Bei der Herbstausfahrt des Ford Model T Alpenchapter wurde der Dorfplatz zur Kulisse für automobile Geschichte – und für einige ausgesprochen menschliche Momente.
Samerberg/Törwang. Wer am Samstagmittag durch Törwang ging, konnte für einen Augenblick am Kalender zweifeln. Vor dem Schusterhäusl parkte ein dunkelrotes Automobil, entlang der Straße standen historische Ford, und zwischen Kirche, Maibaum und Gasthof glänzten Messingkühler und große Scheinwerfer. Auf dem Kopfsteinpflaster schien die Gegenwart ein Stück zurückzutreten.

Historische Automobile auf dem Kopfsteinpflaster, der Maibaum mittendrin und gut gelaunte Gäste am Lenkrad: Auf unserem Dorfplatz konnte man heute für einen Moment glatt das Jahrhundert verwechseln.
Die vertraute Dorfkulisse machte den Eindruck einer Zeitreise beinahe vollkommen. Zu den hölzernen Balkonen, bemalten Fassaden und herbstlichen Bäumen gesellten sich Fahrzeuge, die hier wirkten, als hätten sie schon immer dazugehört. Erst die heutigen Kennzeichen und die Kleidung ihrer Insassen holten den Betrachter zuverlässig zurück ins Jahr 2026.
Zu Gast waren die Teilnehmer der Herbstausfahrt des Ford Model T Alpenchapter e.V. Ihre gemeinsame Leidenschaft gilt der „Tin Lizzie“, wie das Ford Model T auch genannt wird. Der Verein verbindet Menschen unterschiedlicher Lebenswege, die Freude an diesen Fahrzeugen und ihrer Erhaltung haben.

Automobile Geschichte vor historischer Dorfkulisse: Ein dunkelroter Ford Model T und ein offener Tourenwagen vor dem Schusterhäusl in Törwang. Die Herbstausfahrt führte die Teilnehmer zur Mittagspause auf den Samerberg.
Familie Alexander Hörterer aus Gstadt am Chiemsee organisierte das Ausfahrtswochenende vom 16. bis 18. Oktober. Am Samstag, 17. Oktober, begann das Programm um 9.15 Uhr mit einer Fahrerbesprechung an Hörterers Garage in Gstadt. Die anschließende Rundfahrt führte über 130 Kilometer rund um den Chiemsee und über den Samerberg. Mittags trafen sich die Teilnehmer zum gemeinsamen Essen im Gasthof Hotel zur Post in Törwang.
Für das Dorf bedeutete diese Pause eine Gelegenheit, die Wagen aus der Nähe zu betrachten. Offene und geschlossene Aufbauten, unterschiedliche Farben, hölzerne Speichen und filigrane Verstrebungen machten jeden Blickwinkel interessant. Besonders reizvoll war aber das Leben zwischen all den gepflegten Karosserien.

Eine Fahrzeugreihe wie aus einer anderen Zeit: Während der gemeinsamen Einkehr in Törwang boten die historischen Ford entlang der Dorfstraße einen besonderen Anblick.
Vor dem Lebensmittelladen hatte ein Fahrer seinen offenen Wagen kurzerhand zum Ruheplatz erklärt. Den Kopf zurückgelegt, einen Fuß über den Rand gestreckt, lag er auf der Sitzbank. Die rote Kappe und der lange rote Schal setzten die passenden Farbakzente. Darüber verkündete das Ladenschild „nah & gut“. Viel treffender hätte sich die Szene kaum beschreiben lassen.

Andernorts zeigte sich, welche Reiseausstattung eine offene Fahrt im Oktober angenehm macht. Eine Mitfahrerin hatte ein Kissen vor sich und eine Decke auf dem Schoß. Mützen und Schals gehörten ebenso zum Bild wie historische Fahrerbrillen. Ihr Begleiter mit Lederhaube und markantem Schnurrbart blickte gelassen in die Kamera. Zwei weitere Teilnehmer hatten weiße Overalls und Schiebermützen gewählt – auch neben einem gelben Oldtimer ein auffälliges Gespann.

Passend gekleidet zur Ausfahrt: Mit weißen Overalls und Schiebermützen setzen diese beiden Teilnehmer neben dem gelben Ford Model T einen eigenen Akzent.
Die Bilder erzählen von der Freude, mit alter Technik unterwegs zu sein. Dazu gehörten ein Lachen über die Windschutzscheibe hinweg, erhobene Hände zum Gruß und Zeit, es sich während einer Pause bequem zu machen.
Später saß auch der rastende Fahrer wieder aufrecht am Lenkrad. Seine Frau hatte neben ihm Platz genommen und hielt eine aufgefaltete Karte bereit. Die Fahrt konnte weitergehen. Nach und nach verließen die historischen Automobile die Dorfkulisse und waren wieder auf den Straßen des Samerbergs unterwegs.

Gemeinsam durch den Chiemgauer Herbst: Die historischen Ford unterwegs auf der 130 Kilometer langen Samstagsrunde, die rund um den Chiemsee und über den Samerberg führte.
Am Abend folgten die Vereinsversammlung und ein gemütliches Beisammensein im Gasthof Unterwirt in Eggstätt. In Törwang blieben die Eindrücke einer Mittagspause, die dem Dorf für eine Weile ein anderes Gesicht gegeben hatte. Oder vielleicht auch ein vertrautes Gesicht aus einer längst vergangenen Zeit.
Text und Fotos: Rainer Nitzsche




