Wirtschaft

Bayern wirbt in Kasachstan und Usbekistan

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Die knapp viertägige Reise des bayerischen Staatsministers für Europaangelegenheiten und Internationales, Eric Beißwenger, nach Zentralasien hielt überraschende Erfolge für Beißwenger und den Freistaat bereit. Bei einem Treffen mit dem kasachischen Energieminister Yerlan Akkenzhov am Dienstag (7. April) im Energieministerium in Kasachstans Hauptstadt Astana sagte er zu, die Öllieferungen nach Bayern auszuweiten und auch in Zukunft zuverlässig zu liefern. Bislang erhält Bayern rund 50 Prozent seines Erdöls aus Kasachstan. Schon 2025 hatte das Land seine Lieferungen um 44 Prozent gesteigert. Im Gegenzug bot Beißwenger an, beim Ausbau der Erneuerbaren Energien in Kasachstan mit bayerischer Technologie zu unterstützen. Beißwenger: „Das ist in der aktuellen Situation an der Straße von Hormus ein absoluter Lichtblick für Bayern. Es erhöht langfristig unsere Energiesicherheit.“ 

 Bayern ist aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke für Kasachstan besonders interessant. Das betonte Außenminister Alibek Kuantyrow bei seinem Treffen mit Bayerns Minister für Internationales. Deshalb bestehe großes Interesse an einer langfristigen Zusammenarbeit. Kasachstan als größtes Land und größte Volkswirtschaft in Zentralasien hat große wirtschaftliche Pläne und will sich langfristig in der internationalen Spitze der Volkswirtschaften etablieren. Das Land leistet einen erheblichen Beitrag für die Versorgung Deutschlands mit Rohstoffen und Seltenen Erden und erhofft sich Unterstützung bei der Erkundung, Förderung und Verarbeitung. 

Im Beisein des kasachischen Wirtschaftsministers Ersayin Nagaspayew wurde von Beißwenger und dem stellvertretenden Industrieminister Olzhas Saparbekow eine Absichtserklärung unterzeichnet, mit der Bayern und Kasachstan ihre künftige Zusammenarbeit vor allem in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Energie auf ein stabiles Fundament stellen wollen. Beißwenger: „Wir stärken unsere außenwirtschaftliche und geopolitische Widerstandsfähigkeit durch die Neuauflage der Zusammenarbeit mit Kasachstan. Gerade in Zeiten globaler Verwerfungen gilt: Bayern setzt auf Diversifizierung, verlässliche Partnerschaften und neue Märkte – immer auf der Grundlage von Rechtssicherheit und wechselseitigem Nutzen. Nur wenn beide Seiten profitieren, entstehen stabile Partnerschaften.“ So betonte Vize-Premierminister Roman Sklyar, der sich bei seinem Treffen mit Beißwenger von der industriellen Power Bayerns beeindruckt zeigte, dass Kasachstan großes Potenzial für bayerische Unternehmen biete.

Am Mittwoch (8. April) ging es für den bayerischen Minister weiter nach Taschkent, die Hauptstadt Usbekistans. Als erstes stand ein Treffen mit Usbekistans Premierminister Abdullah Nigmatowitsch Aripov auf dem Programm. Aripov nahm sich für seine bayerischen Gäste eineinhalb Stunden Zeit – das Doppelte des Vereinbarten. Beißwenger: „Es war ein außergewöhnlich langes Gespräch und Ausdruck der immensen Wertschätzung für Bayern. Namhafte bayerische Unternehmen sind hier vor Ort. Sie loben das konstruktive Investitionsklima und signalisieren weitere Investitionsbereitschaft.“ Usbekistan sei reich an natürlichen Ressourcen und Rohstoffen und verfüge über eine wachsende und sich stabil entwickelnde Wirtschaft. Usbekistan habe sein Außenhandelsvolumen seit 2020 verdoppelt, das Außenhandelsvolumen zwischen Bayern und Usbekistan sei seit 2021 um fast 75 Prozent gestiegen, so der Minister weiter.

Von der Aufbruchstimmung, die im Land herrscht, konnte sich Beißwenger bei einem Besuch der New Uzbekistan University überzeugen. Auf einer Fläche von bis zu 50 Hektar soll hier mit Unterstützung der Technischen Universität München in insgesamt 16 Gebäuden eine hochmoderne internationale Universität entstehen. Entwicklungspartner war neben der Universität von Cambridge die TUM International GmbH. „Gemeinsam planen wir ein Elite Internship Program, das Studenten praktische Erfahrungen in bayerischen Unternehmen ermöglicht. So schaffen wir Brücken zwischen Theorie und Praxis und zwischen unseren Ländern“, freut sich Beißwenger.

Als bevölkerungsreichstes Land Zentralasiens bietet Usbekistan mit seiner sehr jungen und gut ausgebildeten Bevölkerung in allen Qualifikationsstufen ein enormes Fachkräftepotential für die bayerische Wirtschaft. In Samarkand besuchte Beißwenger am Donnerstag (9. April) das Projekt „Profi Deutsch“. In Zusammenarbeit mit dem Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft bbw werden hier junge Menschen sprachlich für die Arbeit in der bayerischen Hotellerie und Gastronomie geschult. Die berufspraktische Ausbildung findet parallel an der Fachschule für Tourismus in Samarkand statt.  „Bayern hat im Tourismus einen großen Fachkräftebedarf. Wir erhoffen uns von diesem Projekt junge Fachkräfte für unsere bayerischen Tourismusregionen auch bei mir im Allgäu. Die Jugendlichen hier sind hoch motiviert, unglaublich freundlich und serviceorientiert“, stellt Beißwenger fest. 

Bei einem kurzen Rundgang durch die zum UNESCO-Welterbe gehörenden fast tausend Jahre alten architektonischen Denkmäler in Samarkand zeigte sich Beißwenger ebenso beeindruckt wie beim Besuch des Zentrums für Islamzivilisation in Taschkent: „Die Denkmäler gehören zu den bedeutendsten historischen Orten Mittelasiens. Diese alte Kultur ist absolut faszinierend und beeindruckend. Das Zentrum für Islamzivilisation hingegen begeistert durch sein hochmodernes, interaktives Museumskonzept. Hier ist einer der ersten Korane aus dem 7. Jahrhundert ausgestellt. Die Ausstellung vermittelt eindrucksvoll, dass der Islam dem Grunde nach eine absolut friedfertige und tolerante Religion ist. Die ganze Reise war ein großer Erfolg und hat ganz viele positive Eindrücke hinterlassen.“

Bericcht und Foto: Bayerisches Europaministerium – Staatsminister Beißwenger in Kasachstan und Usbekistan 

 



Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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