Kultur

 Buchtipp:   Andrew Miller, Das Land im Winter

Veröffentlicht von Günther Freund
Zwei junge Paare im ländlichen England der Nachkriegszeit versuchen, aus ihrem bisherigen Leben auszubrechen.
England im Winter 1962/63: Ein historischer Kälteeinbruch lässt das Land unter einer dicken Schneedecke versinken. In dieser unwirtlichen Zeit leben der Landarzt Dr. Eric Parry mit seiner Frau Irene sowie Bill Simmons, ein Neu-Farmer, mit seiner Frau Rita am Rand eines kleinen Ortes. Beide Paare sind erst vor Kurzem aufs Land gezogen, fühlen sich dort aber noch nicht richtig zugehörig. Zudem erwarten beide Frauen ihr erstes Kind. Irene vermisst ihre Familie und das Leben in London und leidet unter der Untreue ihres Mannes. Eric hat eine Affäre mit einer verheirateten Frau. Gleichzeitig belasten ihn die Entfremdung von Irene und die Schuldgefühle wegen eines schwerwiegenden ärztlichen Fehlers, den er begangen hat. Bill, ein gescheiterter Oxford-Student, fremdelt mit seiner neuen Rolle als Farmer. Der überstürzte Kauf eines Milchbauernhofs erweist sich als folgenschwere Entscheidung, denn von Landwirtschaft versteht er wenig. Trotzdem träumt er davon, seinen Betrieb zu erweitern, und bemüht sich bei den Banken um Kredite. Rita, die früher als Tänzerin in einem Club in Bristol gearbeitet hat, fühlt sich ebenfalls am falschen Ort. Zudem fürchtet sie, der bevorstehenden Mutterschaft nicht gewachsen zu sein. Als heftige Schneefälle und extreme Kälte die Menschen zeitweise von der Außenwelt abschneiden, verschärfen sich die wirtschaftlichen Sorgen und die ehelichen Konflikte der beiden Paare dramatisch.
Andrew Miller zeichnet in seinem überzeugenden Roman den Mikrokosmos eines ländlichen Ortes im gesellschaftlichen Wandel der frühen 1960er Jahre. Der lange und strenge Winter bildet dabei die eindrucksvolle Kulisse. Mit großer Sensibilität führt der Autor seine Leser in die Gedanken- und Gefühlswelt der beiden unterschiedlichen Paare und erzählt atmosphärisch dicht von Liebe, Einsamkeit, enttäuschten Hoffnungen, Schuldgefühlen und persönlichen Krisen. Eine unspektakuläre, aber anspruchsvolle Geschichte, die lange nachwirkt.
Buchprofile-Rezension von Günther Freund

Roman – Shortlist Booker Prize, Luchterhand Literaturverlag, 2026, Deutsche Erstausgabe, 448 S., 26,00 €

ISBN/EAN: 9783630878232

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Redaktion

Günther Freund

1944 in Bad Reichenhall geboren, Abitur in Bad Reichenhall, nach dem Studium der Geodäsie in München 3 Jahre Referendarzeit in der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung mit Staatsexamen, 12 Jahre Amtsleiterstellverteter am Vermessungsamt Freyung, 3 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Zwiesel und 23 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Freyung (nach Verwaltungsreform mit Vermessungsamt Zwiesel als Aussenstelle). Seit 2009 im Ruhestand, seitdem in Prien am Chiemsee wohnhaft.

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