900 Bürgerinnen und Bürger verwandeln den Sportplatz in die Welt des „Königs der Löwen“ und gewinnen die Dorfhelden-Wette

Neubeuern – Wer am Montagnachmittag über den Neubeurer Sportplatz ging und weder Fell, Federn noch schwarze Streifen im Gesicht trug, fiel beinahe unangenehm auf. Löwen, Zebras, Giraffen, Affen und Hyänen hatten das Gelände übernommen. Sogar ein Dinosaurier war offenbar falsch abgebogen und in der Savanne gelandet.
Der Grund für diese ungewöhnliche Artenvielfalt war die Dorfheldentour 2026. Bei der Mitmachaktion der bayerischen Lokalfernsehsender und des Energieunternehmens Bayernwerk müssen Gemeinden innerhalb von vier Stunden eine überraschende Aufgabe bewältigen. Neubeuern bekam das Motto „Der König der Löwen“ gestellt und nahm die Herausforderung ausgesprochen wörtlich.

Noch bevor die ersten Tiere durch das „Geweihte Land“ zogen, herrschte an den Schminkstationen Hochbetrieb. Mit Pinseln, Farben und einer bemerkenswert ruhigen Hand entstanden schwarze Schnauzen, lange Schnurrhaare, funkelnde Zebramuster und eindrucksvolle Löwengesichter. Kinder warteten geduldig auf ihre Verwandlung, Erwachsene ebenso. Selbst Brillenträger wurden kurzerhand zu Zebras, und mancher entdeckte unter einer Schicht Farbe eine bislang unbekannte Raubkatze in sich.

Königlicher Einsatz und tierische Begeisterung: Neubeuern verwandelt sich für die „Dorfheldentour“ in die Savanne

Vom Bürgermeister zum weisen Affen: Für die Dorfheldentour ließ sich Christoph Schneider in eine Figur aus dem „König der Löwen“ verwandeln. Mit auffälliger Gesichtsbemalung und hölzernem Stab war er bereit für seinen großen Auftritt auf dem Neubeurer Königsfelsen.

Mit bestem Beispiel voran ging dabei Neubeuerns Erster Bürgermeister Christoph Schneider. Für den Erfolg der Dorfwette scheute das Gemeindeoberhaupt keinen Aufwand und bewies vollen Körpereinsatz sowie jede Menge Humor: Er ließ sich in eine der ikonischsten Figuren der Filmgeschichte verwandeln. Mit kunstvoller und farbenprächtiger Gesichtsbemalung sowie dem charakteristischen Holzstab in der Hand schlüpfte Schneider in die Rolle des weisen Mandrills „Rafiki“. Foto: Gemeinde Neubeuern

Auch Bürgermeister Christoph Schneider blieb von der Verwandlungswelle nicht verschont. Noch am Vormittag war er als ordentlich gekleidetes Gemeindeoberhaupt zu erkennen gewesen. Wenig später blickte er mit blau-weißer Gesichtsbemalung, roter Nase und hölzernem Stab in die Kamera. Aus dem Bürgermeister war der weise Affe vom Königsfelsen geworden. Der Terminplan eines Rathauschefs sieht schließlich nicht jeden Tag die feierliche Taufe eines Löwenbabys vor.


Während Schneider auf seinen großen Auftritt vorbereitet wurde, verwandelte sich der Sportplatz in eine erstaunliche afrikanische Landschaft. Auf dem Gelände entstanden das „Geweihte Land“ mit Gräsern, Affenbrotbäumen und Wasserlöchern, eine Schlucht für die vorbeiziehende Gnu-Herde, ein düsterer Elefantenfriedhof mit hinterlistigen Hyänen und ein Dschungel samt mindestens vier Meter hohem Wasserfall.


Auch Timon und Pumba durften in dieser Tiergesellschaft nicht fehlen. Zazu flog in Menschengröße über die Menge, während der Musikverein mit „Circle of Life“ für den passenden Klang und bei vielen Zuschauern für Gänsehaut sorgte.
Zum Höhepunkt thronte Christoph Schneider als weiser Affe auf dem prachtvollen Königsfelsen. Vor der versammelten Tierwelt hob er ein Löwenbaby empor und vollzog jene berühmte Szene, die wohl jeder im Publikum sofort erkannte. Spätestens in diesem Moment war der Neubeurer Sportplatz keine Sportanlage mehr, sondern eine Savanne vor majestätischer Kulisse.


Rund 900 Neubeurerinnen und Neubeurer waren dem Aufruf gefolgt. Sie kamen als Löwen, Elefanten, Giraffen, Zebras, Hyänen, Vögel und Affen. Manche Kostüme waren aufwendig gestaltet, andere mit einfachen Mitteln improvisiert. Entscheidend war ohnehin nicht die zoologische Genauigkeit, sondern dass möglichst viele gemeinsam mitmachten.

Foto: Gemeinde Neubeuern

Die Wette wurde eindrucksvoll bestanden. Damit sicherte sich Neubeuern 3000 Euro für einen gemeinnützigen Zweck in der Marktgemeinde. Vor allem aber bewies der Ort, dass Zusammenhalt nicht immer ernst aussehen muss. Manchmal trägt er Löwenmähne, Zebrastriche oder eine rote Affen-Nase.
Am Ende kehrten die Tiere langsam wieder in ihre menschliche Gestalt zurück. Die Farbe ließ sich abwaschen, die Kostüme wurden abgelegt und der Sportplatz wurde wieder zum Sportplatz. Was blieb, war die Erinnerung an einen Nachmittag, an dem ein ganzes Dorf gemeinsam aus der Rolle fiel und gerade dadurch zum Dorfhelden wurde.

Fotos & Beitrag: Rainer Nitzsche

 


Redaktion

Rainer Nitzsche

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Als Reportage-Fotograf möchte ich mit wenigen Bildern wiedergeben, was als geschriebener Text vielleicht Bände füllen würde. Es geht um Ereignisberichte in Bildern. Es gilt, schrittweise und in den richtigen Momenten Entwicklung und Ablauf von Ereignissen festzuhalten, die schließlich in einem Höhepunkt gipfeln. Das bedeutet, meine Fotografien sind sehr oft weniger formell und zeigen den Charakter der Menschen eher in einer pose-freien, authentischen Weise, die nicht inszeniert ist.
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