Ein außergewöhnliches musikalisches Erlebnis lockte kürzlich Musikbegeisterte in die Bernauer Pfarrkirche. Das renommierte Orgelduo Barbara und Ulrich Theißen Pibernik gastierte an der Schmid-Orgel und zog das Publikum mit seinem Programm „Farbenreiche Orgelmusik zu zwei und vier Händen und Füßen“ in den Bann. Die Kirche war gut besetzt, und die Zuhörer erlebten eine klangliche Vielfalt, die man diesem Instrument so nur selten entlockt.
Wer dachte, Kirchenorgeln stünden nur für schwere, sakrale Klänge, wurde von der ersten Minute an eines Besseren belehrt. Mit Hans-André Stamms mitreißendem Werk „Dancing Pipes“ wirbelten die Töne förmlich durch den Raum und setzten sogleich den dynamischen Grundton für den Abend. Ausgehend von einem synkopierten Thema vermittelte das Stück vor allem ein tänzerisches Gefühl. Eingängige Melodiefragmente wechselten sich mit dem rockenden Hauptthema ab, das die Orgelpfeifen zum Schwingen brachte. Das Duo demonstrierte dabei nicht nur technische Perfektion, sondern auch eine faszinierende Koordination auf engstem Raum an Spieltisch und Pedal.
Wie wandelbar die Schmid-Orgel ist, zeigten auch die modernen Facetten des Programms. Mit „Row the Boat“ und „Breeze Gently“ aus Ad Wammes’ Zyklus „Wave“ zauberten sie beinahe schwebende aber auch gewaltige, moderne Klangteppiche in das Kirchenschiff. Ein klassischer Höhepunkt war die Bearbeitung von Wolfgang Amadeus Mozarts Variationen d-Moll (nach dem Streichquartett KV 421), feinsinnig für die Orgel arrangiert von Jacques van Oortmerssen. Hier zeigte sich die ganze Virtuosität des Duos, das die vielschichtigen Stimmen des Streichquartetts elegant auf die Tastaturen der Orgel übertrug.
Auch die zeitgenössischen Kompositionen „Pour Marie“ von Bastian Fuchs überzeugten durch feine, farbenreiche Registrierungen. Einen tiefen emotionalen Moment bot das Werk „A Prayer for the Peace“ von Antonia Sarcina, das in der traditionellen Harmonik wurzelt und nach den „Frieden“ in klaren Dur-Harmonien strebt, jedoch im Verlauf der Komposition immer wieder „gestört“ wird und somit in der aktuellen Zeit eine ganz besondere Kraft entfaltete. Dass Orgelmusik keineswegs nur streng sein muss, bewiesen die Musiker im zweiten Teil des Abends. Mit den Sätzen „Prrrelude“ und „Cats at play“ aus Denis Bédards humorvoller „Cat Suite“ und Robin Dindas augenzwinkerndem „It’s All about the Dog“ brachten sie eine spielerische Leichtigkeit in das Gotteshaus, die das Publikum sichtlich schmunzeln ließ.
Mit dem schwungvollen „Quick March for Two Organists“ von Horatio William Parker verabschiedeten sich Barbara und Ulrich Theißen Pibernik von den Manualen und Pedalen. Das Werk gilt als eines der frühesten bekannten amerikanischen Orgelduette und ist lebendig, rhythmisch prägnant und spiegelt den unbeschwerten, energischen Geist des jungen Komponisten wider. Das begeisterte Publikum dankte es den beiden Künstlern mit langanhaltendem, stehendem Applaus für einen unvergesslichen und farbenfrohen Konzertabend, mit dem das Doppeljubiläum 1100 Jahre Bernau und 100 Jahre Kirchenneubau St. Laurentius gefeiert wurde.
Bericht: Georg Leidel – Fotos: Leidel / hö – Das Ehepaar Barbara und Ulrich Theißen Pibernik an der Bernauer Schmid-Orgel





