Mit der Nummer eins aufs Podest

Der elfjährige Johannes Astner eröffnete als jüngster Teilnehmer die Deutsche Meisterschaft im Handmähen in Neubeuern. Sein Vater Hans bereitete die Sense vor, feuerte ihn an und trat später selbst an. Am Ende standen beide auf dem Podest.

Neubeuern – Die Nummer eins war für Johannes Astner an diesem Morgen mehr als nur eine Startnummer. Seine Mutter befestigte das Schild sorgfältig an seinem dunkelblauen Hemd. Dann zeigte der Elfjährige stolz die große schwarze Eins auf seiner Brust. Als jüngster der 49 Teilnehmer eröffnete er die Deutsche Meisterschaft im Handmähen in Neubeuern.

Schwung für Schwung durch die Parzelle: Tief in den Knien und mit konzentriertem Blick arbeitet sich der elfjährige Johannes Astner mit seiner Sense durch das hohe Gras. Bei den Kindern galt es, eine Fläche von 15 Quadratmetern möglichst sauber zu mähen.

Bevor Johannes seine 15 Quadratmeter große Parzelle betrat, kümmerte sich sein Vater Hans um das wichtigste Werkzeug des Tages. Er prüfte die Sense, schärfte das Blatt und gab seinem Sohn einen entscheidenden Rat mit auf den Weg: Sauberkeit sei wichtiger als reine Geschwindigkeit.

Deutsche Meisterschaft im Handmähen in Neubeuern

Sepp Mayer aus Frasdorf mäht schon seit über 50 Jahren und belegte am Ende den 6. Platz bei den über 30-jährigen.

Denn beim Handmähen gewinnt nicht automatisch, wer seine Parzelle am schnellsten bewältigt. Kampfrichter bewerten auch die Qualität der Mahd. Bleiben Halme stehen oder fällt das Mähbild ungleichmäßig aus, gibt es Zuschläge. Erst aus Zeit und Sauberkeit ergibt sich die Gesamtwertung.

Präzision bei jedem Sensenstreich: Die mehrfache Deutsche Meisterin Elisabeth Mildner aus Wessobrunn im dichten Gras der Wettkampfwiese. Für ihren fehlerfreien, sauberen Schnitt gab es von den Kampfrichtern Bestnoten.

Mit konzentriertem Blick setzte Johannes die Sense an. Tief in den Knien arbeitete er sich Schwung für Schwung durch das hohe Gras. Sein Vater beobachtete ihn vom Rand, feuerte ihn an und applaudierte. Auch der Großvater unterstützte den Elfjährigen. Drei Generationen standen damit gemeinsam auf der Wettkampfwiese.
Johannes mäht bereits seit vier Jahren. Schon 2025 hatte er bei der Deutschen Meisterschaft den zweiten Platz in der Kinderklasse belegt. Diesen Erfolg konnte er in seinem Heimatort wiederholen. Besonders freute ihn, dass er damit einen Rang höher platziert war als sein Vater.

Drei Generationen vereint auf der Wettkampfwiese Als jüngster Teilnehmer trat Johannes Astner (11) aus Neubeuern am Samstag bei der deutschen Meisterschaft im Handmähen in seinem Heimatort an. Der stolze Opa und Papa Hans Astner drückten dem jüngsten Familienmitglied, das schon seit vier Jahren die Sense schwingt, die Daumen. Mit Erfolg – der Elfjährige schaffte es aufs Podest. Zahlreiche Zuschauer verfolgten, wie die Sensen unter hochsommerlicher Sonne durch das Gras glitten. Für die Teilnehmer war es eine schweißtreibende Kraftanstrengung.

Rund um die Familie Astner hatte sich die Wiese in eine weitläufige Wettkampfarena verwandelt. Kinder, Jugendliche, Frauen, Männer und Senioren traten auf abgesteckten Parzellen gegeneinander an. Die Herren mähten jeweils 100 Quadratmeter, die übrigen Erwachsenen- und Jugendklassen 35 Quadratmeter, die Kinder 15 Quadratmeter.

Gemeinschaftswerk auf der Mähwiese: Mit großen Holz- und Alurechen ziehen die Helfer das frisch gemähte Gras in langen Bahnen zusammen. Ihr unermüdlicher Einsatz sorgt für einen reibungslosen Ablauf und leere Parzellen für die nächste Wertungsrunde.

Während Kampfrichter die Flächen prüften und Zeitnehmer die Ergebnisse festhielten, rechten Helfer das geschnittene Gras zwischen den Durchgängen zusammen. Zahlreiche Zuschauer verfolgten hinter dem Absperrband, wie die Sensen unter hochsommerlicher Sonne durch das Gras glitten.
Die Freiwillige Feuerwehr Neubeuern richtete die Meisterschaft im Rahmen ihrer Feierlichkeiten zum 155-jährigen Bestehen aus. Der Wettbewerb zeigte zugleich, dass die Sense kein bloßes Brauchtumsrequisit ist. Ein sauberer Schnitt verlangt ein scharfes Blatt, den richtigen Winkel, einen gleichmäßigen Rhythmus und viel Übung. Hans Astner bringt es auf eine kurze Formel: „Der präzise Schnitt, Schmalz in den Knochen und Erfahrung zeichnen den Sensenmann aus.”

Später wechselten bei den Astners die Rollen. Nun trat Hans selbst auf der Wettkampffläche an. Der Neubeurer betreibt das Handmähen seit 24 Jahren und wurde bereits dreimal Deutscher Meister:
2019 in Teisendorf, 2023 in Frasdorf und 2025 bei Waging am See. Bei der Europameisterschaft 2023 in Slowenien belegte er den achten Rang.

Feinschliff vom Profi: Vater Hans Astner, selbst dreifacher Deutscher Meister, prüft und schärft die Sense seines Sohnes Johannes vor dem großen Auftritt.

Vor seinem Durchgang räumte der Lokalmatador ein, durchaus unter Druck zu stehen. Gerade bei einer Deutschen Meisterschaft im eigenen Heimatort wolle er ein gutes Ergebnis abliefern. Vor einer großen Zuschauerkulisse arbeitete er sich mit kraftvollen Schwüngen durch seine Parzelle. Unmittelbar nach dem letzten Schnitt waren ihm Hitze und Anstrengung anzusehen.

 

Deutsche Meisterschaft im Handmähen in Neubeuern

Die verdiente Meisterurkunde: Elisabeth Mildner präsentiert stolz die Auszeichnung für den ersten Platz in der Klasse Damen bei den Deutschen Meisterschaften 2026 in Neubeuern.

 

Deutsche Meisterschaft im Handmähen in Neubeuern

Der neue König an der Sense: Gesamtsieger Johannes Egger aus Ainring präsentiert stolz seine Urkunde für den 1. Platz in der Klasse Herren Ü30 bei der Deutschen Meisterschaft 2026 in Neubeuern. Nach dem Vize-Titel im Vorjahr bei den Unter-30-Jährigen reichte es diesmal für ganz oben.

Für einen vierten Meistertitel reichte es diesmal nicht. Hans Astner belegte bei den Herren den dritten Platz. Sein Sohn Johannes wurde Zweiter bei den Kindern. Bei der Siegerehrung hielten beide ihre Urkunden in den Händen. Er hatte damit nicht nur erneut den Vize-Titel erreicht, sondern den Vater an diesem Tag auch um genau einen Rang übertroffen.

Erfolgreiches Familiengespann: Johannes Astner (2. Platz Kinderklasse) und Vater Hans (3. Platz Herren Ü30) präsentieren stolz ihre Urkunden – Johannes traditionell barfuß in Lederhose.

Die Sieger der Klassen
Deutscher Meister bei den Herren wurde Johannes Egger aus Ainring. Der Jahrgang 1995 mäht seit 2013 und hatte 2025 bereits den zweiten Platz in der damaligen Klasse unter 30 Jahren erreicht. Platz zwei ging an Christoph Mangs, ebenfalls aus Ainring, vor Hans Astner.
Die Klasse unter 30 Jahren gewann Johann Wolfgruber aus Ainring vor Valentin Bergstein aus Bartholomä und Stefan Artmann aus Neubeuern. Wolfgruber mäht seit fünf Jahren, Bergstein seit 2023 in Wettbewerben. Artmann greift seit 2015 zur Sense und war bereits Werdenfelser Meister.

Deutsche Meisterschaft im Handmähen in Neubeuern

Kraftvolle Schwünge vor heimischer Kulisse: Lokalmatador Hans Astner arbeitet sich unter den Augen zahlreicher Zuschauer konzentriert durch seine 100 Quadratmeter große Wettkampfparzelle.

Bei den Damen setzte sich die mehrfache Deutsche Meisterin Elisabeth Mildner aus Wessobrunn durch. Sie mäht seit ihrem 20. Lebensjahr und belegte 2017 bei einem internationalen Wettbewerb den zweiten Platz. Kathrin Schwille aus Pfullingen und Veronika Abfalter aus Teisendorf erreichten die Plätze zwei und drei.
Die Jugendklasse gewann Lukas Schinag| aus Ainring, der bereits 2023 Europameister in seiner Altersklasse geworden war. Bei den Senioren siegte Jörg Schwille aus Pfullingen.

Deutsche Meisterschaft im Handmähen in Neubeuern

Die Helfer stehen mit Rechen und Gabeln parat, um das frisch geschnittene Gras zügig von den Wettkampfflächen zu räumen. Dann können die Wertungsrichter die Qualität der gemähten Wiese am besten beurteilen.

In der Kinderklasse setzte sich Florian Linhart aus Griesstätt durch, der bereits bei einer früheren Deutschen Meisterschaft gewonnen hatte. Johannes Astner wurde Zweiter. Den dritten Platz belegte Marinus Grießenböck aus Neubeuern bei seiner ersten Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft.

Stimmungsvoller Ausklang am Abend: Ein intensiver und schweißtreibender Wettkampftag endete für Teilnehmer, Helfer und Zuschauer am Abend in geselliger Runde im Festzelt unterhalb von Schloss Neubeuern.

So endete der Wettkampftag für die Familie Astner mit zwei Podestplätzen. Vater und Sohn hatten nacheinander auf derselben Wiese gestanden: der eine als dreifacher Deutscher Meister, der andere als jüngster Teilnehmer mit der stolzen Nummer eins auf der Brust.

Beitrag & Fotos: Rainer Nitzsche

 

 

 

 


Redaktion

Rainer Nitzsche

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Als Reportage-Fotograf möchte ich mit wenigen Bildern wiedergeben, was als geschriebener Text vielleicht Bände füllen würde. Es geht um Ereignisberichte in Bildern. Es gilt, schrittweise und in den richtigen Momenten Entwicklung und Ablauf von Ereignissen festzuhalten, die schließlich in einem Höhepunkt gipfeln. Das bedeutet, meine Fotografien sind sehr oft weniger formell und zeigen den Charakter der Menschen eher in einer pose-freien, authentischen Weise, die nicht inszeniert ist.
Mehr Fotos finden Sie auch auf meiner Webseite unter www.rainernitzsche.de

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