In der kürzlich stattgefundenen Bürgerversammlung in Neubeuern stellte Bürgermeister Christoph Schneider die aktuelle Entwicklung der Gemeinde vor. Gut aufgestellt für die Zukunft sieht er die Gemeinde Neubeuern – dies trotz eines erheblichen Kraftaufwands in den vergangenen Jahren. Zwar liegt der derzeitige Schuldenstand über dem vergleichbarer Gemeinden im bayerischen Durchschnitt, doch wurden bedeutende Investitionen getätigt.
Die Fertigstellung der Kläranlage, der Erwerb und Ausbau des ehemaligen Betriebsgebäudes an der Schanz zum neuen Rathaus, der Umbau des ehemaligen Pfarrgebäudes zu einem Kindergarten mit zwei Gruppen, die Erweiterung des Friedhofs, die Sanierung des Schulgebäudes sowie erhebliche ungeplante Kosten aufgrund der Hochwassersituation im vergangenen Jahr haben den Haushalt stark belastet, so der Bürgermeister. Hinzu kamen planerische Vorgaben und Entscheidungen, die sich zukünftig positiv auf die Gemeinde auswirken sollen, etwa die mögliche Erweiterung des Gewerbegebiets im Bereich Heft. Der bestehende Investitionsstau, der auch durch geringere Einnahmen bedingt war, konnte dank einer derzeit stabilen finanziellen Lage aufgelöst werden. Zielgerichtetes Handeln, akribische Detailarbeit und erfolgreiche Abstimmungen haben zu einer positiven Entwicklung geführt.
Ein Beispiel hierfür ist das neue Rathaus, dessen Umsetzung durch die überraschend günstige Kaufübernahme gegenüber einem Neubauprojekt begünstigt wurde. Durch eine gezielte und effiziente Durchführung der notwendigen Umbauten konnte das Gebäude innerhalb eines knappen Jahres in Betrieb genommen werden. Das Rathaus bietet eine offene Struktur, jedoch auch den notwendigen Raum für diskrete Amtsvorgänge. Bereits wurden in den Räumlichkeiten eine Bürgerversammlung sowie ein Ehrenabend der Pfarrgemeinde abgehalten, zudem dient das Gebäude als Ausstellungsraum. Das Platzangebot ersetzt den ehemaligen Pfarrsaal und wird bereits rege genutzt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer Vermietung.
„Als Kommune sind wir kein Wirtschaftsunternehmen, sondern Erfüllungsorgan von Pflichtaufgaben, die uns auch von außen übertragen werden“, betonte Bürgermeister Schneider. So steht beispielsweise die Einführung der Ganztagesbetreuung im Grundschulbereich an, die planerische, personelle und räumliche Herausforderungen mit sich bringt und finanzielle Auswirkungen haben wird.
Die Entwicklung des Vermögenshaushalts zeigt die finanzielle Dynamik der Gemeinde: 2019 betrug dieser rund 1,6 Millionen Euro, 2023 waren es bereits etwa 6,7 Millionen Euro. Diese Investitionen wurden vor allem durch gute Steuereinnahmen – insbesondere im Bereich der Einkommenssteuer – ermöglicht. Eine weitere Verbesserung wird durch die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets in Heft erwartet. Auch wenn eine unmittelbare Umsetzung nicht möglich ist, wurde hier bereits ein bedeutender Schritt vollzogen. Nach erfolgreichen Verhandlungen der Gemeinde mit dem Grundeigentümer liegt nun ein richtungsweisendes Ergebnis vor, das sich auch in der Planung widerspiegelt. Entlang der Staatsstraße, im Hangbereich unter dem ehemaligen Gutsbetrieb, sollen sogenannte Handwerkerhöfe entstehen – ein Mischgebiet für Gewerbe und potenzielles Wohnen, angepasst an die geografischen Gegebenheiten. Hinter dem Straßenbereich nach Pinswang ist zudem ein Gewerbegebiet vorgesehen. Die planungsrechtlichen Schritte wurden eingeleitet, erste Ergebnisse werden für 2027 erwartet.
Weiter ging Bürgermeister Schneider auf Bauvorhaben an der Rosenheimer Straße ein, wo genossenschaftliches Wohnen geplant ist, sowie auf die Entwicklung am ehemaligen Auerhof, am ehemaligen Raiffeisengebäude in der Auerstraße und an der Hinterhörerstraße. Ein weiterer Punkt betraf die Pläne für ein Bioheizkraftwerk. Als möglicher Standort wurde der Bereich hinter dem Trainingssportplatz ins Auge gefasst. Anschlussmöglichkeiten und eine mögliche Zusammenarbeit mit Schloss Neubeuern sind noch zu klären.
Die Starkregenereignisse des vergangenen Jahres machten deutlich, wo Verbesserungen erforderlich sind. Insbesondere Holzham, der Sailerbach und das Baugebiet Hepfengraben waren von Überschwemmungen betroffen. Bürgermeister Schneider dankte für den gelebten Gemeinschaftsgeist und die Hilfsbereitschaft, die trotz aller Herausforderungen gezeigt wurden. Kommandant Andreas Heibl erstattete dem Gemeinderat einen ausführlichen Bericht zur Hochwasserlage. Verbesserungen wie mobile Wassersperren, die Sandsackbarrieren ersetzen und schneller aufgebaut werden können, sind Teil zukünftiger Schutzmaßnahmen. Ingenieur Florian Pfleger erläuterte anhand von Folien und Fotos die Gegebenheiten und mögliche Abhilfemaßnahmen. Bereits wurden Bachsäuberungen, der Ausbau von Bachläufen sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Rohrdurchlässe eingeleitet. Das Regenrückhaltebecken in Angl erwies sich erneut als äußerst hilfreich. Für das zukünftige Gewerbegebiet ist ebenfalls ein Rückhaltebereich für Niederschlagswasser vorgesehen.
Für die Feuerwehr wurde ein neues Einsatzfahrzeug in Auftrag gegeben, das das bisherige Tanklöschfahrzeug aus dem Jahr 1985 ersetzen soll. Großen Dank sprach der Rathauschef dem Asylhelferkreis aus, insbesondere Regina Prokopetz. Interkommunal besteht eine Zusammenarbeit mit der Gemeinde Samerberg sowie der fachlichen Mitarbeit von Bernadette Scheffter, die in beiden Gemeinden tätig ist. In ihrem Rechenschaftsbericht informierte sie über die Betreuung von 90 geflüchteten Personen in Neubeuern, darunter 56 aus der Ukraine. Die Unterbringung erfolgt in fünf verschiedenen Unterkünften. Ehrenamtliche Helfer, beispielsweise für Fahrdienste, Begleitungen beim Einkauf oder Sprachunterricht, sind weiterhin willkommen. Der Gemeinschaftsgeist der Gemeinde wurde zudem durch zahlreiche Veranstaltungen und Feste unter Beweis gestellt. Besonders hervorzuheben waren das 20-jährige Jubiläum der Galerie am Marktplatz, das Gaufest und der Fasching, neben vielen weiteren kleineren Ereignissen.
Die Gemeindestatistik weist derzeit 4.539 Einwohner aus. Im vergangenen Jahr zogen 280 Personen nach Neubeuern, während 263 den Ort verließen. Zudem wurden 38 Todesfälle im Einwohnermeldeamt registriert. Auch personelle Veränderungen gab es, insbesondere im Bereich des Klärwerks und der behördlichen Abläufe im Gemeindeamt.
Die Fotos zeigen unter anderem die Hochwassersituation im Jahr 2024, das gut gefüllte Regenrückhaltebecken in Angl sowie den Trainingssportplatz, der als möglicher Standort für ein Biomasseheizwerk in Betracht gezogen wird. Zudem ist die Fläche bei Heft aus Richtung Rohrdorf zu sehen. Im unteren Fotobereich ist die potenzielle Regenrückhaltung vorgesehen.
Bericht und Bilder: Thomas Schwitteck