Am Freitag, 21. März 2025, um 20 Uhr gastiert der Kabarettist Helmut Schleich im König Ludwig Saal, Stauden 3. In seinem aktuellen Live-Programm mit dem Titel „Das kann man so nicht sagen“ geht es auf abenteuerliche Reisen in die Tiefen der deutschen Befindlichkeit. Das Vorbild des 57-jährigen Münchners ist die Regierung – was also kümmert ihn sein Geschwätz von gestern. Vor seinem Auftritt in der Seegemeinde spricht der Kabarettist und Parodist im Interview darüber, was man so alles sagen kann und sollte.
Herr Schleich, Sie zählen zu den deutschen Kabarett-Größen. Wann war Ihnen das erste Mal klar, dass Sie auf die Bühne gehören?
Helmut Schleich: Das ist lange her. Es war – man höre und staune – bei der Schwabinger 1200- Jahr- Feier im Sommer 1982. Da hatten die Schwabinger Gymnasien einen Nachmittag zur Verfügung, der kabarettistisch gestaltet werden sollte. Ich habe das mit zwei Mitschülern für unseren Teil getan. Mit diesem Programm traten wir danach öfters in Nachbar-Schulen auf und ab 1984 dann auch auf den damals legendären Münchner Kleinkunstbühnen „Muh“, „KEKK“ und „Robinson“.
Neben Ihrer Bühnenarbeit mit preisgekrönten Kabarett-Programmen kennt man Sie aus dem Fernsehen als Protagonist der Satire-Sendung „SchleichFernsehen“, aus dem Radio als wöchentlichen Kommentator der Bayern2 Glosse „Ende der Welt“ und aus der Zeitung als Verfasser der wöchentlichen Kolumne „Schleichweg“ in der tz/Münchner Merkur. Was bevorzugen Sie?
Schleich: Es ist schon toll, wenn man so viele Möglichkeiten hat, seine Themen, Späße und Aufreger unters Volk zu bringen. Dafür bin ich auch dankbar, wenngleich ich ja „Schleichfernsehen“ seit Ende 2023 nicht mehr mache. Eventuell gibt’s da aber bald was Neues im BR. Nichtsdestotrotz ist und bleibt die Live-Bühne die Heimat des Kabaretts. Der direkte Draht zwischen Publikum und Bühne ist durch nichts zu toppen. Da synapsiert’s.
Sie sind ein Meister der Verwandlung. Welche prominente Rolle war eine besondere Herausforderung für Sie?
Schleich: Je profilloser ein Prominenter ist, umso schwerer ist es, ihn oder sie zu parodieren. Wo nichts ist, kann man auch nichts überzeichnen. Insofern war etwa Olaf Scholz eine Herausforderung an der ich gescheitert bin. Ich habe ihn nur einmal gespielt und das war optisch eher ein Uli Hoeneß mit implantierter Badehaube. Ansonsten gilt: Wer liefert, kommt dran. Unser Ministerpräsident zum Beispiel, ist ja seit Jahren ein sehr zuverlässiger Kabarett-Lieferant.
Haben Sie wegen einer Parodie schon mal Ärger bekommen und muss man als Kabarettist damit rechnen?
Schleich: Aber sicher. Es heißt, Kardinal Marx war nicht amüsiert über meine Darstellung als barocker Genussmensch im Interview mit Traugott Sieglieb bei SchleichFernsehen und dann natürlich die Maxwell-Strauß-Geschichte und der damit verbundene Vorwurf des „blackfacing“, den ich im Kontext der Figur und der Nummer bis heute zurückweise. Was mir an der damaligen Debatte direkt Angst gemacht hat, war die deutsche Gründlichkeit und Gnadenlosigkeit, mit der die Cancel Culture arbeitet.
Wir befinden uns mitten in der „heißen“ Wahlkampfphase und viele Themen sorgen für eine unruhige, zugleich aufregende Zeit. Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, der Gesellschaft einen satirischen Blick auf aktuelle politische Probleme zu ermöglichen?
Schleich: Spott, Witz, Kabarett und Satire sind unverzichtbare Bestandteile einer Gesellschaft. Im Moment gibt es da aus meiner Sicht mehrere Probleme. Leute, die Satire und Information verwechseln. Das beste Kabarett-Publikum ist jenes, das schon einigermaßen informiert in die Vorstellung kommt und dann Freude am Verwursteln hat. Auf der anderen Seite gibt es Kabarettisten oder auch Comedians, die Kabarett moralisch so weit aufladen, bis es von einer protestantischen Sonntagspredigt nicht mehr zu unterscheiden ist. Und dann kommt noch diese neue, überempfindliche Haltung mancher Politiker dazu, die juristisch gegen Witze vorgehen. Anzeigenhauptmeisterin ist dabei Strack-Zimmermann, die über 1900 Anzeigen rausgehauen hat. Habeck mit über 800 in drei Jahren spielt auch weit vorne mit. Wenn Strauß oder Kohl so empfindlich gewesen wären, hätten die Staatsanwaltschaften in den 70er und 80er Jahren nichts anderes mehr zu tun gehabt.
Kann man sagen, dass die Wirklichkeit das Kabarett Tag für Tag überbietet?
Schleich: Vielleicht nicht überbietet, aber die Konkurrenz ist nicht zu leugnen.
Was vereint anspruchsvolles Kabarett und politisches Geschehen?
Schleich: Das Überraschende. Wer hätte gedacht, dass das Ampel-Ende und die Trump-Wahl auf denselben Tag fallen? Wer hätte gedacht, dass Angela Merkel drei Wochen vor der Bundestagswahl 2025 noch mal unter ihrem Salatblatt hervorkriecht und Merz in den Rücken fällt!? Die Politik zieht allerdings vollkommen andere Schlüsse aus den Ereignissen wie das Kabarett. Zum Glück.
Zuletzt waren Sie 2023 zu Gast auf der Bühne im König Ludwig Saal. Erwartet das Priener Publikum in diesem Jahr ein neues Programm?
Schleich: Mein Anspruch lautet ja: „täglich frisch“. Insofern sind zwei Jahre ein Erdzeitalter und es ist jede Menge Neues im Programm. Eigentlich ist alles neu bis auf den Titel.
Ihre Texte sind so böse wie brillant. Geben Sie einen kleinen Einblick, wer an diesem Abend – wenn man das so sagen kann – alles sein Fett wegbekommt?
Schleich: Im Laufe des Abends kommen sie alle dran. Grundsätzlich natürlich diejenigen, die die Macht innehaben oder die Deutungshoheit in der Gesellschaft für sich beanspruchen, deutlich mehr, als die anderen. Insofern hat mich in den letzten Jahren das Gerede vom angeblich „rechten“ Kabarett g’scheit genervt. Wer liefert, kommt dran. Und die Grünen haben einfach viel geliefert.
Eine letzte Frage Herr Schleich. Es heißt, Sie machen, was Sie wollen – wie wichtig ist Ihnen Meinungsfreiheit?
Schleich: Meinungsfreiheit ist ein zentrales Gut einer offenen Gesellschaft. Und Angst ist dabei eine schlechte Ratgeberin. Die einen drehen am Rad, weil sie Angst vor „rechts“ haben, die anderen aus Angst vor der „Islamisierung des Abendlandes“. Mir ist das zu eng. Wir brauchen das souveräne Lachen der Demokraten im Lande. Das der Demokratinnen natürlich erst recht, eh klar!
Bericht: Marktgemeinde Prien – Foto: Susie Knoll – Interview mit Kabarettist Helmut Schleich vor seinem Auftritt in Prien am Chiemsee.
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