Mit den Armutswochen 2026 unter dem Motto „Junge Armut?! Gemeinsam für Generationengerechtigkeit“ macht die Caritas München und Freising sichtbar, was ihre Mitarbeitenden jeden Tag erleben: Wenn Kinder und junge Erwachsene in Armut aufwachsen, verlieren sie Chancen auf Bildung, Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben. Als größter Wohlfahrtsverband Oberbayerns setzt sich die Caritas dafür ein, dass aus schwierigen Lebenslagen keine dauerhaft verlorenen Zukunftsperspektiven werden.
Einsamkeit statt Zugehörigkeit. Existenzangst statt Zukunftspläne. Kein sicherer Ort zum Leben, kein Geld für Bildung oder gesellschaftliche Teilhabe. Junge Armut hat viele Gesichter. Die Caritas erlebt ihre Folgen täglich und steht Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Krisen zur Seite. Die Armutswochen 2026 machen sichtbar, warum dieser Einsatz für mehr Generationengerechtigkeit wichtiger denn je ist. Wenn junge Menschen dauerhaft von Bildung, Gemeinschaft und gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen werden, ist das nicht nur ein persönliches Schicksal. Es betrifft die Zukunft der gesamten Gesellschaft. Verlorene Bildungs- und Entwicklungschancen führen zu Fachkräftemangel, höheren Gesundheits- und Sozialkosten und schwächen den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Junge Armut kostet Zukunft. Mit vielen verschiedenen Angeboten begleitet die Caritas in der Region Rosenheim Betroffene im Bereich Kinder, Jugend und Familie und in der Sozialen Beratung. Junge Menschen erhalten hier Unterstützung, Orientierung und neue Perspektiven.
Im Mittelpunkt der diesjährigen Armutswochen steht die Kinderarmut und Armut junger Erwachsener in Deutschland. Unter dem Motto „Junge Armut?! Gemeinsam für Generationengerechtigkeit“ starten der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising sowie die Fachverbände Sozialdienst katholischer Frauen München e.V. (SkF) und der Katholische Verband für soziale Dienste in Deutschland e.V. (SKM) in die bundesweiten Aktionswochen gegen die Armut.
Wenn Armut belastet, schenkt die Caritas Halt
Armut bei Kindern und Jugendlichen zeigt sich nicht nur darin, dass Geld für neue Kleidung, einen Vereinsbeitrag oder einen Schulausflug fehlt. Sie kann auch die Seele belasten. Wenn Kinder dauerhaft erleben, dass sie „nicht mithalten können“ oder aus finanziellen und familiären Gründen von Gemeinschaft ausgeschlossen sind, können Einsamkeit, Scham, Ängste und das Gefühl entstehen, weniger wert zu sein. Mit „seelischer Armut“ ist keine medizinische Diagnose gemeint. Der Begriff beschreibt vielmehr Situationen, in denen jungen Menschen wichtige Ressourcen fehlen: verlässliche Beziehungen, Aufmerksamkeit, Zugehörigkeit, Möglichkeiten zur Teilhabe und die Zuversicht, die eigene Zukunft gestalten zu können.
Diözesan-Caritasdirektor Prof. Dr. Hermann Sollfrank sagt: „Wenn junge Menschen ihr Potenzial nicht entfalten können, weil Unterstützung fehlt, verlieren nicht nur die Betroffenen. Wir verlieren als Gesellschaft. Generationengerechtigkeit bedeutet für uns, heute alles dafür zu tun, dass kein Kind und kein Jugendlicher aufgrund von Armut zurückgelassen wird.” Wolfgang Ehrenlechner, Kreisgeschäftsführer der Caritas Zentren in Stadt und Landkreis Rosenheim, ergänzt: „Kein junger Mensch sollte sich mit 14 ausgeschlossen fühlen, mit 21 vor Schulden verzweifeln oder mit 17 nicht wissen, wo er schlafen kann. Genau deshalb gibt es die Caritas. Wir stehen jungen Menschen in Krisen zur Seite und helfen ihnen, wieder Vertrauen in die eigene Zukunft zu gewinnen.”
Wirkungsberichte: So schenkt die Caritas jungen Menschen Halt
Lea, 14 Jahre – „Jemand sieht mich. Ich gehöre dazu.” Lea ist 14 Jahre alt. Zu Hause ist das Geld knapp. Ihre Mutter arbeitet, doch für Vieles, was für andere Teenager selbstverständlich ist, reicht das Einkommen nicht. Lea verzichtet auf Ausflüge mit Freundinnen und hat ihren Sportverein aufgegeben, weil zusätzliche Kosten entstanden sind. Sie möchte nicht, dass jemand merkt, wie schwierig die Situation zu Hause ist. Deshalb wird sie in der Schule stiller und zieht sich zurück. Lea sagt nichts und schläft immer schlechter. Über die Familienberatungsstelle der Caritas erhalten Lea und ihre Mutter Unterstützung. Lea bekommt einen geschützten Raum, in dem sie frei über ihre Sorgen sprechen kann, ohne Angst zu haben, deshalb abgelehnt oder ausgeschlossen zu werden. Gemeinsam mit ihr und der Mutter werden weitere Hilfen organisiert. Eine Spende hilft dort, wo reguläre Finanzierungsmöglichkeiten enden – zum Beispiel bei Fahrtkosten für die Schülerin, Materialien für Gruppen- und Präventionsangebote oder gemeinschaftsfördernden Aktivitäten. Lea geht jetzt wieder in ihren Sportverein und trifft regelmäßig ihre Freundinnen. Sie gewinnt Selbstvertrauen und merkt: Ich gehöre dazu.
Caroline, 21 Jahre – „Ich bin auf dem Weg in ein schuldenfreies Leben.” Nach einem persönlichen Schicksalsschlag und dem Verlust ihres Arbeitsplatzes verlor die damals 21-jährige Caroline zunehmend den Überblick über ihre Finanzen. Um ihre Sorgen und Unsicherheiten zu verdrängen, suchte sie Trost im Konsum. Kleidung, Handtaschen, Schuhe und ein neues Handy kaufte sie auf Raten, ohne die langfristigen Konsequenzen zu bedenken. Die Schulden wuchsen immer weiter an, die Inkasso-Briefe häuften sich und durch die Zinsen steigerten sich die ausstehenden Forderungen aus Onlineshopping. Caroline fühlte sich völlig überfordert.
Mit rund 2.300 Euro Schulden und keinen nennenswerten Einnahmen wandte sich Caroline schließlich an die Schuldner- und Insolvenzberatung der Caritas. Dort traf sie auf eine Beraterin, die nicht verurteilte, sondern zuhörte. Gemeinsam mit der Expertin erarbeitete sie einen realistischen Plan für Einnahmen und Ausgaben. Schritt für Schritt lernte Caroline, bewusster mit Geld umzugehen, unnötige Ausgaben zu reduzieren und ihre Finanzen neu zu ordnen. Gleichzeitig unterstützte die Caritas sie dabei, Lösungen mit Gläubigern zu finden und ihre Schulden systematisch abzubauen. Die Beratung gab ihr nicht nur praktische Orientierung, sondern auch neuen Mut und das Vertrauen, ihre Situation wieder selbst gestalten zu können. Mit viel Disziplin und der Unterstützung der Caritas gelang Caroline ein Neuanfang. Sie kehrte in die Schule zurück, arbeitete nebenbei und achtete konsequent auf ihre Ausgaben. Heute kann sie wieder hoffnungsvoll nach vorne blicken.
Sebastian, 17 Jahre – „Ich kann mich wieder auf die Schule konzentrieren.” Der 17-jährige Sebastian steht kurz vor seinen Abschlussprüfungen im M‑Zweig. Doch anstatt sich auf die Schule konzentrieren zu können, ist sein Alltag von großen Belastungen geprägt. Aufgrund körperlicher und seelischer Gewalt durch seinen Vater sieht er keinen anderen Ausweg, als das Elternhaus zu verlassen. Seine Mutter lebt in Bosnien. Der seltene Kontakt zu ihr belastet ihn zusätzlich. Er öffnet sich einem Mitarbeiter der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Familien der Caritas, der zusammen mit Sebastian Kontakt zum Jugendamt aufnimmt. Mit dessen Unterstützung kann er bei der Familie eines Schulfreundes unterkommen und findet dort Sicherheit und Stabilität. Dennoch bleibt seine finanzielle Situation schwierig. Die Leistungen des Jugendamtes reichen nicht aus, um alle notwendigen Ausgaben zu decken. Geld für Schulbedarf und eine Reise zu seiner Mutter fehlt.
Über die Einzelfallhilfe der Caritas erhält Sebastian eine Unterstützung von 300 Euro. Damit kann er endlich wieder seine Mutter besuchen. Eine Reise, die zwingend notwendig ist, um die Beziehung zur Mutter nicht zu verlieren. Sebastian konzentriert sich jetzt wieder auf das für seine Zukunft Wesentliche: seine Abschlussprüfungen. Er hat das Gefühl, dass sein Leben wieder geordnet ist.
Hintergrund: Caritas-Armutswochen 2026
Der Deutsche Caritasverband, der SkF Gesamtverein und der SKM Bundesverband rufen jährlich zu den bundesweiten Caritas-Armutswochen auf. Sie finden 2026 vom 17. Oktober, dem Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut, bis zum 15. November, dem von Papst Leo XIV ausgerufenen Welttag der Armen, statt. Bundesweit machen Ortsvereine und Einrichtungen mit Aktionen auf Armut und soziale Ausgrenzung aufmerksam.Während der Aktionswochen gegen Armut veranstaltet die Caritas München und Freising zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen, um auf die Lebenslagen armutsbetroffener Menschen aufmerksam zu machen, zum gesellschaftlichen Dialog anzuregen und gemeinsam Wege aus der Armut aufzuzeigen.
Text: Caritas Zentren in Stadt und Landkreis Rosenheim – Foto: Caritas München-Freising – Plakat Armutswochen 2026




