Wirtschaft

Bund der Selbstständigen zum Tanken

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Aufgrund der aktuellen Situation an den Tankstellen: Der Bund der Selbständigen Bayern fordert sofortiges Umsteuern: Deutliche Senkung der Kraftstoffsteuern, sofortige Aussetzung der CO₂-Abgabe und temporäre Preisdeckelung bei 1,50 Euro pro Liter.

München, 08.04.2026 – „Um Punkt 12 Uhr sprang der Dieselpreis von 2,41 auf 2,56 Euro – 15 Cent in einer Minute. Das ist keine normale Marktschwankung. Das ist Abzocke.” Mit diesen Worten beschreibt Gabriele Sehorz, Präsidentin des Bund der Selbständigen Bayern, die aktuelle Situation an den Tankstellen – und bringt damit auf den Punkt, was derzeit tausende Betriebe im Land erleben.

Über 2,50 Euro kostet ein Liter Diesel inzwischen im bundesweiten Durchschnitt. Das ist keine abstrakte Zahl, das ist eine reale Bedrohung für unsere Wirtschaft. Es trifft das Handwerk, die Pflege, die Logistik, Lieferdienste – all jene, die zwingend auf Mobilität angewiesen sind. Jeder gefahrene Kilometer treibt die Kosten weiter nach oben – und am Ende zahlen es die Verbraucherinnen und Verbraucher.

Bei einem Preisanstieg von rund 40 Cent pro Liter entstehen einem einzigen LKW Mehrkosten von etwa 1.200 Euro im Monat, wie Berechnungen des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung zeigen. Für eine mittelgroße Spedition mit 50 Fahrzeugen summiert sich das auf über 700.000 Euro im Jahr. Das sind keine Schwankungen, das sind massive Eingriffe in die wirtschaftliche Substanz. Sechsstellige Mehrbelastungen, die kein mittelständischer Betrieb einfach auffangen kann.

„Die Nachrichten aus unseren Betrieben werden nicht besser. Unternehmer stehen plötzlich vor der Frage, ob sie noch jeden Auftrag annehmen können. Nicht weil sie schlecht wirtschaften – sondern weil sie tanken müssen,” so Gabriele Sehorz.  Seit dem 1. April gilt die Regel, dass Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen dürfen. Preissprünge auf einen Schlag, neue Höchststände in kürzester Zeit. Das Kartellamt hat nur begrenzte Eingriffsmöglichkeiten – umso größer ist die Verantwortung der Politik.

Die Politik diskutiert über Tempolimits und Homeoffice-Pflichten. Das ist keine Prioritätensetzung – das ist Realitätsverweigerung. Ein Tempolimit kann jeder Autofahrer schon heute freiwillig einhalten. Eine Homeoffice-Pflicht ist für all jene, die täglich draußen arbeiten müssen – in der Pflege, im Handwerk, im Einsatzdienst – blanker Hohn. Eine höhere Pendlerpauschale mag für Berufspendler auf dem Land fair sein. Das hilft aber keinem Spediteur, der Lebensmittel transportiert. Seine Kosten steigen trotzdem – und werden weitergegeben. An den Handel und am Ende an die gesamte Bevölkerung.

Der Bund der Selbständigen Bayern fordert deshalb ein sofortiges Umsteuern:

1.      Deutliche Senkung der Kraftstoffsteuern und sofortige Aussetzung der CO ₂-Abgabe. Über 1,08 Euro pro Liter fließen heute direkt an den Staat. Das ist kein Marktpreis, das ist Politik. Und Politik lässt sich ändern.

2.      Temporäre Preisdeckelung bei 1,50 Euro pro Liter. Dieser Zielwert entspricht dem heutigen Nettopreis vor allen staatlichen Aufschlägen. Eine Entlastung auf diesem Niveau wäre keine Subvention, sondern die Rücknahme des staatlichen Aufschlags. Ohne den Deckel besteht die Gefahr, dass Steuersenkungen nicht bei den Betrieben ankommen, sondern in den Margen der Mineralölkonzerne verschwinden.

„Ja, das ist ein Eingriff in die freie Marktwirtschaft. Und ja, ein Unternehmerverband fordert das nicht leichtfertig“, so BDS Bayern-Präsidentin Sehorz. „Aber der Schaden des Nichtstuns ist größer. Wenn unsere Wirtschaft unter diesen Energiepreisen zusammenbricht, wird es keine Transformation, keinen Klimaschutz und keine soziale Sicherheit mehr geben. Wir brauchen einen starken Mittelstand, der unter verlässlichen politischen Rahmenbedingungen wieder investieren kann. Hilfen müssen jetzt endlich auch bei den kleinen und mittleren Unternehmen ankommen – und dürfen nicht ausschließlich über große Strukturen wirken. Das ist für uns nicht verhandelbar. Wir brauchen entschlossenes politisches Handeln – für unseren Mittelstand, für die Industrie und für unser Land. Jetzt.“

Bericht: Bund der Selbstsständigen – Foto: Hötzelsperger 



Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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