Großes Wagnis, großer Erfolg – Jedermann-Aufführungen der Neubeurer auf Herrenchiemsee

Ein großes Wagnis ging die Theatergemeinschaft mit dem Großprojekt „Jedermann auf Herrenchiemsee“ ein. Haben doch letztes Jahr schon ca. 7000 Zuschauer die Bayerische Fassung von Hofmannsthals Drama auf dem Marktplatz gesehen! Auch die Wetter- und damit Ausweichsituation gestaltete sich auf Herrenchiemsee entsprechen schwieriger.

Sollten Termine abgesagt werden müssen, wären Ersatztermine im Passionsspielhaus im September geplant, was nicht nur einen großen organisatorischen, sondern auch logistischen und damit finanziellen Aufwand bedeutet hätte. Schon die letzten Vorbereitungen standen unter dem Vorzeichen „Bayrischer Wassermann“, in der Hauptprobe wenige Tage vor den zwei geplanten Aufführungen konnten nicht einmal Kostüme getragen werden. Es war Outdoorkleidung und Regenschutz angesagt. Doch bei der Generalprobe war dann alles trocken und alle Beteiligten zeigten sich in bester Laune und damit spielerischer Höchstform. Es folgte eine großartige Premiere mit großartigen Hauptdarstellen, die am Ende vom Publikum bejubelt wurde. Selten war ein großes Fest ausgelassener, eine Buhlschaft verführerischer, ein Mammon vernichtender, ein Teufel wütender, ein Tod eindringlicher und am Ende Jedermanns Vater Unser glaubwürdiger. Chapeau für Bernd Eutermoser, der authentisch und leidenschaftlich einen Jedermann zum Besten gab, wie man ihn auf einer Laienbühne sonst wohl kaum zu sehen bekommt. Großes Lob an Heinz „Klarei“ Baumgartner und seine Truppe, der nach mehreren Wochen Herrenchiemseefestspiele auch dieses Großprojekt souverän stemmte, von der Küche bis zur Tontechnik. Der „Bayrische Jedermann“ auf Herrenchiemsee war eine gelungene Demonstration einer dörflichen Gemeinschaft mit Mitwirkenden von fünf bis siebzig. Gerade am zweiten Aufführungstag war diese Gemeinschaft gefragt. Schon um 17 Uhr türmten sich dunkle Gewitterwolken auf, es folgten stundenlanger Dauerregen und heftige Gewitter. Doch die Vorhersage für den späten Abend war seitens des Deutschen Wetterdienstes positiv. So richteten sich die Mitwirkenden der Theatergemeinschaft trotz strömenden Regens auf die bevorstehende Aufführung ein, räumten das Aufenthaltszelt für die Theaterbesucher und griffen beherzt zu Handtüchern um die Stühle zu trocknen. Die Besucher warteten geduldig und halfen fleißig mit, damit mit wenigen Minuten Verspätung die für lange Zeit vorerst letzte Vorstellung des Neubeurer „Bayrischer Jedermann“ über die Bühne gehen konnte. Am Ende großer Applaus unter Sternenhimmel. Zur Belohnung konnte man auf der Überfahrt von der Herreninsel nach Prien sehen, wie ein sichelförmiger Mond in den Chiemsee eintauchte. Ja, schade, dass es vorbei ist. 25 Jahre wird es wohl nicht dauern bis zur nächsten Aufführung, aber gleich nächstes Jahr wieder, nein, lieber nicht, da sind sich eigentlich alle einig.
Martina Poll

Fotos: Klaus Rünagel

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg