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Prien sitzt – und wartet? Zwei Bankerln sorgen für Gesprächsstoff

Veröffentlicht von Günther Freund

Prien hat in letzter Zeit sichtbar in die „Sitzkultur“ investiert und das durchaus mit kreativen Ideen. Neben den sogenannten „Mitfahrbankerln“, die im gesamten Gemeindegebiet verteilt aufgestellt wurden, sorgt aktuell eine besonders große, neue Bank auf dem beliebten Spazierweg Richtung Chiemsee für Gesprächsstoff.

Die Idee  hinter den Mitfahrbankerln ist ebenso einfach wie charmant: Wer sich hinsetzt, signalisiert Mitfahrbereitschaft. Eine Art analoges Mitfahr-App-System – ganz ohne Smartphone, dafür mit frischer Luft. In der Praxis scheint es jedoch noch nicht richtig anzukommen. Viele Bürger berichten, dass sie bislang kaum – oder noch nie – jemanden auf diesen Bänken sitzen gesehen haben.  Vielleicht liegt es daran, dass man sich erst überwinden muss, sich öffentlich als „mitfahrbereit“ zu präsentieren. Vielleicht auch daran, dass Autofahrer unsicher sind, ob sie hier wirklich anhalten sollen.

                 Mitfahrbank am Bernauer Kreisel

Ähnlich ambivalent wird die neue, besonders lange Bank am Chiemsee-Spazierweg aufgenommen.  An einem Ort, der ohnehin nicht gerade unter Sitzplatzmangel leidet, wurde hier ein echtes XXL-Modell platziert. Wer darauf Platz nimmt, genießt weiterhin den herrlichen Blick auf die Berge – allerdings schwingen bei kleineren Personen die Beine nun eher frei in der Luft.

                  neue Ruhebank am Spazierweg von der Carl-Braun-Straße  zum Chiemsee

Beide Projekte verbindet ein lobenswerter Ansatz: den öffentlichen Raum aufzuwerten und neue Impulse zu setzen.  Gute Ideen sind vorhanden, und das Engagement, den öffentlichen Raum zu gestalten und zu verbessern, ist deutlich spürbar.  Gleichzeitig zeigen sie aber auch, dass gute Ideen erst dann wirklich gut sind, wenn sie im Alltag funktionieren – und von den Menschen angenommen werden, für die sie gedacht sind.

Vielleicht brauchen manche Konzepte einfach etwas Zeit – oder ein wenig Nachjustierung.  Bis dahin liefern die neuen Bankerln auf jeden Fall eines zuverlässig: Gesprächsstoff. Und wer weiß – vielleicht sitzt ja doch eines Tages jemand auf einer Mitfahrbank. Und wird tatsächlich mitgenommen.



Redaktion

Günther Freund

1944 in Bad Reichenhall geboren, Abitur in Bad Reichenhall, nach dem Studium der Geodäsie in München 3 Jahre Referendarzeit in der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung mit Staatsexamen, 12 Jahre Amtsleiterstellverteter am Vermessungsamt Freyung, 3 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Zwiesel und 23 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Freyung (nach Verwaltungsreform mit Vermessungsamt Zwiesel als Aussenstelle). Seit 2009 im Ruhestand, seitdem in Prien am Chiemsee wohnhaft.

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