Leidest du unter Dorfentzug? Anton jedenfalls schon. Hans würde von sich das Gegenteil behaupten. Bis am Ende das Gegenteil bewiesen wird.
Wer sich jetzt fragt, was das alles soll, hat das Theaterstück „Dorfentzug“ des Allgäuer Gauverbands nicht gesehen, in dem die Gegensätze nur so aufeinander prallen. Anton – heimatliebender und heimatverbundener Traditionalist mit Hang ins Fanatische und Hans Fiedler – profitgieriger Bauunternehmer ohne Skrupel, der das geschichtsträchtige Wirtshaus Adler dem „Dorfcenter Universe“ opfern will. Dieses Vorhaben sowie die beginnende Liaison zwischen Sohn Seraf und Fiedlers Tochter April lösen bei Anton einen Zusammenbruch aus. Zur Problemlösung finden sich zwei spukende Geister ein: Die Sagengestalt Boinemartl und ein untoter Kreisheimatpfleger, die parallel noch mit der eigenen Erlösung beschäftigt sind.
Soweit kurz und knapp zum Inhalt. Die Darsteller, Musikanten und Akteure hinter den Kulissen stammten allesamt aus Vereinen des Gauverbands, allen voran den „Koppachtalern“ aus Altusried, die das Stück vor 3 Jahren schon einmal aufgeführt hatten. Die große Herausforderung war diesmal allerdings die Anpassung der Kulissen an die verschiedenen Bühnen in den 4 Wirtshäusern, die diese schwarze Komödie als Wandertheater aufgesucht hat. Die ganze Bühne samt Inventar und alle Requisiten wurden also jedes Wochenende auf- und wieder abgebaut und quer durchs ganze Allgäu transportiert. Station waren jeweils Wirtshäuser, die wie im Stück Orte gelebter Dorfkultur sind.
12 restlos ausverkaufte Aufführungen und unzählige Probentage haben natürlich ihre Spuren hinterlassen. Neben dem Schlafmangel nahm man schon das ein oder andere Kilo zu bei so viel kollegialer Verköstigung während der Wartezeit auf den Einsatz und der hervorragenden Kochkunst in den Gaststätten. Und manche Spieler konnten eine Unterhaltung führen, die nahezu ausschließlich aus ihren Zitaten bestand. Nicht zuletzt profitierten die Theaterneulinge von Tricks, die die erfahrenen Spieler bereitwillig verrieten.
Was nicht unerwähnt bleiben soll, ist die Tatsache, dass die Einnahmen aus den Aufführungen in die Landesversammlung des Bayerischen Trachtenverbands fließen soll, welche nächstes Jahr im Allgäu stattfindet.
Bericht und Fotos: Katharina Gerold-Fleschhut, 2. Gauschriftführerin, Allgäuer Gauverband
1: Anton im Gespräch mit dem Geist
2: Fiedlers Geschäftspartner in Rage





