Kultur

Denkmalerhalt: Bernbeurer Schnitzerstadel

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Aus Abrissgedanken wurde ein Vorzeigeprojekt: Der Schnitzerstadel in Bernbeuren zeigt, wie Denkmalerhalt durch bedarfsgerechte Nutzung und gemeinsame Planung gelingt.

Um 1900 als Ökonomiegebäude und Viehstallung des Gasthofs Schnitzer errichtet, stand der ortsbildprägende Schnitzerstadel in Bernbeuren, Landkreis Weilheim-Schongau, lange Zeit vor einer ungewissen Zukunft. Anfangs war sogar ein Abriss zugunsten eines Neubaus im Gespräch. Nun kehrt Leben in das Baudenkmal zurück: Am 30. September 2026 eröffnet darin ein Supermarkt und stärkt künftig die Nahversorgung in der Ortsmitte.

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) hat die Gemeinde bei der denkmalgerechten Umnutzung des Stadels fachlich beraten und intensiv begleitet. Nach fünf Jahren von der Ideenfindung bis zur Fertigstellung verbindet das erfolgreiche Projekt nun den Erhalt regionaltypischer Baukultur mit konkreten Bedarfen der örtlichen Bevölkerung. Das Anwesen, zu dem auch ein Eiskeller und eine Wagenremise gehören, ist ein wichtiger Teil Bernbeurens und prägt das Erscheinungsbild der Gemeinde am Auerberg mit.

„Ohne Nutzung keine Zukunft. Das ist eine grundlegende Erkenntnis der Denkmalpflege. Der Schnitzerstadel zeigt beispielgebend: Anspruchsvolle, ungeliebte und vom Abriss bedrohte Denkmäler können erfolgreich umgenutzt und weiterentwickelt werden. Dafür braucht es Ideen und Menschen, die an einem Strang ziehen – und am Ende steht hier ein gerettetes Baudenkmal, vor dem Verfall bewahrt, neuer Stolz der Dorfgemeinschaft und als lebendiger Ort in das gesellschaftliche Leben eingebunden“, sagt Prof. Mathias Pfeil, Generalkonservator am BLfD.

Seit dem Erwerb des Schnitzerstadels durch die Gemeinde Bernbeuren im Jahr 2021 begleitete die Task Force Denkmalpflege des BLfD die Entwicklung einer Zukunftsperspektive für das Gebäude. Im Rahmen eines kommunalen Denkmalkonzepts wurden gemeinsam mit den beteiligten Fachleuten, Behörden und Planenden Möglichkeiten für den Erhalt und die künftige Nutzung des Gebäudes entwickelt. Auch die örtliche Bürgerschaft war frühzeitig einbezogen: Rund 150 Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich an Gesprächen zur weiteren Entwicklung des Schnitzerstadels. So konnte der erwogene Abbruch abgewendet, das Baudenkmal erhalten und schließlich neu genutzt werden. Gefördert wurde die Maßnahme aus dem Entschädigungsfonds des Freistaats Bayern.

Der Schnitzerstadel steht beispielhaft für die Arbeit der Task Force Denkmalpflege des BLfD, die 2021 vom Bayerischen Landtag ins Leben gerufen wurde. Die Kernaufgaben der Task Force sind die Entwicklung neuer Rettungsstrategien für gefährdete Baudenkmäler und die Erstellung eines landesweiten Überblicks über das bedrohte bauliche Erbe Bayerns. Derzeit sind etwa 110.000 Baudenkmäler in der Bayerischen Denkmalliste verzeichnet. Für besonders gefährdete Denkmäler gibt es beim BLfD die Task Force Denkmalpflege, die sich diesen Gebäuden mit dem Ziel, sie in eine gute Zukunft zu führen, ausdrücklich widmet.

Unter www.taskforce-denkmal.bayern.de findet sich eine laufend aktualisierte Website, die Leuchtturmprojekte zeigt und Guidelines bietet für Eigentümerinnen und Eigentümer, Kommunen, Verbände und alle, die sich mit dem Erhalt und der Nachnutzung historischer Gebäude befassen. Sie ist gefördert im Rahmen der Förderrichtlinie DATIpilot des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).

Text: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege – Bildquelle: Johannes Ocker ©VG Bild, Bonn 2026


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