An einem strahlenden Herbstvormittag ging das Konzept des Musiksommers zwischen Inn und Salzach mit der Matinee der berühmten Rosenkranz-Sonaten von Heinrich Ignaz Franz Biber (1644–1704) in der Wallfahrtskirche Maria Eck wieder voll auf: die Verbindung zwischen meisterhafter Musik, wunderbarer Architektur und der umgebenden Landschaft.
Vorübergehend sah es so aus, als müsse das Konzert ausfallen, weil die vorgesehene Violinistin Leonie Trips und ihr Partner auf dem Cembalo, Halldór Bjarki Arnarson, absagen mussten. Stephan Hüfner vom Musiksommer und seinem Team gelang es dennoch kurzfristig, zwei außergewöhnliche Musiker für dieses meditative Werk zu gewinnen: Annegret Siedel, die seit 1995 als Solistin konzertiert und als Konzertmeisterin bei Orchestern mit historischen Instrumenten, etwa Bell’arte Salzburg und Hamburg Barock, wirkt, reiste eigens aus Hamburg an und brachte sieben historische Violinen im Gepäck mit.
Ihr kongenialer Partner an der Turmorgel war der Kirchenmusiker von St. Oswald, Traunstein, Manfred Müller, der seit 30 Jahren als Dozent für liturgisches Orgelspiel und Chorleitung tätig ist und unter anderem Dekanatsmusikpfleger im Landkreis Traunstein war. Von den insgesamt 15 Rosenkranz-Sonaten wurden sieben aufgeführt, angefangen bei der Sonata IX in a-Moll (Kreuztragung), über die Sonata X in g-Moll (Kreuzigung) bis zur Sonata XV in C-Dur (Mariä Krönung). Bei jeder Sonate ist die Violine unterschiedlich gestimmt (Skordaturen), das heißt sie weicht von der Normalstimmung in Quinten ab. Im sorgfältig gestalteten Programmheft war sowohl die Violinstimmung, zum Beispiel c’- e’- a’- e” bei Sonate IX, als auch die jeweilige Violine angegeben; so stammt eine der verwendeten Geigen von Leopold Widhalm aus dem Jahr 1768. Da es zu lange gedauert hätte, ein einziges Instrument für alle Sonaten umzustimmen, hatte Annegret Siedel sieben bereits entsprechend gestimmte Instrumente aus ihrer Sammlung mitgebracht. Wegen der Empfindlichkeit der Instrumente und der unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse mussten diese allerdings nachgestimmt werden.
Die älteste Violine war eine von Jacob Stainer aus dem Jahr 1670, mit der die Künstlerin die Passacaglia in g-Moll, die „Schutzengel-Passacaglia“ für Violine solo, spielte. Jeder Sonate ist ein Kupferstich in Form eines Medaillons vorangestellt. Franz Biber übernahm die Bilder aus einem Rosenkranz-Bruderschaftszettel und fügte sie in die Widmungshandschrift für den Fürsterzbischof Maximilian Gandolph Graf von Kuenburg (1668–1687) ein. Im Archiv der Erzdiözese Salzburg war 2008 der Bruderschaftszettel Max Gandolphs gefunden worden, der genau diese Bilder enthält. Sie sind auf drei Spalten verteilt und stellen die jeweils fünf freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Geheimnisse des Rosenkranzes dar.
Franz Biber, in Wartenberg in Nordböhmen geboren, stand seit 1670 im Dienst der Salzburger Hofmusikapelle und wurde Ende 1678 Vizekapellmeister neben Andreas Hofer. Sein Ansehen wuchs durch Ehrungen, unter anderem durch Kaiser Leopold I. und den bayerischen Kurfürsten; 1690 wurde er in den Adelsstand erhoben. Der bedeutende Sakralbau, eine der meistbesuchten Wallfahrtskirchen in Bayern, und der von Sonnenlicht durchflutete Raum der Kapelle bildeten ein besonderes Erlebnis. Das Publikum hielt den Applaus bis zum Schluss zurück. Nach gut einer Stunde und einer Viertelstunde ohne Pause waren die Beifallsbekundungen umso größer.
Bericht und Foto: Christiane Giesen









