Das Erntedankfest, das traditionell am ersten Sonntag im Oktober gefeiert wird, erinnert jährlich an die zentrale Bedeutung der Landwirtschaft für die Versorgung der Bevölkerung. Doch 2026 steht es unter dem Eindruck einer schwierigen Vegetationsperiode: Ein mildes, trockenes Frühjahr, gefolgt von Hitzewellen und einer langanhaltenden Trockenphase, setzte den Kulturen spürbar zu.
Laut dem Bayerischen Landesamt für Statistik wird nach den vorläufigen Ergebnissen der „Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung“ eine unterdurchschnittliche Getreide- und Kartoffelernte erwartet. Die Getreideernte wird auf rund 5,6 Millionen Tonnen geschätzt – ein Rückgang von 13,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Kartoffelernte fällt mit voraussichtlich 1,2 Millionen Tonnen sogar um 36,2 Prozent niedriger aus und markiert damit einen deutlichen Einbruch.
Auch die Obsternte zeigt ein belastetes Bild: Die Apfelernte 2026 sinkt auf rund 22 000 Tonnen und liegt damit 33,5 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Auch die Birnenernte muss mit rund 2 700 Tonnen einen Rückgang um 20,1 Prozent zum Vorjahr hinnehmen. Bei den Süßkirschen werden dieses Jahr rund 1 900 Tonnen erwartet – ein Rückgang um 9,4, Prozent. Die Sauerkirschenernte fällt mit rund 300 Tonnen voraussichtlich um 14,8 Prozent geringer aus als im Vorjahr.
Die Weinmosternte wird mit einem leichten Zuwachs von 0,2 Prozent auf rund 387 600 Hektoliter geschätzt.
Fürth. Wie das Fachteam des Bayerischen Landesamtes für Statistik mitteilt, beläuft sich nach den derzeit noch vorläufigen Ergebnissen der diesjährigen „Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung“ die Getreideernte (ohne Körnermais und Corn-Cob-Mix, CCM) auf rund 5,6 Millionen Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr (6,4 Millionen Tonnen) sinkt die Erntemenge um 13,7 Prozent, gegenüber dem Mittelwert der Jahre 2020 bis 2025 (6,2 Millionen Tonnen) um 9,6 Prozent. Nach den bisher ausgewerteten Ertragsmessungen wird ein durchschnittlicher Hektarertrag von 63,3 Dezitonnen (dt/ha) erwartet. Das entspricht einem Rückgang von 11,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr (71,7 dt/ha) und 5,6 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025 (67,1 dt/ha). Die Landwirte sahen sich in diesem Jahr mit markanten Wetterextremen konfrontiert. Das Frühjahr verlief überwiegend mild und trocken, danach dominierten intensive Hitzeperioden und anhaltende Trockenheit die Saison. Die fehlenden Niederschläge beschleunigten die Reife der Bestände deutlich – vielerorts begann die Getreideernte früher als üblich.
Brotgetreide deutlich unter Vorjahresergebnis
Rund 3,4 Millionen Tonnen der Getreideernte entfallen auf das Brotgetreide (Weizen und Roggen). Dies entspricht einem Rückgang von 16,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zum Mittelwert der Jahre 2020 bis 2025 ergibt sich ein Minus von 11,6 Prozent. Die Pro-Kopf-Erzeugung, auf die bayerische Bevölkerung umgerechnet, liegt dieses Jahr bei rund 254 kg Brotgetreide.
Weizen dominiert die Ernte
Mit einem Anteil von rund 96 Prozent wird die Brotgetreideernte in Bayern eindeutig vom Weizen dominiert; der Roggen spielt eine untergeordnete Rolle. Beim Weizen werden Erträge von 66,5 Dezitonnen je Hektar (dt/ha) erwartet. Das entspricht einem Rückgang um 13,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr (76,8 dt/ha) sowie um 9,6 Prozent gegenüber dem langjährigen Mittel der Jahre 2020 bis 2025 (73,5 dt/ha). Die im Jahr 2026 in Bayern erzeugte Weizenmenge liegt den Schätzungen zufolge bei insgesamt rund 3,2 Millionen Tonnen. Damit fällt sie um 16,4 Prozent geringer aus als 2025 (3,9 Millionen Tonnen) und liegt um 11,1 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025 (3,6 Millionen Tonnen).
Kartoffelernte bricht massiv ein
Bayern ist nach Niedersachsen und Nordrein-Westphalen das drittwichtigste Kartoffelanbauland in Deutschland. 2026 haben die bayerischen Landwirte den Schätzungen zufolge 1,2 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. Das entspricht einem Rückgang um 36,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr (1,9 Millionen Tonnen) und 26,4 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025 (1,6 Millionen Tonnen). Der Hektarertrag liegt mit 326,4 dt/ha ebenfalls deutlich unter den Vergleichswerten. Er fällt um 28,7 Prozent geringer aus als 2025 (458,1 dt/ha) und liegt um 21,3 Prozent unter dem Mittelwert der Jahre 2020 bis 2025 (414,7 dt/ha). Rechnerisch kann damit jede im Freistaat lebende Person mit rund 91 Kilogramm (kg) heimischer Kartoffeln versorgt werden.
Apfel- und Birnenernte in Bayern deutlich unter Vorjahres- und Langzeitniveau
Der Verzehr von Obst ist ein zentraler Bestandteil einer gesunden und ausgewogenen Ernährung. Doch die aktuellen Schätzungen der Ernteberichterstatter im Rahmen der Ernte- und Betriebsberichterstattung (EBE) Baumobst zeigen für 2026 ein deutliches Minus. Die Apfelernte fällt mit rund 22 000 Tonnen massiv geringer aus und liegt um 33,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau (33 172 Tonnen). Auch im Vergleich zum Mittelwert der Jahre 2020 bis 2025 (31 915 Tonnen) ergibt sich ein deutlicher Rückgang um 30,9 Prozent. Die Birnenernte bleibt ebenso klar hinter den Erwartungen zurück. Mit rund 2 700 Tonnen liegt sie um 20,1 Prozent unter dem Ergebnis von 2025 (3 331 Tonnen). Gegenüber dem langjährigen Mittel der Jahre 2020 bis 2025 (4 637 Tonnen) beträgt das Minus gar 42,6 Prozent. . Rein rechnerisch entfallen damit auf die bayerische Bevölkerung pro Kopf lediglich rund 1,7 kg Äpfel und 0,2 kg Birnen aus heimischem Anbau.
Auch die Kirschenernte liegt 2026 hinter den Erwartungen
Die diesjährige Kirschenernte wird voraussichtlich insgesamt rund 2 200 Tonnen erreichen und liegt damit um 10,2 Prozent unter dem Vorjahreswert (2 419 Tonnen). Bei den Süßkirschen wird eine Erntemenge von rund 1 900 Tonnen erwartet. Das ist ein Rückgang um 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und liegt um 11,3 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025 (2 094 Tonnen). Für die Sauerkirschen wird eine Erntemenge von voraussichtlich rund 300 Tonnen geschätzt. Gegenüber dem Vorjahrswert mit 370 Tonnen ergibt sich ein Minus in Höhe von 14,8 Prozent. Im Vergleich zum langjährigen Mittel (307 Tonnen) zeigt sich hingegen ein leichter Zuwachs von 2,5 Prozent.
Weinmosternte auf Vorjahresniveau erwartet
Im Jahr 2026 wird in Bayern eine Weinernte von rund 387 600 Hektoliter (hl) Weinmost erwartet. Der durchschnittliche Weinmost-Hektarertrag beläuft sich auf 63,5 hl je Hektar. Damit liegt die erste vorläufige Schätzung der Weinmosternte auf dem Niveau des Vorjahres – es wird mit einer Zunahme um 700 hl bzw. 0,2 Prozent gerechnet. Der Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025 liegt bei rund 380 500 hl Weinmosternte und 61,6 hl Hektarertrag.
Bericht: Bayerisches Landesamt für Statistik – Archiv-Foto: Rainer Nitzsche (Rosenheimer Bauernherbst – Schmankerlstraße)
Hinweise:
Ausführliche Ergebnisse enthalten die Anfang 2027 erscheinenden diversen Statistische Berichte.
„Ernte der Feldfrüchte und des Grünlandes / Totalerhebung 2026“ (Bestellnummer: C2103C 202651)
„Obsternte in Bayern 2026“ (Bestellnummer: C2302C 202600)
„Weinwirtschaft in Bayern 2026“ (Bestellnummer: C25002C 202600)
Die Berichte sind abrufbar als .pdf unter: https://www.statistik.bayern.de/statistik/wirtschaft_handel/landwirtschaft/index.html
Die endgültigen Ergebnisse zur bayerischen Ernte 2026 werden im Februar 2027 vorliegen.




