Erkenntnisse über Ausbreitung im Chiemsee sollen anderen oberbayerischen Seen helfen – Die Quaggamuschel breitet sich weiterhin stark im Chiemsee aus und kann das Ökosystem des Sees nachhaltig verändern. Die Fischereifachberatung des Bezirks Oberbayern will deshalb gemeinsam mit der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und der Fischereigenossenschaft Chiemsee ein wissenschaftliches Monitoring aufbauen. Der Bezirksausschuss hat dafür in seiner Sitzung vom 1. Oktober seine Zustimmung gegeben. Unterstützt wird das Monitoring von der Regierung von Oberbayern, die dafür Fördermittel bereitstellt.
Ziel des Vorhabens ist es, die Entwicklung der Quaggamuschel und ihre Auswirkungen auf den Chiemsee möglichst früh und systematisch zu erfassen – analog zum Bodensee-Monitoring des Schweizer Wasserforschungsinstituts EAWAG, das seit zehn Jahren läuft. Die jetzt beschlossene Förderung schafft zunächst einmal die technischen Voraussetzungen für eine längerfristige Untersuchung. Erforscht werden sollen dann unter anderem die Muscheldichte in verschiedenen Wassertiefen, der Chlorophyllgehalt, der Sauerstoffgehalt und die Auswirkungen auf die Fischbestände. So soll sichtbar werden, wie sich die Ausbreitung der Muschel langfristig auf das Nahrungsnetz und die Gewässerökologie auswirkt. „Es ist in meinen Augen unverzichtbar, unsere Seen so weit wie möglich vor der Quaggamuschel zu schützen. Das Monitoring ist hierfür ein essenzieller Baustein“, erklärt Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger die jetzt beschlossene Maßnahme.
Bedrohung für heimische Fischarten
Die Quaggamuschel wurde in Oberbayern erstmals 2024 im Chiemsee entdeckt. Inzwischen ist sie auch im Starnberger See, im Simssee und mit eDNA-Spuren auch im Ammersee nachgewiesen. Andere ökologisch und wasserwirtschaftlich bedeutsame Seen in Oberbayern sind bislang noch nicht betroffen. Umso wichtiger ist es laut Dr. Bernhard Gum von der Fischereifachberatung des Bezirks Oberbayern, die invasive Muschel frühzeitig zu erkennen und eine weitere Verschleppung in andere Seen zu vermeiden: „Es braucht dringend Messdaten, um die fisch- und gewässerökologischen Veränderungen, die sich im Chiemsee und an anderen Seen durch die explosionsartige Ausbreitung der Muscheln vollziehen, jetzt am Beginn der Invasion noch erfassen und bewerten zu können.“ Die Muschel gelangt vor allem über Boote und andere Ausrüstungsgegenstände von einem Gewässer zum nächsten. Hat sie sich erst einmal in einem großen See ausgebreitet, lässt sie sich – jedenfalls nach heutigem Kenntnisstand – nicht wieder flächendeckend entfernen.
Gestartet werden soll das Monitoring am Chiemsee voraussichtlich Anfang kommenden Jahres – sobald alle nötigen Gerätschaften wie Sedimentgreifer, Winde und Messgeräte angeschafft sind. Außerdem ist geplant, mithilfe von Infotafeln und Flyern die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren, um auf diese Weise eine weitere Ausbreitung der Quaggamuschel zu verhindern.
Text: Bezirk Oberbayern – Bild: Tanja Esser, picture alliance / CHROMORANGE – Kleine Muschel mit fataler Wirkung: die Quaggamuschel




