Brauchtum

150 Jahre Verein der Bayern in Berlin

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Drei Tage lang feierte der Verein der Bayern in Berlin sein 150. Gründungsfest. Schirmherr des Jubiläums war der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder. Es standen bayerisches Brauchtum, Musik, Tracht und vor allem die Gemeinschaft im Mittelpunkt.

Seit 1876 bayerische Traditionen in Berlin

Gegründet wurde der Verein im Jahr 1876 in Berlin. Sein Anliegen war es, den in der jungen Reichshauptstadt lebenden bayerischen Landsleuten und ihren Familien ein Stück Heimat zu vermitteln – unabhängig von ihrem politischen, religiösen oder gesellschaftlichen Hintergrund. Diesem Gedanken ist der Verein bis heute treu geblieben. Seit nunmehr 150 Jahren ist es ihm gelungen, bayerische Traditionen in Berlin lebendig zu halten, aktiv zu pflegen und an die nächsten Generationen weiterzugeben. Eine besondere Anerkennung wurde dem Verein im Jahr 2016, als dem ältesten aktiven Trachtenverein im Deutschen Trachtenverband, im Trachtenkulturzentrum des Bayerischen Trachtenverbandes in Holzhausen die höchste Auszeichnung des Verbandes verliehen – die Deutsche Trachtentafel in Brillant.

Zünftiger Auftakt zum Jubiläum

Eröffnet wurden die Festtage mit einem zünftigen Heimatabend. Bayerische Blasmusik, Trachtentänze und geselliges Beisammensein sorgten von Beginn an für die passende Atmosphäre und stimmten Mitglieder und Gäste auf das große Jubiläum ein. Der eigentliche Jubiläumstag begann am nächsten Morgen mit einem traditionellen Kirchzug zur nahegelegenen Pauluskirche. Unter weiß-blauem Himmel formierte sich der Festzug mit Fahnenabordnungen, Trachtlerinnen und Trachtlern, Musikanten, Vereinen und zahlreichen weiteren Gästen. In der Pauluskirche wurde anschließend ein ökumenischer Trachtengottesdienst gefeiert, zelebriert von Pfarrvikar Prof. Dr. Kurt Anglet und Prediger Andreas Penski. Die Grüße des Erzbischofs von Berlin-Brandenburg, Dr. Heiner Koch, überbrachte dessen persönlicher Referent Clement Azema. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Bläserensemble der katholischen Kirchengemeinde Mater Dolorosa aus Lankwitz, unterstützt von Bläsern der Trachtenkapelle aus Bergtheim, dem Kleinmachnower Dreigesang unter der Leitung von Irmgard Mann, Waltraud Lehmann an der Zither und Klaus Poblotzki an der Orgel.

Dem Team der evangelischen Paulus-Kirchengemeinde sowie allen Mitwirkenden galt dafür ein herzliches Vergelt’s Gott. Kirchzug und Trachtengottesdienst machten eindrucksvoll deutlich, wofür der Verein seit eineinhalb Jahrhunderten steht: bayerische Traditionen nicht nur zu bewahren, sondern sie in der Bundeshauptstadt sichtbar und erlebbar zu machen – heute und auch in Zukunft.

Festakt auf dem Bayernplatz

Mit dem feierlichen Einmarsch der Fahnen in das Festzelt auf dem vereinseigenen Bayernplatz begann anschließend der Festakt. Der 1. Vorsitzende hieß die Gäste aus nah und fern herzlich willkommen und lud dazu ein, gemeinsam auf 150 Jahre bewegte Vereinsgeschichte zurückzublicken. Unter den Gästen befanden sich zahlreiche Vertreter aus Brauchtum, Kultur und Politik, sowie befreundete Trachten- und Brauchtumsvereine aus Bayern, Berlin, Brandenburg und weiteren Teilen Deutschlands. Eine besondere Ehre für den Verein war die Übernahme der Schirmherrschaft durch den Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder. Dafür galt ihm ein herzliches Vergelt’s Gott. Da der Schirmherr aus terminlichen Gründen nicht persönlich am Fest teilnehmen konnte, überbrachte Ministerialrat Dr. Tobias Ott von der Bayerischen Vertretung in Berlin dessen Grußworte.

Für den Bayerischen Trachtenverband gratulierte dessen Vorsitzender Günter Frey dem Verein zu seinem außergewöhnlichen Jubiläum und würdigte die über 150 Jahre geleistete Brauchtumspflege. Für die Zukunft gab er den Berliner Bayern ein herzliches „Weiter so!“ mit auf den Weg. Die Festrede hielt Anton Hötzelsperger vom Bayerischen Trachtenverband, langjähriger Freund und Fürsprecher des Vereins. Er erinnerte an seine ersten Begegnungen in Berlin, vor 50 Jahren. Tief bewegt erlebte er den Fall der Mauer. Im Rahmen seiner Kontakte zu Tourismusverantwortlichen in Berlin und Brandenburg kam er bald mit dem „Verein der Bayern in Berlin“ in Verbindung. Es folgten gemeinsame Heimatabende im Rahmen der „Internationalen Grünen Woche Berlin“. Die freundschaftlichen Verbindungen sind bis heute stetig gewachsen. Der Toni wünschte dem Verein für die Zukunft weiterhin ein traditionsbewusstes und erfolgreiches Vereins- und Kulturleben in der gemeinsamen Bundeshauptstadt.

Auch der Mitteldeutsche Trachtenverband war vertreten. Der 1. Vorsitzende des Verbandes Charles Koppehele überbrachte gemeinsam mit seiner Gattin Marlies die herzlichsten Glückwünsche zum Jubiläum. Seit nahezu 15 Jahren gehören die Berliner Bayern dem Verband an und beteiligen sich regelmäßig an gemeinsamen Trachtenveranstaltungen. Aus der Berliner Politik, dem Senat von Berlin, konnte die Parlamentspräsidentin Cornelia Seibold und die Staatssekretärin für Kultur, Cerstin Richter-Kotowski begrüßt werden.  Ebenfalls aus der Politik, dem Bezirk Berlin-Steglitz-Zehlendorf, haben sich der zweite  Bürgermeister Tim Richter und Jens Hofmann, der Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Lichterfelde, eingefunden.

Besuch aus der Heimatstadt des Vereinsgründers

Ein besonderes „Grüß Gott“ galt den Gästen aus Günzburg, der Geburtsstadt des Vereinsgründers und Schriftstellers Dr. Franz Weithmann. Der Zweite Bürgermeister der Stadt Günzburg, Stefan Baisch, war gemeinsam mit einer Fahnenabordnung des Heimat- und Volkstrachtenvereins „Edelweiß“ Günzburg gekommen. Mit dabei der 1. und 2. Vorsitzende des Trachtenvereins. Und selbstverständlich kamen die Günzburger nicht mit leeren Händen: Als Gastgeschenk hatten sie ein Fass Bier der Radbrauerei Günzburg im Gepäck. Den späteren Fassanstich meisterte Bürgermeister Baisch gekonnt mit nur zwei Schlägen.

Freunde aus Bayern und ganz Deutschland

Dass die Berliner Bayern über Jahrzehnte zahlreiche Freundschaften weit über die Hauptstadt hinaus gepflegt haben, belegten die angereisten Gastvereine. Vom Gebirgstrachten-Erhaltungsverein Rosenheim 1-Stamm e. V. war eine Abordnung mit der 1. Vorsitzenden Michaela Fuchs nach Berlin gekommen. Die Rosenheimer sind seit vielen Jahren treue Gäste bei den Gründungsjubiläen der Berliner Bayern und haben sogar ihr Vereinstaferl dauerhaft in Berlin deponiert. Zuletzt waren sie zehn Jahre zuvor zum 140. Gründungsfest angereist.

Aus der Oberpfalz war der Volks- und Gebirgstrachtenverein Hoamatland Amberg mit seinem Vorsitzenden Maximilian Pfab vertreten. Auch mit den Hoamatlandlern verbindet die Berliner Bayern seit Jahrzehnten eine enge Freundschaft. Ebenfalls aus Amberg angereist war der Musikerstammtisch 1986 unter der Leitung von Herbert Olbrich, der im Oktober 2026 selbst mit seinen Musikern sein 40-jähriges Gründungsjubiläum begeht.

Aus Oberfranken waren die Fichtenhornbläser aus Speichersdorf mit ihrem 1. Vorsitzenden Gerhard Kreuzer und ihrem musikalischen Leiter Heinz Schmidt dabei. Kennengelernt hatte man sich bei der Internationalen Grünen Woche. Die Klänge ihrer krummen Fichtenhörner wurden zu einem der musikalischen Höhepunkte der Festtage. Für bayerische Blasmusik sorgte die Trachtenkapelle des Musikvereins Bergtheim aus Unterfranken. Mit einer stattlichen Besetzung von 20 Musikerinnen und Musikern umrahmte sie beide Hauptfesttage. Mit dabei waren der 1. Vorsitzende Mathias Göbel und Co-Dirigentin Ingeborg Potsch. Der Musikverein versteht seine Aufgabe dabei nicht allein im Musizieren, sondern legt ebenso großen Wert auf Brauchtumspflege und Geselligkeit.

Eine weite Anreise hatte auch die Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr Hasselbach aus Hessen mit ihrem Ehrenvorsitzenden Stefan Mühle. Seit rund 40 Jahren besteht eine enge Freundschaft mit Bayern und den Samerberger Trachtlern, seit der vergangenen Grünen Woche auch mit dem Verein der Bayern in Berlin. Ihr 100. Gründungsfest vor einigen Wochen ist in bleibender Erinnerung. Vom Mitteldeutschen Trachtenverband waren die Tanz- und Trachtengruppe Salzfurtkapelle aus Brandenburg mit ihrem Vorsitzenden Klaus Pahl sowie die Folkloretanzgruppe Berlin-Köpenick mit ihrem Vorsitzenden Jörg Dombrowski vertreten. Letztere begeisterte das Publikum neben ihrem Ehrentanz besonders mit ihren Mitmachtänzen.

Weiter Brauchtumsvereine aus Berlin

Es waren auch die befreundeten Berliner Vereine vertreten. Der Gebirgstrachtenverein „G’stellt san ma“ e. V. war mit seinem 1. Vorsitzenden Volker Kosanke gekommen. Als weiterer Berliner Bayernverein, hat er erst vor Kurzem sein 120. Gründungsjubiläum gefeiert hat. Auch die Querplattler Berlin mit ihrem Vorsitzenden Lothar Oßwald hatten sich eingefunden. Sie stehen ebenfalls für gelebtes bayerisches Brauchtum in der Bundeshauptstadt. Als Berliner Schuhplattler- und Volkstanzverein pflegen und vermitteln sie Schuhplattler und Volkstänze in traditioneller Chiemgauer Tracht. Eine besondere Freundschaft verbindet die Berliner Bayern mit der Prinzengarde der Stadt Berlin. Mit ihrem 1. Vorsitzenden Detlef Röstel waren die Karnevalisten in voller Uniform dabei. Mitglieder der Prinzengarde bringen sich seit Jahren tatkräftig beim Verein der Bayern ein und halfen auch bei den Vorbereitungen des großen Jubiläums, insbesondere bei der Organisation des Kirchzuges und des ökumenischen Gottesdienstes. Karneval und Fasching gehören gleichermaßen zu den lebendigen deutschen Traditionen – ob in Köln, Berlin oder München.

Als weitere Gäste konnten begrüßt werden:

Eine Fahnenabordnung der katholischen deutschen Studentenverbindung Bavaria Berlin, KDStV Bavaria Berlin.

Den ehemaligen Bürgermeister von Berlin Steglitz-Zehlendorf, Norbert Kopp.

Der Päsident der Österreichisch-Deutschen Gesellschaft, Werner Götz mit seiner Gattin.

Der Bayernstammtisch-Berlin-Mitte, mit Franz Schuhbauer als Leiter.

Vertreter vom Bayern Circle Berlin.

Der Präsident des Business Clubs Berlin, Thomas Richter.

Die Karnevalsfreunde Freunde Berlin.

Der Präsident des Teltower Carnevals Club, Hans Mondwurf.

Alphörner, Blasmusik und ein eigener Jubiläumsmarsch

Auch musikalisch hatte das Jubiläum Außergewöhnliches zu bieten. Neben der Trachtenkapelle aus Bergtheim und den Fichtenhornbläsern aus Speichersdorf sorgten nicht weniger als 17 Alphörner des Ensembles „Alphorn.Berlin“ für ein eindrucksvolles Klangbild. Dessen musikalischer Leiter Andreas Frey hatte eigens für das 150. Jubiläum der Berliner Bayern einen Jubiläumsmarsch komponiert. Mit einer weiteren Komposition, „Die Hütte ist voll“, traf er die Stimmung im Festzelt ausgesprochen gut – denn die Hütte war tatsächlich voll, und bald kam echte Oktoberfeststimmung auf. Mit dabei waren das Alphorn-Ensemble der Bayern, „Alphorn.Bavaria.Berlin“, sowie Peter Pintatis von der Alphorngruppe MeckPom aus Mecklenburg-Vorpommern. In den späteren Stunden brachte schließlich DJ Markus das Festzelt sprichwörtlich zum Beben. Nur zwei Tage zuvor war das Münchner Oktoberfest in Berlin eröffnet worden. So wurde das 150. Gründungsjubiläum der Berliner Bayern nicht nur zu einem großen Trachtenfest, sondern zugleich zu einem gelungenen Wies’n-Auftakt.

Schuhplattler als Höhepunkte der Festtage

An allen drei Festtagen präsentierte sich auch die Schuhplattlergruppe des Vereins unter der Leitung von Lutz Bande. Mit dem „Haushammer“, „Reit im Winkel“ und der „Amboss-Polka“ zeigten die Berliner Bayern eindrucksvoll, dass bayerischer Trachtentanz auch fernab der Heimat aktiv gepflegt wird. Zu den besonderen Höhepunkten gehörten die gemeinsamen Schuhplattler mit den Hoamatlandlern aus Amberg, den Rosenheimern, „Edelweiß“ Günzburg und den Querplattlern Berlin. Sie machten auf besonders schöne Weise sichtbar, was dieses Jubiläum auszeichnete: die Gemeinschaft über Vereins-, Stadt- und Landesgrenzen hinweg.

Weißwurstfrühstück zum Festausklang

Am dritten Festtag waren Mitglieder und Gäste zum gemeinsamen Weißwurstfrühstück eingeladen. Für die musikalische Umrahmung sorgten die Berliner Böhmischen unter der Leitung von Jens Schmidt. Alpine Klänge steuerte Alphorn-Bavaria-Berlin bei, während das Steirer-Duo Moni und Felix Lämmel mit steirischen Melodien zusätzlich für Stimmung sorgte. Alpen-DJ Wanja rundete das musikalische Programm des Festausklangs ab. Damit klangen drei ereignisreiche Jubiläumstage in geselliger Atmosphäre aus.

Ein großes Vergelt’s Gott

Ein Fest dieser Größenordnung wäre ohne den Einsatz zahlreicher Helferinnen und Helfer nicht möglich gewesen. Für das leibliche Wohl und das bayerische Bier sorgte Vereinsmitglied Lutz Bande, der keine Mühen gescheut hatte, das große Festzelt auf die Beine zu stellen und das Catering zu übernehmen. Dafür gilt ihm ein ganz besonderer Dank. Ein herzliches Vergelt’s Gott gilt ebenso allen Vereinsmitgliedern und weiteren Helferinnen und Helfern, die bei Vorbereitung, Aufbau, Durchführung und Organisation des Jubiläums mitgewirkt hatten – insbesondere dem Festausschuss für seinen Einsatz und Franz Mayr für die humorvolle Moderation im Festzelt.  Ein herzliches Dankeschön gilt den zahlreichen Sponsoren für ihre Unterstützung und ihren Beitrag zur Finanzierung des Festes. Vor allem aber bedanken sich die Mitglieder des Vereins der Bayern in Berlin bei allen Trachtlerinnen und Trachtlern, Musikantinnen und Musikanten, Ehrengästen, Freunden und Festgästen, die durch ihr Kommen dieses außergewöhnliche Jubiläum mit Leben erfüllt haben.

Mit Zuversicht in die nächsten Jahre

150 Jahre Vereinsgeschichte sind ein Grund, dankbar zurückzublicken. Es hat das Jubiläum gezeigt, dass bayerisches Brauchtum auch nach eineinhalb Jahrhunderten mitten in Berlin lebendig ist. Die große Beteiligung, die vielen Freundschaften und die Begeisterung der Gäste geben den Mitgliedern zusätzliche Motivation, sich auch weiterhin als „Bayern in Berlin“ für die aktive Pflege und Vermittlung bayerischer Kultur und Tradition in der Bundeshauptstadt einzusetzen. Und so bleibt nach drei großen Festtagen vor allem ein Wunsch: dass Gemeinschaft, Freundschaft und bayerische Lebensart im Verein weiterhin gepflegt werden – damit auch in fünf oder zehn Jahren wieder ein Zelt für das nächste Jubiläum aufgestellt werden kann, gemäß dem Vereinsspruch „G’sund san ma – schneid ham ma – treu bleib’n ma“.

Bericht: Helmut Amberger, 1. Vorsitzender des Vereins der Bayern in Berlin e.V. und freier Berichterstatter der Samerberger Nachrichten

Bilder: Nicole, Manfred und Helmut Amberger, Axel Buchta, Klaus Böse, Klaus Poblotzki, Bettina Klicks, Klaus Pahl, Stefan Mühle, Thomas Richter, Anton Hötzelsperger

 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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