Vor einem Jahr waren erstmals einzelne Exemplare der Asiatischen Hornisse in Oberbayern gesichtet worden. Jetzt hat die Fachberatung für Imkerei des Bezirks Oberbayern zusammen mit weiteren Bienen-Fachleuten das erste Nest der invasiven Art aufgespürt – in einem Gebäude nahe der Münchner Theresienwiese. Das Nest soll möglichst bald entfernt werden, um die weitere Ausbreitung der für Honigbienen gefährlichen Art einzudämmen.
Mehrere Sichtungen einzelner Tiere südlich und südöstlich der Theresienwiese hatten Hinweise auf ein Nest geliefert. Rund 20 Fachleute sowie ehrenamtliche Imkerinnen und Imker machten sich deshalb vor wenigen Tagen auf die Suche. Mit dabei waren Christian Altenburger, stellvertretender Leiter der Fachberatung für Imkerei des Bezirks Oberbayern, Ronald Jäger von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), Anke Spengler vom Bienenzuchtverein München und Umgebung sowie vom Kreisverband Imker München Stadt und Land und Gabriele Hölzl-Tsopanides vom Münchner Bezirksbienenzuchtverein.
Um den Hornissen auf die Spur zu kommen, wurden im betroffenen Gebiet sogenannte Locktöpfe mit einer süßlichen Flüssigkeit aufgestellt, die regelmäßig von Asiatischen Hornissen angeflogen wurden – so auch am betreffenden Tag. Zwei Hornissen wurden eingefangen und mit Telemetrie-Sendern ausgestattet: winzige Ortungsgeräte, mit denen die Insekten auf ihrem Rückflug zum Nest verfolgt werden konnten. Mit Erfolg: Schon eine halbe Stunde nach dem Abflug eines der Tiere konnten die Hornissen-Jägerinnen und -Jäger den Standort aufspüren. Das Nest befindet sich im Dach eines Gebäudes im Umfeld der Theresienwiese. Die Hausverwaltung wurde informiert und organisiert nun die fachgerechte Entfernung.
Der Zeitpunkt spielt dabei eine wichtige Rolle. Im Herbst entwickeln sich in den Nestern Jungköniginnen, die nach der Begattung überwintern und im kommenden Frühjahr neue Völker gründen können. Ein voll entwickeltes Nest kann im Herbst rund 350 Jungköniginnen hervorbringen. Allerdings überlebt nur ein Teil davon den Winter und gründet tatsächlich ein neues Volk. „Mit jedem Nest, das wir rechtzeitig entdecken und entfernen, können wir die weitere Ausbreitung der Asiatischen Hornisse bremsen. Dafür sind wir auf die Aufmerksamkeit der Bevölkerung und die enge Zusammenarbeit mit den Imkerinnen und Imkern angewiesen“, sagt Christian Altenburger von der Fachberatung für Imkerei des Bezirks Oberbayern.
Die ursprünglich aus Südostasien stammende Asiatische Hornisse (Vespa velutina) wurde 2004 nach Europa eingeschleppt und hat sich seither weiter ausgebreitet. In Oberbayern war sie erstmals im Herbst 2025 in Schrobenhausen gesichtet worden. Die Hornissen ernähren sich von anderen Insekten, darunter Honigbienen, und können dadurch Bienenvölker schwächen.
Die Fachberatung für Imkerei des Bezirks Oberbayern bittet die Bevölkerung, weitere Sichtungen der Asiatischen Hornisse über das bayernweite Meldeportal Bee-Warned zu melden, möglichst mit Foto und Fundort. Die Tiere sind an ihrem überwiegend dunklen Körper, einem orangefarbenen Band am Hinterleib und den auffällig gelben Beinen zu erkennen. Menschen gegenüber sind sie in der Regel nicht aggressiv – solange sie nicht gestört werden. Wer ein Nest entdeckt, sollte deshalb keinesfalls versuchen, es selbst zu entfernen.
Bericht: Bezirk Oberbayern – Bildquelle: Bezirk Oberbayern, Christian Altenburger






