Pilgerwege, Klosterbesuch und stille Momente überzeugen die Jury – Drei Wanderprojekte zeigen, wie sich Geschichte, Spiritualität und Natur auf unterschiedlichen Wegen verbinden lassen. Der Deutsche Wanderverband (DWV) hat sie im Rahmen seiner Mitgliederversammlung während des 123. Deutschen Wandertages in Kurort Oberwiesenthal ausgezeichnet.
Wandern kann mehr sein als Bewegung durch die Landschaft. Es kann zu einem Weg durch Geschichte, Glauben und persönliche Erfahrungen werden. Genau diese Verbindung stand beim Jahreskulturthema 2026 des Deutschen Wanderverbandes unter dem Motto „Pilgern und innere Einkehr“ im Mittelpunkt. Den ersten Platz erhielt der Eggegebirgsverein, Abteilung Kirchborchen, für den „Alten Pilgerweg“. Der 21 Kilometer lange Weg folgt den Spuren eines historischen Handels- und Pilgerweges und verbindet unter anderem die Madonna am Stern, die Kluskapelle Sankt Lucia und die Kapelle zur Hilligen Seele. Zehn Stationen mit besinnlichen Texten geben dem Weg zusätzliche inhaltliche Tiefe. Dafür gab es 500 Euro.
Mit 300 Euro wurde der Werratalverein, Zweigverein Sontra, für einen Pilgertag auf dem Elisabethpfad mit anschließendem Klosterbesuch ausgezeichnet. Die Wanderung vermittelte Geschichte und Bedeutung des Elisabethpfades, griff christliche Symbolik auf und führte zum Kloster Marienheide. Besonders überzeugte die Jury die Möglichkeit, dort mit einer Konventsschwester über die Geschichte des Klosters und das Leben in der Gemeinschaft ins Gespräch zu kommen.
Den dritten Platz und 200 Euro erhielt die Sektion Passau des Bayerischen Waldvereins für eine Pilgerwanderung auf der Via Nova. Gottesdienst, Schweigemeditation, Atemübungen und ein unbeleuchteter Stollen verbanden spirituelle Erfahrungen mit kulturhistorischen Stationen. Dazu gehörten ein Sühnekreuz auf Schloss Wolfstein und der Wallfahrtsort Kreuzberg mit Bründlkapelle und -brunnen.
Ausgezeichnet wurden die Projekte während der Mitgliederversammlung des DWV in Kurort Oberwiesenthal am 25. September von Matthias Löb, Verbandsfachwart für Kultur: “Die Bewerbungen zeigen, dass Kultur nicht neben dem Wandern steht, sondern unterwegs unmittelbar erfahrbar werden kann. Viele Vereine entwickeln dafür eigene Ideen. Der Wettbewerb macht diese Ansätze sichtbar und gibt anderen Vereinen Anregungen für ihre Arbeit.” In die Entscheidung über die Wettbewerbssieger war eine Jury aus Mitgliedern des DWV-Vorstands und Kulturfachwarten der Mitgliedsvereine einbezogen. Maßgeblich waren die Verbindung von Wandern und Kultur, die Vermittlung der Inhalte, Kooperationen, Originalität und die Übertragbarkeit auf andere Vereine.
Dirk Landau, frisch gewählter Präsident des Deutschen Wanderverbandes: “Die ausgezeichneten Projekte zeigen, wie vielfältig Wandern sein kann. Ein Weg kann historische Spuren erschließen, zur Begegnung mit anderen Menschen führen oder Raum für Stille und persönliche Besinnung schaffen. Gerade diese Verbindung macht kulturelle Wanderangebote für unsere Vereine wertvoll.”
Vier weitere Bewerbungen erhielten eine lobende Anerkennung. Die Wanderfreunde Hamburg wurden für ihre Duckdalbentour gewürdigt, die eine diakonische Einrichtung der Deutschen Seemannsmission, eine aufgelassene Kirche und den Friedhof von Altenwerder verbindet. Die Abteilung Reichenbach des Vogtländer Gebirgs- und Wanderverbandes überzeugte mit dem Jakobsweg Lengenfeld und dem festen Ritual, das Wanderjahr mit dem Besuch einer Kirche und kulturhistorischen Erläuterungen abzuschließen. Die Sektion Amberg des Bayerischen Waldvereins erhielt Anerkennung für eine Gedächtniswanderung für einen verstorbenen Vereinskameraden. Die SGV-Abteilung Münster wurde für fünf Wanderungen im Jahresprogramm 2025/2026 gewürdigt, darunter eine kulturhistorisch erläuterte Wanderung zu drei Kreuzwegen.
Ziel des jährlichen DWV-Kulturthemenwettbewerbs ist es, die Verbindung von Wandern und Kulturerlebnissen stärker ins Bewusstsein zu rücken und die vielfältigen Ansätze der DWV-Mitgliedsvereine sichtbar zu machen. Im vergangenen Jahr stand der Wettbewerb unter dem Motto „Bedeutende Persönlichkeiten“. Es gewann der Fichtelgebirgsverein mit dem Jean-Paul-Weg. Auch die kommenden Themen stehen bereits fest. 2027 lautet das Thema „Kultur für junge Wandernde“, 2028 „historische Handels- und Wirtschaftswege“ und 2029 stehen „Wassernutzung und Wasserhaltung“ im Mittelpunkt.
Bericht: Deutscher Wanderverband – Archiv-Foto: Hötzelsperger




