Wirtschaft

Bahnknotenpunkt Kirchenlaibach

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Zwischen Dampf und Beton  – Großer Zuspruch für Themenabend zur Geschichte des Bahnknotenpunkts Kirchenlaibach

Der Bahnhof Kirchenlaibach prägt seit 150 Jahren die Region – wirtschaftlich, gesellschaftlich und städtebaulich. Ein glänzend besuchter Themenabend von Maximilian Lux zeigte eindrucksvoll, wie sehr Eisenbahngeschichte Identität stiftet und warum ihr Erhalt auch eine Chance für die Zukunft ist.

„Industriedenkmäler sind keine Altlasten, sondern Identität, Geschichte und Chance“, betonte Maximilian Lux gleich zu Beginn seines Vortrags. Der Bahnhof und Eisenbahnknotenpunkt Kirchenlaibach spielt seit mittlerweile 150 Jahren eine zentrale Rolle für die verkehrliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Region – von der Ära der Dampflokomotiven über den Strukturwandel in der Bundesbahnzeit bis hin zu heutigen Fragen moderner Mobilität und Infrastruktur. Als ortsbildprägendes Aushängeschild ist der Bahnhof seit dem 19. Jahrhundert Wirtschaftsfaktor, war jahrzehntelang nordostbayerisches Bahnzentrum und Drehscheibe mehrerer Strecken, Arbeitsplatz für Hunderte von Menschen und prägend für die Entwicklung der Orte Kirchenlaibach und Speichersdorf.

Den Ursprüngen, der Entwicklungsgeschichte und den Zukunftsperspektiven dieses Bahnknotenpunkts widmete sich jüngst ein fundierter Themenabend unter dem Titel „Zwischen Dampf und Beton – Die Geschichte des Bahnknotenpunkts Kirchenlaibach“. Der 35-jährige gebürtige Speichersdorfer Maximilian Lux hatte dazu ins evangelische Gemeindehaus eingeladen – und traf damit den Nerv vieler Menschen. Rund 120 Besucher füllten den Gemeindesaal bis auf den letzten Platz und zeigten eindrucksvoll, wie sehr die Geschichte des Bahnhofs und des ehemaligen Bahnbetriebswerks Kirchenlaibach bis heute bewegt.

Angestoßen durch den ehemaligen Rektor der Weidenberger Volksschule, Reinhard Müller, hatte der Gesundheits- und Krankenpfleger am Klinikum Hohe Warte in Bayreuth im Oktober 2025 das Geschichtsprojekt „Zeitgleis“ ins Leben gerufen, das er am 3. Dezember 2025 als Markenzeichen eintragen ließ. Ziel des Projekts ist die Erforschung, Dokumentation und Bewahrung der Eisenbahngeschichte vor Ort. Lux, seit jeher an Heimat- und Baugeschichte interessiert, verfolgt dabei gemeinsam mit Mitstreitern die Idee, langfristig im Umfeld des Bahnhofs Kirchenlaibach einen „Erinnerungsort“ zu schaffen. Mit Sitzgelegenheiten und digitalen Schautafeln sollen hier industrielle Vergangenheit und heutige Gemeindeentwicklung miteinander verbunden werden. Historische Relikte sollen sichtbar, greifbar und verständlich gemacht werden – insbesondere das verschwundene Bahnbetriebswerk mit seinen zahlreichen Gebäuden und den vielen Menschen, die dort einst Arbeit fanden. Wie ein solcher Erinnerungsort aussehen könnte, skizzierte Lux beispielhaft mit einer KI-generierten Illustration, die unter anderem die abgetragene, denkmalgeschützte klassizistische Gleisüberdachung von Gleis 1, ein Lokrad auf dem Bahnhofsvorplatz sowie historische Informationstafeln zeigte.

Zusammen mit der Gemeinde sollen im Zuge des Integrierten Städebaulichen Entwicklungskonzept dann auch Ideen entwickelt werden, wie das Bahnhofsumfeld künftig aussehen könnte, so Bürgermeister Christian Porsch, nachdem die Bahn 12 Millionen in den barrierefreien Ausbau von Kirchenlaibach und vier Millionen in den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Haidenaab-Göppmannsbühl investiert habe. Auf der Bahnsüdseite sei die ehemalige Gaststätte Ruland erworben worden, um auch einen attraktiven Einstieg von Südseite her zu schaffen.

Binnen kurzer Zeit gewann das Projekt zahlreiche Unterstützer, die historische Unterlagen zusammentrugen, Material sammelten und Zeitzeugenberichte sicherten. Eine eigens gegründete Facebook-Gruppe (https://www.facebook.com/groups/1644400346519858 ) zählt inzwischen rund 200 Mitglieder. Dort werden historische Fotos und Videos, Erinnerungen, Geschichten und Anekdoten geteilt – mit wachsender Resonanz. Wie in der anschließenden Diskussion deutlich wurde, besteht zudem großes Interesse an alten Bauplänen sowie an den Biografien der Bahnbediensteten. Maximilian Lux hat hierfür die E-Mail-Adresse bwkirchenlaibach@gmail.com eingerichtet, über die weiteres Material eingereicht werden kann. Um das Projekt langfristig auf stabile Beine zu stellen, bereitet Lux derzeit zudem die Gründung eines Vereins vor. Noch im Laufe dieses Jahres soll außerdem eine eigene Website entstehen, um die Inhalte auch jenen zugänglich zu machen, die nicht in sozialen Medien aktiv sind.

Wie dynamisch sich „Zeitgleis“ entwickelt hat, zeigte eindrucksvoll der Vortragsabend selbst. Lux nahm seine Zuhörer mit auf eine dokumentarische Zeitreise von den Anfängen vor 150 Jahren bis zum heutigen Bahnhof – modern, funktional, minimalistisch und betonlastig. Im Mittelpunkt stand dabei insbesondere der Aufstieg, Wandel und schließlich das Verschwinden des Bahnbetriebswerks Kirchenlaibach. Mit akribisch recherchierten Zahlen, Fakten sowie seltenen historischen Aufnahmen und Plänen zeichnete Lux die Entwicklung des Eisenbahnknotens nach und spannte den Bogen von der klassischen Eisenbahnära bis zu den baulichen und funktionalen Veränderungen der Gegenwart.

Die Reise begann mit der Eröffnung der eingleisigen Ostbahnstrecke Weiden – Bayreuth und des ersten Bahnhofsgebäudes im Jahr 1863, führte über den Bau der Fichtelgebirgsbahn Schnabelwaid–Marktredwitz 1878 und die Entwicklung zum Eisenbahnknotenpunkt auf der Achse Paris–Prag bis hin zum Übergang von der Länderbahn zur Reichsbahn. Lux beleuchtete die Arbeit unter Kriegsbedingungen, den Wiederaufbau, den Weg in die Deutsche Bundesbahn und schließlich in die Deutsche Bahn AG. Historische Fotografien zeigten die Bahnarchitektur, das Empfangsgebäude, Versorgungsanlagen, das zwischen 1900 und 1910 stark expandierte Bahnbetriebswerk sowie die Wohnanlagen für Bahnbedienstete. Zu sehen waren unter anderem die 1879 in Kirchenlaibach stationierte Lok „Armin“, die hier beheimatete 50er-Dampflokreihe, die Nürnberger 44er-Dampfloks, Drehscheibe, Freistände und Wasserkräne. Am 12. April 1974 schlug schließlich die letzte Stunde des Dampfbetriebs und des Bahnbetriebswerks.

Kritisch setzte sich Lux mit dem jahrzehntelangen Rückbau des einst bedeutenden Betriebswerks auseinander. Ohne langfristiges Nutzungskonzept seien große Teile abgetragen worden, während andernorts Industriedenkmäler gesichert oder einer neuen Nutzung zugeführt wurden. In Kirchenlaibach habe es an Zeit, Perspektive und politischem Willen gefehlt. Was heute noch existiere, habe oft nur durch Zufall, private Initiative oder wirtschaftliche Zwänge überlebt. Die Folgen seien belastete Böden, Altlasten und eine komplexe Eigentumssituation, die eine Nachnutzung erschwerten.

Zum Abschluss klärte Lux eine oft gestellte Frage: Warum trägt der Bahnhof den Namen Kirchenlaibach und nicht Speichersdorf? Die ursprüngliche Lage habe zufällig auf Kirchenlaibacher Grund direkt an der Ostbahn gelegen. Zudem seien die Einwohnerzahlen in Kirchenlaibach damals geringfügig höher gewesen. Obwohl später Empfangsgebäude und Bahnbetriebswerk auf Speichersdorfer Gebiet entstanden, sei der Name Kirchenlaibach in Fahrplänen und Dokumenten bereits so fest verankert gewesen, dass eine Umbenennung wohl zu aufwendig und teuer erschien.

Der langanhaltende Applaus und die zahlreichen Gespräche im Anschluss zeigten, wie groß das Interesse am Projekt ist. „Der Abend hat uns einmal mehr gezeigt, was Zeitgleis wirklich bedeutet: Gemeinschaft, Erinnerung und Zukunft zugleich“, Maximilian Lux noch am selben Abend dankbar. Es sei wichtig, sich zu erinnern, auszutauschen und lokale Geschichte gemeinsam lebendig zu halten – nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für kommende Generationen. Und eines stellte Lux klar: Dieser Abend war ganz sicher nicht der letzte seiner Art.

Bericht und Fotos: Wolfgang Hübner



Redaktion

Toni Hötzelsperger

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!