19. Frauenwörther Gespräche von Wirtschaftsrat Bayern und Bund Katholischer Unternehmer

„Griechenland ist die Wiege der Demokratie, das Land ist die Grenze zum Islam und ganz klein, was soll da schon passieren“ – mit diesen Gedanken erinnerte sich der stellvertretende Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) der Erzdiözese München-Freising Dr. Albert Gressser zurück als Griechenland in die Europäische Staatengemeinschaft aufgenommen wurde und Bedenken geäußert wurden. Inzwischen ist Griechenland das Sorgenkind Europas und vielfältiger Diskussionsstoff – unter anderem auch bei den inzwischen 19. Frauenwörther Gesprächen, die der Wirtschaftsrat Bayern zusammen mit dem BKU allsommerlich in der Aula des Klosters Frauenchiemsee veranstaltet.

Der Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, Manfred Weber war heuriger Gast-Referent unter dem Thema „Europa – strategische Perspektiven, Probleme und Herausforderungen“. Weber konzentrierte sich in seinen Ausführungen vor allem auf die Themen „Flüchtlinge“, „Energie“ und „TTIP“. Eingangs dankte Weber dem Wirtschaftsbeirat und dem BKU für ihr öffentliches und klares Bekenntnis zum christlichen Glauben. „Es ist ein großes Defizit unserer Zeit, dass Glauben und Bekenntnis ins Private abgeschoben und aus der Gesellschaft verdrängt werden“. Weber, der seit elf Jahren in der EU-Politik arbeitet, 42 Jahre alt ist, im Europa-Parlament die EVP-Fraktion mit 219 Abgeordneten aus 27 Ländern führt und der seine politische „Grundausbildung“ im Bayerischen Landtag erhielt, informierte aus dem „Maschinenraum“ der europäischen Politik und stellte gleich zu Beginn fest: „Europa ist gestaltbar und wunderbar“. Wichtig ist Weber, dass sich Brüssel weiter aus den Details zurückziehe („neue Gesetze gingen von 60 auf 23 im Jahr zurück, Entscheidungen zum gentechnischen Anbau in Bayern sollen auch in Bayern fallen“). Der bei den Wahlen versprochene Beitritts-Stopp wurde und wird eingehalten – so Manfred Weber weiter. Zu den größten aktuellen Herausforderungen sind die vielen jungen Arbeitslosen, im Süden Europas sind bis zu 50 Prozent der Jugend ohne Arbeit. Zu TTIP meinte Weber: „Wir sind auf den Welthandel angewiesen, die Ur-Idee, dass mit TTIP Zölle abgebaut, der Handel vereinfacht und der Wettbewerb verbessert wird, gilt nach wie vor. Vor Standart-Angleichungen sollten wir nicht Angst haben, Wasser, Energie und Nahrung sind uns selbst heilig und auch zum Arbeitsschutz bleiben hiesige Gesetze unangetastet“. Im Rahmen der von Bayernbund-Landesvorsitzenden und ehemaligen Landtagsabgeordneten Adolf Dinglreiter geleiteten Diskussion wurde angeregt, die Energiewende nicht nur in Deutschland, sondern auch auf die europäische Gemeinschaft auszudehnen, zumal im Norden Bodenschätze und im Süden die Sonnenenergie überwiegen. „Meine Generation ist die erste auf dem Kontinent seit Jahrhunderten, die in Frieden lebt, vorher hatten wir den Eisernen Vorhang und Kriege, zeigen wir uns wieder mehr für den Frieden dankbar, seien wir zufrieden und lasst uns begeistern für politisches Engagement und europäische Dialoge. Wir wollen Europa besser machen und Europa darf ruhig etwas bayerischer werden“ – so Manfred Weber abschließend. Verschiedene weitere Themen wurden in der Diskussion, unter anderem von Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner zum Bankensystem angesprochen.

In einem Grußwort bedankte sich Äbtissin Johanna Mayer OSB als Gastgeberin für die Freue, Ehre und auch für die Spenden durch die Veranstaltung und sie sagte: „Für Jeden und für jede Lebensform ist es wichtig, die Zeichen der Zeit zu beachten und mit christlicher Achtsamkeit zu reagieren“. Als Schwester des Benediktinnerinen-Ordens erbat sie noch den Segen des Heiligen Benedikts, der auch einer der Schutzpatrone Europas ist. Dr. Michael Elsen als BKU-Bezirks-Vorsitzender Berchtesgadener Land/Traunstein dankte Manfred Weber mit den Zitaten „Herr, die Not ist groß! Die Geister, die ich rief, die werde ich nicht mehr los!“ (Johann Wolfgang von Goethe) und „Wir brauchen nicht nur eine Reform der Zustände in Europa, sondern auch eine Reform der Gesinnung“ (Kardinal König aus Wien) und mit seiner persönlichen Empfehlung: „Die europäische Union sollte stets kompromissbereit bleiben. Doch sie darf dabei nicht ihre Werte und Ideen und die Mention ihrer Gründerväter verraten“. Nach der Veranstaltung trafen sich die Gäste des Wirtschaftsbeirates und des BKU zu einer Gottesdienstfeier im Münster Frauenchiemsee zusammen mit Pater Eberhard von Gemmingen SJ (unter anderem Autor des Buches „Der Pater und der Papst“) als Zelebranten und hernach im Klostercafe zum gemütlichen Beisammensein.
Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke von den 19. Frauenwörther Gesprächen auf der Fraueninsel

Nr. …488: von links: Dr. Albert Gresser, Dr. Michael Elsen, MdL Klaus Stöttner, Europa-Abgeordneter Manfred Weber, Pater Eberhard von Gemmingen SJ, Äbtissin Johanna Mayer OSB, MdL a.D. Adolf Dinglreiter und Dr. Jürgen Hofmann, Generalsekretär des Wirtschaftsbeirates Bayern.

Weitere Informationen: www.wbu.de

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg