Sport

Schleppjagd auf Herrenchiemsee am 10. 10.

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Wenn am 10. Oktober die Jagdhörner über die Insel klingen und das Donnern der Hufe vor dem Königsschloss Ludwig II. ertönt, erwacht eine der eindrucksvollsten Reittraditionen Bayerns. Rund 40 Reiterinnen und Reiter sowie etwa 30 Foxhounds bestreiten auf der Königsinsel – seit 2025 Teil des UNESCO‑Welterbes – einen anspruchsvollen Geländeritt – die dann 69. Schleppjagd des Schleppjagdvereins Bayern.

Zuschauer erleben die Jagd hautnah

 Die Insel bietet ideale Bedingungen, um viele Abschnitte der Jagd zu Fuß mitzuerleben. Familien, Spaziergänger und Fotografen suchen sich entlang der Strecke ihre Plätze. Besonders eindrucksvoll sind die Sprünge über breite Baumstämme und Hecken sowie der berühmte Sprung am südöstlichen Inselende, der direkt in Richtung Chiemsee führt – ein Motiv, das seit Jahrzehnten Fotografen begeistert. Ein traditioneller Höhepunkt ist der Sprung bei Pauls Ruh. Am Ende des Ritts erhalten die erfolgreichen Teilnehmer den Eichenbruch – das offizielle Zeichen für eine erfolgreich beendete Jagd. Bereits am frühen Morgen setzen die Pferdegespanne mit der Lastenfähre von Breitbrunn über, die Jagdgäste folgen mit den Linienschiffen ab Prien und Gstadt. Nach Eintragung ins Jagdbuch und dem bayerischen Jagdfrühstück formiert sich die Jagdgesellschaft um 11 Uhr zum feierlichen Stelldichein vor der Kapelle des Alten Schlosses. Die „Trompes de Bavière“ begleiten den Auftakt mit klassischen französischen Naturhornsignalen. Anschließend sprechen die Jagdherrschaft, der Schirmherr – Bayerns Staatsminister und stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger – sowie Toni Wiedemann, Präsident des Schleppjagdvereins von Bayern. Dr. Lothar Katz (Seeon) segnet Pferde, Reiter und Hunde. Die Jagdherrschaft mit Esther Höhn und Josef Ettenhuber, Schirmherr Staatsminister Hubert Aiwanger und Ehrengäste begleiten die Jagd in der Kutsche. Um 11:30 Uhr beginnt der Aufgalopp. Die Foxhounds folgen einer künstlich gelegten Duftspur. Das Geläuf umfasst rund 20 Kilometer mit 28 Naturhindernissen; die Reiterstaffel Rosenheim sorgt für Sicherheit.

Halali mit königlicher Kulisse

Gegen 15 Uhr endet die Jagd auf der Schlossallee hinter dem Neuen Schloss an der dortigen Avenue mit dem Halali. Die Jagdherrschaft überreicht Eichenbruch und Erinnerungsschleifen, Master und Präsident gratulieren mit dem Jagdknopf. Beim Curée erhalten die Foxhounds ihre Belohnung. Anschließend folgt der Empfang und das Jagdessen im Alten Schloss.

Tradition mit Geschichte und internationaler Bedeutung

Die Jagdreiterei auf Herrenchiemsee reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. 1957 wurde sie wiederbelebt, in den 1960er Jahren zur Staatsjagd erhoben und seit 1990 gemeinsam mit dem Schleppjagdverein von Bayern weiterentwickelt. Heute zählt die Schleppjagd zu den kulturell bedeutendsten Reitsportereignissen Bayerns und zieht Teilnehmer aus mehreren europäischen Ländern sowie Australien an.

Archiv-Bilder:  Schleppjag auf Herrenchiemsee / Schleppjagdverein

Ausführliche Historie zur Schleppjagd auf Herrenchiemsee

Die Geschichte der Jagdreiterei auf Herrenchiemsee ist reich an Traditionen und Persönlichkeiten. Bereits in den 1950er‑Jahren wurde auf der Insel ein Reit‑, Fahr‑ und Ausbildungsstall betrieben, in dem auch die Jagdreiterei und das sportliche Geländereiten gelehrt wurden. Wie im historischen Dokument festgehalten wird: „Bereits in den 50iger Jahren wurde auf Herrenchiemsee ein Reit – Fahr und Ausbildungsstall unterhalten. Zur reiterlichen Ausbildung gehörte auch die Ausbildung zum sportlichen Geländereiten, der Jagdreiterei.“

Im Herbst trafen sich die Reiter traditionell zur Herbst‑ oder Hubertusjagd, dem Schutzpatron der Reiter und Jäger. 1959 lud der damalige Reit‑ und Fahrlehrer Herr Spiegel, bekannt für seinen militärischen Schliff, zur ersten Jagd auf Herrenchiemsee ein. Die Veranstaltung gewann rasch an Zuspruch, sodass Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß die Jagd Mitte der 1960er‑Jahre zur Staatsjagd erhob – ein Titel, der rund 20 Jahre Bestand hatte. „Im Lauf der Jahre gewann diese Jagd immer mehr an Zuspruch und so kam es, dass Mitte der 60iger Jahre Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß diese Jagd zur Staatsjagd erhob.“

Organisiert wurden die Jagden damals durch Herrn Noll, den Nachfolger von Herrn Spiegel. Die Jagdstrecke wurde – wie heute – in enger Zusammenarbeit zwischen Jagdherren und der Schloss‑ und Gartenverwaltung Herrenchiemsee vorbereitet.  Der Tierarzt Dr. Rainer Grassler aus Truchtlaching war ab 1990 bis zu seinem Ruhestand 2017 massgeblich in den Hindernis- und Streckenbau  eingebunden.

Aus den ursprünglich 16 bayerischen Jagdreitern entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte eine Veranstaltung mit Gästen aus dem In‑ und Ausland, die das königliche Flair und die sportliche Herausforderung suchten. „Im Laufe der Jahrzehnte kamen zu den ursprünglich 16 Jagdreitern aus Bayern Gäste aus dem In – und Ausland um einmal königliches Flair und sportliche Herausforderung zu erleben.“

Aus der einstigen 1‑Tages‑Jagd entstand schließlich ein Jagdwochenende im Chiemgau: Am Freitag ein gemeinsamer Ausritt auf Gut Ising, am Samstag die große Schleppjagd auf der Herreninsel und am Sonntag der festliche Hubertusgottesdienst in der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Ising. „So wurde von einer 1-Tagesjagd auf der Herreninsel ein Jagdwochenende im Chiemgau.“ Diese historische Entwicklung ergänzt die bereits bekannte Geschichte der Schleppjagd und zeigt, wie sich aus einer lokalen Tradition ein überregional bedeutendes Reitsportereignis mit internationaler Strahlkraft entwickelt hat.

 

 

 

 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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