Was einst als Ergänzung zur Vereinsarbeit begann, ist längst eine feste Größe in der regionalen Brauchtumspflege: Der Trachtenverein Alt Rosenheim legt 2026 bereits zum fünften Mal sein offenes Kursprogramm vor. Tanzen, Platteln und Goaßlschnalzen stehen auf dem Programm – für Einheimische, Neugierige und alle, die bayerische Tradition aktiv erleben wollen.
Die anhaltend hohe Nachfrage zeigt: Gelebtes Brauchtum ist gefragt. Besonders der Volkstanz hat sich bewährt. Seit über 15 Jahren gehören der Volkstanzkurs und der alpenländische Kathreintanz fest zum Jahreslauf. Warum das Angebot so erfolgreich ist, erklärt der zweite Vorstand Daniel Ertl im Gespräch.
„Unser Kursprogramm ist selbst zur Tradition geworden“
„Viele Teilnehmer kommen über Jahre hinweg wieder oder bleiben dem Verein dauerhaft verbunden“, sagt Ertl. „Brauchtum lebt vom Mitmachen – ohne Leistungsdruck, generationenübergreifend und mit Freude.“ Genau darin liege der Erfolg: Die Kurse senken Hemmschwellen und öffnen den Trachtenverein für neue Zielgruppen.
Entstanden ist das Programm aus einer Idee im Jahr 2019. Ziel war es, Tänze und Bräuche stärker in die Stadtgesellschaft zu tragen. Die Corona-Pandemie verzögerte den Start, gab dem Verein aber Zeit, das Konzept weiterzuentwickeln. 2021 ging das Kursprogramm schließlich an den Start – mit nachhaltiger Wirkung.
Auftakt mit Boarisch-Tanzen
Los geht es im April 2026 mit dem Kurs „Boarisch-Tanzen“. An drei Abenden lernen die Teilnehmenden im Stadtjugendring Rosenheim Grundtänze wie Walzer, Polka, Landler und Boarischer. Besonders beliebt ist der Kurs auch bei Brautpaaren: Immer mehr Hochzeiten werden wieder bayerisch gefeiert – und traditionelle Tänze gehören dazu.
Platteln – Einstieg jederzeit möglich
Ab Mai folgt der Plattlerkurs für Quereinsteiger, ebenfalls im Stadtjugendring. „Der Einstieg ist in jedem Alter möglich“, betont Ertl. Ein Beispiel aus der Praxis: Der älteste Teilnehmer begann mit 63 Jahren – und plattelt bis heute aktiv mit. Eine Lederhose wird empfohlen, ist aber keine Voraussetzung.
Goaßlschnalzen – offen für alle
Im Herbst steht das Goaßlschnalzen auf dem Programm. Der Kurs für Anfänger und Fortgeschrittene findet in der Mittelschule Fürstätt statt. Besonders erfreulich: Der Frauenanteil wächst. „Brauchtum muss man auch modern denken“, so Ertl. „Schnalzen war historisch ein Warnsignal – und wurde ebenso von Frauen genutzt.“ Eine eigene Frauen-Schnalzergruppe sei durchaus vorstellbar.
Krönender Abschluss mit Kathreintanz
Den feierlichen Abschluss bildet der Volkstanzkurs mit anschließendem Kathreintanz im Gasthof Höhensteiger. Geleitet von den erfahrenen Tanzmeistern Hans Löw und Ulli Berchtold, werden hier klassische Volkstänze und die Münchner Française gepflegt. Mit Kathrein endet traditionell die Tanzzeit – bis an „Stephani“, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, wieder aufgespielt wird.
Mitmachen ausdrücklich erwünscht
Ertls Fazit: „Unsere Kurse sind eine Einladung, Brauchtum aktiv zu erleben und Teil einer lebendigen Gemeinschaft zu werden.“ Alter, Geschlecht oder Vorkenntnisse spielen keine Rolle – entscheidend sei allein die Freude an Musik, Bewegung und Tradition.
Bericht und Foto: Trachtenverein Alt-Rosenheim / Daniel Ertl





