mit einem festlichen Teil in der Aula des Karlsgymnasiums fortgesetzt. Neben der stellvertretenden Landrätin Iris Edenhofer waren unter anderem der Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, MdL Karl Straub, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie weitere Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kirche, Verwaltung und Gesellschaft zu Gast.
MdL Karl Straub würdigte in seinem Beitrag insbesondere das Engagement der zahlreichen Ehrenamtlichen. Sie seien eine wichtige Säule der Integrationsarbeit und würden mit ihrem persönlichen Einsatz dafür sorgen, dass Integration vor Ort konkret gelebt werde. Besonders hob Straub die Arbeit der Laiendolmetscherinnen und Laiendolmetscher hervor. Sie unterstützen Menschen mit geringen Deutschkenntnissen bei wichtigen Gesprächen und Terminen und leisten damit einen unmittelbaren Beitrag dazu, dass Verständigung möglich wird und Zugänge zu Behörden, Beratungsstellen und anderen Einrichtungen erleichtert werden.
Das Projekt der Laiendolmetscher-Ausbildung wird im Landkreis gemeinsam von der Integrationslotsin und der Caritas umgesetzt. Die zwölf aktuell ausgebildeten Laiendolmetscherinnen und Laiendolmetscher erhielten im Rahmen der Konferenz ihre Zertifikate.
Auch die Herausforderungen der kommenden Jahre wurden deutlich angesprochen. Die stellvertretende Landrätin Iris Edenhofer verwies darauf, dass ein Abbau von Bildungsangeboten für Menschen mit Migrationsgeschichte die bestehenden Schwierigkeiten beim Zugang zum Arbeitsmarkt weiter verschärfen könne. Sprachkenntnisse, Qualifizierung und berufliche Orientierung seien wichtige Voraussetzungen dafür, dass Menschen ihre Fähigkeiten einbringen und langfristig auf eigenen Beinen stehen können. Gerade beim Übergang in Ausbildung und Beschäftigung zeigte sich, wie eng verschiedene Bereiche miteinander verbunden sind: Gute Bildungs- und Beratungsangebote schaffen Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe und eröffnen zugleich Wege in den Arbeitsmarkt.
Durch den gesamten Konferenztag und auch durch den festlichen Abend führte Astrid Kaeswurm, Integrationslotsin des Landkreises Berchtesgadener Land. Sie begleitet und vernetzt seit vielen Jahren die haupt- und ehrenamtlich Engagierten im Landkreis und war auch für die Organisation und inhaltliche Gestaltung der Konferenz maßgeblich verantwortlich. „Integration lebt davon, dass Menschen miteinander ins Gespräch kommen, voneinander lernen und gemeinsam Lösungen entwickeln“, so die Botschaft der Veranstaltung. Genau diese Begegnungen standen bei der Integrationskonferenz im Mittelpunkt: zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen, zwischen Fachleuten und Bürgerinnen und Bürgern, zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und denjenigen, die sich im Landkreis für ein gutes Zusammenleben engagieren.
Beim anschließenden gemeinsamen Buffet und dem geselligen Ausklang blieb schließlich auch ausreichend Gelegenheit, die Gespräche aus dem offiziellen Programm fortzuführen und neue Kontakte zu knüpfen. Die Integrationskonferenz machte damit nicht nur bestehende Angebote sichtbar, sondern zeigte zugleich, dass Integration ein fortlaufender Prozess ist. Chancen zu teilen und Zukunft gemeinsam zu gestalten bedeutet, vorhandene Möglichkeiten zu nutzen, neue Wege zu eröffnen und die Menschen, die sich vor Ort engagieren, miteinander zu verbinden.
Text und Bildmaterial: Landratsamt Berchtesgadener Land – Teilnehmende und neu zertifizierte Laiendolmetscherinnen und Laiendolmetscher bei der Abschlussveranstaltung der Integrationskonferenz in der Aula des Karlsgymnasiums




