Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller spricht auf der Intern. Tourismusbörse in Berlin

Eines der Hauptthemen auf der diesjährigen ITB ist die „Nachhaltigkeit im Tourismus“. Dazu fand in Kooperation mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) der „ITB Tourism for Sustainable Development Day” statt.

Der Moderator Andreas Stopp vom Deutschlandradio begrüßte die Keynote-Referenten Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, und Dr. Teleb Rifai, Generalsekretär der Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen UNWTO, auf das herzlichste.

In seiner eindrucksvollen Eröffnungsrede forderte der Bundesminister, Dr. Gerd Müller, gebürtiger Schwabe aus dem Allgäu, die Nachhaltigkeits-Standards der internationalen Tourismuswirtschaft einzuhalten. Dazu ging er auf drei wichtige Punkte näher ein:
1. Schutz durch Nutzen: Insbesondere ist die Wilderei in den Afrikanischen Ländern ein großes Problem. Hierzu leistet das diesjährige Partnerland der ITB, Botswana, einen beispielhaften Beitrag.
40 Prozent seiner Landesfläche befinden sich in dem größten grenzübergreifenden Naturschutzgebiet der Welt, dem Kavango Zambezi Transfrontier Park. Weitere vier afrikanische Staaten sind daran beteiligt, die jedoch durch wirtschaftliche Interessen das Projekt gefährden. Der Bundesminister sprach in diesem Zusammenhang von einer geplanten Tourismusabgabe, die dazu dienen soll, um gerade derartige Nachhaltigkeitsmodelle in der internationalen Tourismusbranche zu finanzieren.
2. Reisen muss vor Ort Arbeit schaffen:
Zu einem nachhaltigen Tourismus gehört auch, so Dr. Gerd Müller, dass die lokale Bevölkerung der Reiseländer an der Wertschöpfung Teil hat. Für die hierzu erforderliche Qualifizierung und Beratung vor Ort leistet die Bundesregierung einen erheblichen Beitrag. So schaffen Im internationalen Durchschnitt praktisch 8 Touristen einen Arbeitsplatz.
3. Reisen muss auch klima- und umweltfreundlich sein:
Hierzu wies der Entwicklungsminister auf einige markante Umweltprobleme hin. So landen z. Bsp. ca. 80 % der weggeworfenen Plastikflaschen in den Bergen oder am Meer. Auch der weltweit gestiegene Wasserbedarf ist ein Problem. Gerade mit dieser Resource sollte sparsamer umgegangen werden. Ein gravierendes Umweltproblem ist auch die Verwendung von Schweröl als Treibstoff für Container- und Kreuzfahrtschiffen. Mit derartigen Praktiken werden auf Kosten der Umwelt im Tourismus die Preise niedrig gehalten. Es sollte schnellstens ein Umdenkprozess stattfinden. Man muss nicht unbedingt auf Kosten der Umwelt billiger reisen, so Dr. Gerd Müller. Der Naturschutzbund Deutschland NABU hat dazu eine Rangliste erstellt.

Dr. Teleb Rifai, Generalsekretär der UNWTO, bedankte sich beim Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller für den relativ hohen Beitrag Deutschlands, in den Entwicklungsländern, insbesondere in Afrika, eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Er bezeichnete auch die gute Zusammenarbeit in der internationalen Tourismusbranche, insbesondere der Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen, als vorbildlich.
In seiner weiteren Rede würdigte der Generalsekretär das „Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung“, das im Jahr 2015 von 194 Ländern unterzeichnet wurde. Die drei Säulen dieses Konzepts sind die ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit in der internationalen Wirtschaft, die über gesetzliche Forderungen hinausgeht. Für die Tourismusbranche bedeutet dies u.a. Vermeidung von CO2, Bekämpfung der Wilderei und die Ausbeutung von Kindern. Gerade im Jahr 2017, dem internationalen Jahr des nachhaltigen Tourismus, setzt die UNWTO all diese Themen auf ihre Tagesordnung. Wir können nicht mehr akzeptieren, dass z. Bsp. 5-Sterne-Hotels in armen Gebieten platziert werden. Tourismus hinter Mauern und Stacheldraht hat nichts mit einem Miteinander der Kulturen zu tun. Zum Thema Krieg und Terrorismus bemerkte der Generalsekretär, dass der internationale Tourismus viel zur Konfliktlösung beitragen kann. „Denn man kann mit keinem Menschen streiten, mit dem man vorher an einem Tisch zusammen gesessen hat“, so Dr. Teleb Rifai. „Um einen Ort zu erhalten, muss man ihn besuchen“ war seine Botschaft an das Plenum zur“ ökologischen Nachhaltigkeit“. Mit „Wir machen weiter, bis man uns erhört“, schloss Dr. Teleb Rifai seine sehr emotionale Rede.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung folgten Podiumsdiskussionen zu den Themen:
„Safari zu den letzten ihrer Art“ – Wie kann man Tourismus Wilderei nachhaltig bekämpfen –

„Kreuzschifffahrt“ – Fair zur Umwelt und zum Menschen? Leinen los für mehr Nachhaltigkeit –

„Herausforderungen in Entwicklungs- und Schwellenländern“ – Kooperationen zwischen Tourismuswirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit als Change für nachhaltige Entwicklung –

Helmut Amberger
Freier Berichterstatter der Samerberger Nachrichten

Fotos: Helmut Amberger und Manfred Hartfiel

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg