Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hat im Agrarausschuss des Bayerischen Landtags den 27. Bayerischen Agrarbericht vorgestellt. Der Bericht zeichnet ein umfassendes Bild der wirtschaftlichen, strukturellen und ökologischen Entwicklung der bayerischen Landwirtschaft.
„Der neue Agrarbericht zeigt zwei Punkte sehr deutlich: Unsere bayerische Landwirtschaft ist wirtschaftlich leistungsfähig, vielfältig und bereit, in ihre Zukunft zu investieren. Gleichzeitig dürfen wir nicht übersehen, dass der Strukturwandel weitergeht und gerade die Tierhaltung erheblich unter Druck steht. Deshalb müssen wir alles daransetzen, unseren bäuerlichen Familienbetrieben langfristig Perspektive und Planungssicherheit zu geben“, betonte die Ministerin. Die Bayerische Staatsregierung legt den Bayerischen Agrarbericht im zweijährigen Turnus vor. Er ist das umfassendste Informationswerk zur Lage der Landwirtschaft in Bayern sowie zur bayerischen Agrarpolitik.
Bayern bleibt Land der bäuerlichen Familienbetriebe
Mit rund 98.000 landwirtschaftlichen Betrieben und einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von rund 3,1 Millionen Hektar verfügt Bayern weiterhin über eine vielfältige und flächendeckende Agrarstruktur. Fast jeder dritte landwirtschaftliche Betrieb Deutschlands liegt im Freistaat. Mit durchschnittlich 31,6 Hektar sind die bayerischen Betriebe nicht einmal halb so groß wie im Bundesdurchschnitt. Rund 64 Prozent werden im Nebenerwerb geführt. “Bayern zeigt, dass Landwirtschaft viele Wege kennt. Wachstum kann nicht nur über Fläche erfolgen, sondern genauso über höhere Wertschöpfung, Direktvermarktung, Urlaub auf dem Bauernhof, erneuerbare Energien oder andere zusätzliche Standbeine. Genau diese Vielfalt wollen wir erhalten. Sie macht unsere Landwirtschaft widerstandsfähig und unsere ländlichen Räume stark”, so Kaniber.
Gleichzeitig setzt sich der Strukturwandel fort. Zwischen 2023 und 2025 sank die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe um rund 2.600. Das entspricht einem jährlichen Rückgang von rund 1,3 Prozent. Auf lange Sicht befindet sich der Strukturwandel in Bayern auf einem konstant niedrigen Niveau. Und das, obwohl der Druck auf die Betriebe durch gesellschaftliche Erwartungen, klimatische Veränderungen und stark gestiegene Kosten hoch ist. Der Handlungsdruck wirkt dabei auf die kleiner strukturierte bayerische Landwirtschaft deutlich stärker als auf die größeren Betriebe im bundesdeutschen Vergleich. Dass der Strukturwandel in Bayern dennoch dem bundesweiten Schnitt entspricht, zeigt den großen Erfolg der bayerischen Agrarpolitik und ist der Beweis, dass die richtigen Themenfelder adressiert werden.
Betriebe investieren in ihre Zukunft
Laut Bericht entwickelt sich die wirtschaftliche Lage der Haupterwerbsbetriebe im ausgewerteten Zeitraum positiv: Im Wirtschaftsjahr 2024/2025 erreichten sie einen durchschnittlichen Gewinn von rund 85.100 Euro je Unternehmen. Das sind rund 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Insbesondere die tierhaltenden Betriebe profitierten von einer günstigeren Erlössituation. Auch die Investitionsbereitschaft ist weiterhin hoch. Allein im Agrarinvestitionsförderprogramm wurden 2024 und 2025 Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von mehr als 350 Millionen Euro bewilligt. Rund 72 Prozent davon entfielen auf die Milchviehhaltung. Kaniber: „Unsere Betriebe wollen investieren und ihre Höfe weiterentwickeln. Das ist ein starkes Signal. Wer einen Stall baut oder einen Hof übernimmt, denkt nicht in Legislaturperioden, sondern in Generationen. Genau deshalb braucht Landwirtschaft verlässliche Rahmenbedingungen.”
Weiter starke Veränderungen bei der Tierhaltung
Ein besonderes Augenmerk richtet der Agrarbericht auf die weitere Entwicklung der Nutztierhaltung, die ein Sorgenkind bleibt. Denn zwischen 2023 und 2025 sank der bayerische Rinderbestand um rund 91.000 Tiere beziehungsweise 3,3 Prozent. Auch bei den Milchviehhaltern setzt sich der Rückgang fort. In der Schweinehaltung verringerte sich der Tierbestand insgesamt um 9.600 Tiere. „Strukturwandel gehört zur Landwirtschaft. Politik kann und sollte nicht jede Veränderung verhindern. Aber wenn ganze Betriebszweige deutlich schneller wegbrechen, müssen wir genau hinschauen. Unser Ziel muss sein, dass kein zukunftsfähiger Betrieb aufgibt, weil Bürokratie, fehlende Planungssicherheit oder ständig wechselnde Vorgaben eine Weiterentwicklung verhindern“, erklärte Kaniber. Für die Ministerin folgt daraus vor allem die Notwendigkeit langfristiger verlässlicher Rahmenbedingungen für die Tierhaltung. Investitionen in mehr Tierwohl müssten sich für die Betriebe auch wirtschaftlich tragen und dürften nicht durch nachträglich veränderte Anforderungen entwertet werden.
Freiwilligkeit beim Umwelt- und Ressourcenschutz
Eine starke Beteiligung verzeichnet Bayern weiterhin bei freiwilligen Agrarumweltmaßnahmen. Mehr als 60.000 Neu- beziehungsweise Wiederantragsteller, und damit in Summe mehr als jeder zweite Landwirt in Bayern, nehmen am Kulturlandschaftsprogramm teil. Allein 2025 wurden rund 286 Millionen Euro über das KULAP ausgezahlt. “Unsere Bäuerinnen und Bauern zeigen jeden Tag, dass Landwirtschaft und der Schutz unserer natürlichen Ressourcen zusammengehören. Bayern setzt deshalb weiter auf Kooperation und honoriert freiwillige Leistungen. Wer etwas für Boden, Wasser, Klima und Artenvielfalt leistet, muss dafür auch einen wirtschaftlichen Ausgleich erhalten”, sagte Kaniber.
Landwirtschaft ist Wirtschaftskraft
Der Bericht verdeutlicht, dass die Bedeutung der Landwirtschaft weit über die landwirtschaftlichen Betriebe hinausreicht: Das gesamte bayerische Agribusiness erzielte im Jahr 2024 einen Umsatz von rund 182 Milliarden Euro. Es sicherte rund 942.000 Arbeitsplätze entlang der Wertschöpfungskette. Allein das bayerische Ernährungsgewerbe erwirtschaftete 2024 rund 51,6 Milliarden Euro Umsatz und bot rund 272.000 Beschäftigten Arbeit. Zusätzliche Einkommensquellen spielen auf den Höfen eine immer größere Rolle. Rund zwei Drittel der bayerischen Betriebe haben sich bereits mindestens ein zusätzliches Standbein aufgebaut – etwa durch Direktvermarktung, Urlaub auf dem Bauernhof, erneuerbare Energien oder Dienstleistungen. „Unsere Landwirtschaft ist weit mehr als Urproduktion. Sie schafft Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit und hält unsere ländlichen Räume lebendig. Diese Leistung müssen wir im Blick haben, wenn wir über die Zukunft unserer Landwirtschaft sprechen”, so Kaniber.
Planungssicherheit, weniger Bürokratie und Perspektiven für die nächste Generation
Aus den Ergebnissen des Agrarberichts 2026 leitet Kaniber klare Schwerpunkte für ihre Agrarpolitik der kommenden Jahre ab: Bürokratie und Dokumentationspflichten müssten weiter reduziert, Investitionen erleichtert, Energiekosten gesenkt, die Tierhaltung gestärkt und freiwillige Umweltleistungen verlässlich honoriert werden. Gleichzeitig müsse jungen Hofnachfolgern wieder langfristiges Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft der Landwirtschaft gegeben werden „Der Agrarbericht ist für mich weder eine Erfolgsschau noch eine Sammlung von Krisenzahlen. Er zeigt uns sehr konkret, wo wir stehen und wo wir handeln müssen. Bayern hat eine starke Landwirtschaft. Und dennoch: Stärke ist kein Selbstläufer. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere bäuerlichen Familien auch morgen noch sagen können, dass es sich lohnt, einen Hof weiterzuführen und an die nächste Generation zu übergeben.”
Der Bayerische Agrarbericht 2026 steht ausschließlich online unter www.agrarbericht.bayern.de zur Verfügung.
Text: Presse (StMELF) – Foto: Judith Schmidhuber/StMELF – Staatsministerin Michaela Kaniber und Petra Högl (MdL und stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus).




